Irgendwann endet jede Durststrecke: Das eidgenössische Hinterherfahren in der alpinen Grunddisziplin Riesentorlauf beendete ein gewisser Marco Odermatt am 7. Dezember 2020 in Santa Caterina - nachdem die Schweizer seit März 2011 (Carlo Janko) all den anderen den Vortritt lassen mussten. Also insbesondere Marcel Hirscher, Ted Ligety und Alexis Pinturault. Letzterer hat auch am Freitag wieder zugeschlagen und just den für die Schweizer prestigeträchtigsten aller Riesentorläufe - nämlich jenen von Adelboden - mit zwei klaren Laufbestzeiten (zum 32. Weltcupsieg) für sich entschieden. Damit dauert diese eidgenössische Durststrecke noch etwas an: Zwar hat im Vorjahr Daniel Yule vielumjubelt den Slalom von Adelboden für sich entschieden, den Riesentorlauf vom Kuonisbergli konnte mit Marc Berthod aber letztmals anno 2008 - also vor einer halben Ewigkeit - ein Schweizer gewinnen.

Doch dank des Corona-Weltcup-Kalenders eröffnet sich gleich am Samstag (10.30/13.30, ORF 1) die Chance zur Revanche. Immerhin fehlte Odermatt als Drittem bei einem Rückstand von 1,11 Sekunden wiederum eine halbe Ewigkeit auf den französischen Weltcup-Leader. Dass dieser dem 23-jährigen Schweizer Jungstar in Adelboden beinahe auch das rote Trikot des Führenden im Disziplin-Weltcup abjagte, wird wohl auch Motivation genug sein für einen kollektiven Angriff der Eidgenossen im zweiten Teil des (ohne Publikum) abgehaltenen Ski-Spektakels. Mit Justin Murisier und Loic Meillard - am Freitag auf den Plätzen fünf und sechs - gibt es zudem zwei weitere Weltklassefahrer, die das Zeug zum Heim-Coup haben.

Alexis Pinturault war auf dem Kuonisbergli nicht zu schlagen - zwei Mal Laufbestzeit. - © afp/Coffrini
Alexis Pinturault war auf dem Kuonisbergli nicht zu schlagen - zwei Mal Laufbestzeit. - © afp/Coffrini

Von derlei mannschaftlicher Stärke können die Österreicher im Riesentorlauf nur träumen. In der mit Abstand schwächsten Disziplin treten die ÖSV-Fahrer weiterhin auf der Stelle - einzig die zweitbeste Laufzeit von Roland Leitinger im Finale, die den Vizeweltmeister von 2017 von Rang 28 auf 11 katapultierte (+3,02), darf als kleiner Lichtblick gewertet werden; schon im Vorjahr hatte der 29-jährige Tiroler im zweiten Lauf die Gunst der Stunde auf dem Kuonisbergli genutzt und war von Rang 27 auf 6 nach vorne gerast. "Es war ein Superlauf. Ich habe wie im letzten Jahr versucht, alles reinzuhauen. Es wird irgendwann schon einmal in meinen Schädel reingehen, dass ich im ersten auch so fahren muss", sagte Leitinger im TV-Interview.

Nur zwei ÖSV-Fahrer punkten

Mit Marco Schwarz klassierte sich nur ein weiterer Österreicher in den Punkterängen - der Kärntner steigerte sich als Halbzeit-24. noch auf Platz 14 (+3,50). "Der zweite Durchgang war um einiges besser. Wir haben ein bisserl was umgestellt, das hatte eine große Wirkung. Es passt jetzt perfekt, dass morgen noch ein Riesentorlauf ist", sagte Schwarz nach dem Rennen im Zielraum. Für alle anderen ÖSV-Fahrer verlief der Freitag indes enttäuschend: Im finalen Durchgang nicht ins Ziel kam etwa Raphael Haaser, der bei seinem Debüt in Adelboden zur Halbzeit als 18. bester Österreicher gewesen war. Stefan Brennsteiner, zuletzt Achter in Alta Badia, verpasste nach einem schweren Patzer als 42. die Finalteilnahme. "Ich habe mich oben nicht gut gefühlt und versucht, herunten etwas gutzumachen. Aber das ist total in die Hose gegangen", lamentierte Brennsteiner. Eine Erklärung, weshalb er seine Trainingsleistungen nicht im Rennen umsetzen kann, hatte er nicht. "Die Lockerheit im Kopf wäre mir heute eigentlich auch nicht abgegangen." Im zweiten Rennen wolle er "mit einer Freude angreifen", mit zwei guten Läufen sei ein Platz unter den ersten Zehn drinnen, meinte er.

Sölden-Sieger verletzt

Ebenfalls im Finale nicht mit dabei waren - bei seinem Weltcupdebüt - Christian Borgnaes (40.) und Adrian Pertl (41.), sowie Manuel Feller und Magnus Walch, die beide ausschieden. Überhaupt nicht am Start war Vorjahressieger Zan Kranjec aus Slowenien wegen Rückenproblemen. Mit einer mutmaßlichen Knieverletzung aus dem Zielraum gebracht wurde indes Sölden-Sieger Lucas Braathen (7.) - der Norweger war bei der Zieldurchfahrt unglücklich gestürzt und hatte anschließend starke Schmerzen.(may)