Der Pole Kamil Stoch hat sich mit einem überlegenen Sieg in Bischofshofen zum dritten Mal den Vierschanzentournee-Titel geholt. Der Olympiasieger gewann den Abschlussbewerb am Mittwoch vor dem Norweger Marius Lindvik, dem Deutschen Karl Geiger und Stefan Kraft.

Mit 33 Jahren setzte Stoch einen weiteren Meilenstein in seiner Erfolgskarriere. Der dreifache Olympiasieger, Ex-Weltmeister und zweifache Weltcup-Gesamtsieger ist jetzt dreifacher Tournee-Champion. Nur der Finne Janne Ahonen mit seinen fünf Triumphen und Deutschlands Jens Weißflog (4) haben öfter als Stoch die Tournee gewonnen, der diesbezüglich nun auf einer Stufe mit den beiden Dreifachsiegern Björn Wirkola (NOR) und Helmut Recknagel (DDR) steht.

Doch auch Stoch war nicht immer obenauf. Nach einer Knöcheloperation 2015 kämpfte er als damaliger Doppel-Olympiasieger lange um die Rückkehr an die Spitze. Gelungen ist sie ihm erst unter dem Tiroler Cheftrainer Stefan Horngacher, der mittlerweile das Team Deutschland trainiert. Und durch seinen fast krankhaften Ehrgeiz, den Trainer wie Horngacher gerne mit "akribischer Arbeit" übersetzen.

Als Basis für seine Erfolge nennt Stoch sein Privatleben. Wenn er im Weltcup unterwegs ist, telefoniert er mehrmals täglich mit seiner Gattin und Managerin Ewa, mit der er seit 2010 verheiratet ist. "Das erdet mich", betonte der Überflieger. "Ich habe sportlichen Erfolg, aber der größte Erfolg meines Lebens ist mein privates Glück." Solche Sätze sind gleichsam ein Grund für seine Popularität im skisprungbegeisterten Polen.

Grand Slam 2018

Mit neun Jahren sprang klein Kamil erstmals von einer Schanze, mit zwölf segelte er schon 128 Meter weit und mit 17 debütierte er im Weltcup. Ob er damals schon der bekennende Katholik und Fan des Liverpool FC war, der er heute ist, ist nicht überliefert, seine Sieges-Beständigkeit fortan aber schon: Im vergangenen Jahrzehnt feierte er in jedem einzelnen Jahr zumindest einen Sieg. 2018 gelang ihm als zweitem Springer in der Historie das Kunststück eines Grand Slams mit vier Siegen hintereinander auf allen vier Tournee-Schanzen. "Luft ist mein zweites Wesen", spricht Stoch das aus, was viele über ihn denken.

In dieser besonderen 69. Auflage, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohne Zuschauer ausgetragen wurde und deshalb auf ihr ganz besonderes Flair verzichten musste, profitierte Stoch auch von einer Wende, die manche als Politikum, manche als faire Geste und rein grundsätzlich wohl auch als glückliche Fügung zu bezeichnen ist. Denn das versammelte polnische Team um Stoch war beim ersten Bewerb in Oberstdorf wegen eines positiven Corona-Tests schon von der Tournee ausgesperrt worden. Nach zwei negativen Testreihen aller Beteiligten aber wurden sie zurückgeholt und Stoch nutzte die zweite Chance, wie es nur Champions tun. (apa)