Günther Mader (1995), Thomas Sykora (1998), Hermann Maier (2003/2005) - und nun auch Vincent Kriechmayr. Wann immer die Hahnenkammrennen an einem Montag in eine (witterungsbedingte) Verlängerung gehen, lacht ein ÖSV-Fahrer ganz oben vom Siegespodest. Mit seinem Super-G-Sieg am Montagvormittag prolongierte der 29-jährige Mühlviertler nicht nur diese rot-weiß-rote Siegesserie, sondern er kürte sich auch zum ersten oberösterreichischen Kitzbühel-Sieger auf der Streif in der Weltcupgeschichte. Dieser Erfolg war nicht einmal Hannes Trinkl, Abfahrtsweltmeister von 2001 und nunmehr FIS-Rennleiter, gelungen.

Im Windschatten von Kriechmayr gelang dem ÖSV-Team zum Abschluss der 81. Hahnenkammrennen ein starker Mannschaftserfolg: Hinter Marco Odermatt (+0,12 Sekunden) schaffte es Matthias Mayer (+0,55) zum dritten Mal bei den diesjährigen Rennen aufs Siegerfoto; Christian Walder als Fünfter (+0,70) und Stefan Babinsky als Überraschungs-Siebenter (+1,19) empfahlen sich fürs WM-Aufgebot. Streif-Doppelsieger Beat Feuz war diesmal geschlagen - nach aussichtslosem Rückstand schied er im Schlussstück aus.

Dabei war Kriechmayr nach der doppelten Streif-Enttäuschung - als Top-Favorit kam er nur auf die Ränge 9 und 17 - weniger mit Selbstvertrauen denn mit dem Mute der Verzweiflung in den Kitz-Schlusspunkt gegangen. "Ich hab’ mir gedacht - lass’ ihn heute runter, wennst draußen liegst, liegst draußen!", verriet er etwa gegenüber ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel im Zielraum. Kriechmayr profitierte im Gegensatz zur Abfahrt von seiner (niedrigen) Startnummer - bei perfekten Bedingungen legte er bis auf die Schrägfahrt ein perfektes Rennen hin und verwies den Schweizer Jungstar Odermatt auf Rang zwei. Es war der siebente Weltcupsieg des Gramastettners, der fünfte in einem Super G - und außer der goldenen Gams gab es auch das rote Trikot des Führenden im Disziplinenweltcup. "Ich bin auf alle Fälle sehr happy mit dem Rennen, ich bin stolz auf mein Skifahren, das ist einer meiner schönsten Siege", sagte Kriechmayr nach seinem ersten Saisonerfolg. "Es ist eine große Genugtuung, dass es so ausgegangen ist. Ich habe von oben bis unten probiert, hundert Prozent zu geben." Nachsatz: "Es war eine harte Woche, ich bin froh, dass es erfolgreich für mich zu Ende gegangen ist." Nun folgt für ihn erst einmal eine Schneepause, ehe es am 3. Februar in Garmisch-Partenkirchen (Abfahrt und Super G) mit dem ersten Training auf der Kanadahar weitergeht; danach folgt die WM in Cortina.

Alle Neune für Mayer

Für Mayer bescherte Rang drei die insgesamt schon neunte Gams in Kitzbühel - genauso viele Stockerlplätze hat er in der Wintersport-Metropole geschafft (bei zwei Siegen). Nach dem Abfahrtstriumph im Vorjahr und Super-G-Rang 2 schaffte er heuer die Plätze 2, 3 und 3 - also stand er sogar fünf Mal en suite auf dem Stockerl: "So etwas ist schon sehr speziell", meinte der zweifache Olympiasieger. "Es war ein schwieriges Rennen, eisiger als gestern. Ich bin selbst ein bisschen überrascht, es war nicht unbedingt meine beste Fahrt", meinte der 30-jährige Kärntner, der wie am Freitag einen Fehler am Oberhausberg einbaute, was ihm eine noch bessere Platzierung kostete. "Es war schon ein g’scheiter Hackler da oben. Sonst wäre noch ein bisschen mehr drinnen gewesen." Doch bei ihm überwog letztlich das Mitfühlen mit dem erfolgreichen Teamkollegen: "Ich freue mich sehr für ihn, er hat es sich voll verdient. Der Vince ist ein Kämpfer."

Die starken Leistungen der weiteren Österreicher werden bei den Trainern hinsichtlich der WM-Aufstellung die Köpfe rauchen lassen (Männer-Auftaktbewerb ist am 9. Februar der Super G): Walder schaffte mit Startnummer eins nach dem dritten Rang in Val d’Isere sein zweites Topresultat - das WM-Ticket wird ihm wohl nicht zu nehmen sein. Überraschung des Tages aus ÖSV-Sicht war allerdings Babinsky, der mit Nummer 32 auf Rang7 rauschte - das bisher beste Weltcupresultat für den 24-jährigen Steirer. "Unglaublich, eine Explosion von Emotionen. Unbeschreiblich! In den Speed-Disziplinen ist der Schritt zur Weltspitze sehr groß. Ich versuche, mich da Schritt und Schritt heranzuarbeiten und mir was abzuschauen."

Eng mit einem WM-Fixplatz wird es indes für die Routiniers Max Franz (20.) und Hannes Reichelt (29.), die am Kitzbühel-Montag nichts zur ÖSV-Erfolgsserie beitragen konnten.