Als Stephan Eberharter anno 2004 auf der Streif seine legendäre "perfekte Fahrt"  hinlegte, hatte er keine 48 Stunden vorher eine ähnlich saubere Fahrt auf selbiger Strecke absolviert, die aber bei einem Hundertstel Rückstand auf Lasse Kjus hauchdünn nicht zum Sieg reichte. Warum das 17 Jahre später von Relevanz ist? Damals gab es zum letzten Mal eine Doppelabfahrt auf der selektivsten Abfahrtsstrecke der Welt, und es war das Ersatzrennen für die abgesagte Lauberhornabfahrt - also so wie heuer. Aber nicht ganz: Denn nach der überstürzten Absage der Schweizer Traditionsveranstaltung (wegen offenbar unkontrollierter Ausbreitung der britischen Variante des Coronavirus), hat kurzerhand Kitzbühel Abfahrt und Slalom aus Wengen übernommen. Womit binnen neun Tagen nun fünf Rennen in drei Disziplinen (inklusive drei Abfahrtstrainings) anstehen. Die Gamsstadt hat in 81. Hahnenkamm-Rennen in der Tat viel erlebt, aber so etwas noch nicht. Fünf Rennen en suite an einem Ort sind auch in der langen Weltcuphistorie eine Premiere.

Was Doppelabfahrten betrifft, hat freilich der Veranstalter - der Kitzbüheler Ski Club - reichlich Erfahrung: Denn während es für die aktuelle Abfahrergeneration völliges Neuland ist, zwei Mal binnen 24 Stunden die Streif runterzustürzen, stand dies früher regelmäßig an der Tagesordnung: 13 Doppelabfahrten weist die Statistik der Hahnenkamm-Rennen auf, wobei sieben Athleten das Kunststück des Streif-Doubles gelungen ist - darunter vier Österreichern: Christian Pravda (1951), Karl Schranz (1972), Josef Walcher (1978), Pirmin Zurbriggen (Schweiz/1985), Peter Wirnsberger (1986), Franz Heinzer (Schweiz/1992) und Luc Alphand (Frankreich/1995).

Vor allem der Doppel-Triumph von Peter Wirnsberger, der sich heuer zum 35. Mal jährt, ist wohl vielen Ski-Fans noch immer ein Begriff. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" vor exakt fünf Jahren meinte der Steirer zu einem seiner größten Erfolge recht salopp: "Diese Statistik bleibt - bis sie dich eingraben."

Anders als früher ist die Belastung der Rennsportler aber heuer ungleich höher - gesetzt der Fall, Witterung oder Corona lassen auch das volle Programm zu. Denn vor dem Abfahrts-Doppel am Freitag und Samstag (22./23. Jänner) soll es von Dienstag bis Donnerstag drei Trainingsläufe geben; und nach dem Streifspektakel steht noch am Sonntag der bekanntermaßen herausfordernde Super G von der Streifalm an - also insgesamt sechs Streif-Einsätze für die Speed-Spezialisten.

Slalom-Double via Streif

Etwas kommoder haben es da die Slalom-Spezialisten, die zwar die unmittelbar aufeinander folgenden Rennen von Zagreb und Adelboden in den Beinen haben, die nach dem Doppelslalom kommenden Samstag und Sonntag auf dem Ganslern aber eine neuntägige Pause (vor Schladming) haben.

Doppelslaloms in Kitzbühel sind freilich auch kein Neuland - drei Mal in der Hahnenkamm-Historie wurden die Torlauf-Stangen zwei Mal hintereinander justiert: Besonders gute Erinnerungen an das letzte Mal hat der Schwede Jens Byggmark, der 2007 gleich im Doppelpack zugeschlagen hat. Weil Abfahrt und Super G wegen Schneemangels gestrichen werden mussten, standen die Carving-Artisten im Mittelpunkt - zudem fand der Zieleinlauf (auch schneebedingt) im großen Zielbereich statt; mit Streckenführung über Hinterganslern und Streif-Zielschuss. So war es auch 1998 gewesen, als die österreichischen Fans gleich zwei Mal die heimischen Slalom-Stars zum Sieg peitschen konnten: Am Sonntag gewann Thomas Stangassinger, am Montag Thomas Sykora.

Weil das Torlauf-Doppel anno 2007 so gefiel und angeblich den neuen Carving-Skiern auf dem flacheren Terrain so entgegenkam, ließ man den Ganslernhang auch 2008 links liegen - erst nach heftiger Kritik von Fahrern und Fans entschied sich der Kitzbüheler Ski Club, wieder auf den Klassiker am Ganslern mit steilem und kupierten Gelände umzuschwenken.

Nicht gerettet werden konnte indes die klassische Hahnenkamm-Kombination, die früher als Nonplusultra der Skiszene gegolten hatte. (Und Hahnenkamm-Sieger durfte sich eigentlich nur nennen, wer die Kombination gewinnen konnte.) In Zeiten aussterbender Allrounder wurde vor allem Anfang des vergangenen Jahrzehnts viel herumprobiert - 2014, 2015 und 2016 gab es etwa eine Super-Kombination aus Super G und und einem Nachtslalom-Durchgang am Freitag. Wegen dieser zu hohen Belastung für die Athleten ging dieses Rettungsversuch aber schief - und die Hahnenkamm-Kombination ist seit 2016 (letzter Sieger: Alexis Pinturault) Geschichte.

Maiers Comebacksieg

Während in der Prä-Weltcup-Ära in Kitzbühel auch Damen-Rennen (bis 1961) sowie fünf Herren-Riesentorläufe (bis 1965) ausgetragen wurden, aber sich letztlich nicht durchgesetzt haben, ist der Super G seit Hermann Maiers Zeiten (ab 2000) fix im Programm des Hahnenkamm-Wochenendes. Den Sonntag-Termin für den eigentlichen Auftaktbewerb gab es witterungsbedingt auch schon zwei Mal: 2019 (Sieger Josef Ferstl) und 2014 (Didier Defago) bildete der Super G den krönenden Anschluss des Spektakels. Und 2003 fand er sogar erst am Montag statt - als Maier im dichten Schneetreiben sein Sensations-Comeback-Sieg gelang.