Der Olympia-Bakken zu Garmisch-Partenkirchen bleibt die Achillesferse für die ÖSV-Adler: Wie schon in den vergangenen drei Jahren können die rot-weiß-roten Skispringer schon nach dem traditionellen Neujahrsspringen alle seriösen Hoffnungen auf einen Triumph bei der Vierschanzentournee begraben. Weltcup-Gesamtsieger Stefan Kraft, der bei den vergangenen drei Auflagen in Bayern mit den Rängen 49, 31 und 13 schwer abgestürzt war, musste auch am Freitag mit dem für ihn enttäuschenden 28. Platz den nächsten ernüchternden Jahresbeginn hinnehmen. Beim Sieg des polnischen Tournee-Titelverteidgers Dawid Kubacki vor dem Norweger Halvor Egner Granerud klassierte sich Philipp Aschenwald als bester Österreicher an die sechste Stelle.

Damit warten die ÖSV-Adler bereits seit 2017 auf einen Stockerlrang beim Neujahrsspringen (Rang drei von Kraft); der letzte Sieg auf der großen Olympiaschanze gelang Senkrechtstarter Thomas Diethart aus dem Tullnerfeld anno 2014.

In der Gesamtwertung der 69. Vierschanzentournee übernahm Weltcup-Leader Granerud die Pole Position, nachdem Oberstdorf-Sieger Karl Geiger seinen ersten Sprung verhaut hatte und letztlich noch auf Platz 5 landete. Kubacki, der mit 144 Metern im Finale Schanzenrekord sprang, schob sich an die vierte Stelle nach vor. Von ÖSV-Seite konnte nur Aschenwald halbwegs zufrieden sein, der nunmehr 18 Punkte vom Tournee-Stockerl entfernt ist. "Ich bin mit den Sprüngen und der Steigerung sehr zufrieden", meinte der 25-jährige Tiroler, dem letztlich nur drei Punkte auf das Garmisch-Siegerfoto fehlten. "Vielleicht ist dann in Österreich das Glück auf unserer Seite."

Innsbruck und B’hofen bereit für Geister-Konkurrenzen

Indes gingen die Vorbereitungen in den abschließenden Stationen in Innsbruck und Bischofshofen in die finale Phase - und es werden zwei historische Tournee-Premieren ohne Zuschauer. So sehr die Abwesenheit der Stimmungsmacher fehlt, bei den Österreich-Springen wird auf künstliche Aufwertung durch Pappkameraden oder virtuelle Fans auf LED-Wänden im Zielbereich verzichtet. Der Tenor: Stadionatmosphäre kann und soll nicht simuliert werden. "Wir sind es gewohnt, dass gut 20.000 Zuschauer dabei sind, tausende Fahnen werden geschwungen - und jetzt springen die Sportler in ein Stadion mit Totenstille", sagte der in Bischofshofen ansässige Tournee-Präsident Johann Pichler. Virtuelle Fans waren laut ihm keine Option. "Die Firma ist auch an uns herangetreten. Der in Planica bemerkbare Effekt steht für uns aber in keinem Verhältnis zu den Kosten."

Eine Tournee ohne Zuschauer habe sich vorher niemand vorstellen können, erklärte Alfons Schranz, der Chef des Organisationskomitees am Bergisel, wo am Samstag (13.30 Uhr) die Qualifikation auf dem Programm steht. "Der Sport bleibt der gleiche, aber die Atmosphäre fehlt. Der Hexenkessel Innsbruck wird uns abgehen." Kraft räumte nach der Erfahrung von Oberstdorf sogar ein, "nicht die Anspannung und den letzten Nervenkitzel wie vor 30.000 Leuten" verspürt zu haben. "Anders wäre es natürlich cooler."(may)