Marcel Hirscher schimpfte ihn dereinst "depperten Glasbecher", nur das Bestreben der meisten Skirennläufer, genau diesen zu gewinnen, ist ungebrochen. Und wenngleich es sich für die ÖSV-Mannschaft wohl heuer nicht mehr ausgehen wird, den Gesamtweltcup zu holen, so stehen die Chancen auf die kleine Kristallkugel im Slalom mehr als gut. Der Mann der Stunde heißt hier freilich Marco Schwarz - und er hat es in der Hand, in den beiden alpinen Slaloms am Wochenende in Chamonix (jeweils 9.30/ 12.30/ORF1), zumindest eine Vorentscheidung im Kampf um die Slalomkugel herbeizuführen. Dabei fuhr sich der Skirennläufer einen komfortablen Vorsprung von 131 Punkten auf Sebastian Foss-Solevaag (Nor) und 165 auf Manuel Feller als seine ersten Verfolger heraus. Nach der WM wartet nur noch je ein Rennen in Kranjska Gora und Lenzerheide.

Mister Konstanz hat als Einziger bereits zwei Slaloms in diesem Winter gewonnen, in Adelboden und zuletzt in Schladming. In der Theorie könnte Schwarz folglich den Kugelgewinn bereits in Frankreich fixieren. In der Praxis scheint das aber kaum möglich, denn die Konkurrenz ist stark an Zahl und Leistung. Bereits zehn Athleten schafften es in den bisher sieben Rennen auf das Stockerl. Allerdings war niemand so erfolgreich wie der 25-Jährige aus dem ÖSV-Team, der neben zwei Siegen auch einen zweiten und drei dritte Plätze einfuhr. Lediglich in Madonna fehlte er als Neuner bei der Siegerehrung.

Wer empfiehlt sich für WM?

"Es ist ein großes Ziel, um die Kugel zu kämpfen. Es gibt noch einige Rennen, wir werden nach dem letzten Rennen sehen", sagte der Mann im roten Trikot und blickte mit Vorfreude auf Chamonix. "Es ist eher wieder auf der flacheren Seite. Vielleicht ähnlich wie Zagreb, wo ein relativ langer Boden ist. Von dem her könnte mir das auch ganz gut liegen. Ich bin natürlich voll motiviert." Das bisher letzte Rennen an diesem Weltcup-Schauplatz im Februar 2020 gewann der Franzose Clement Noel vor dem Norweger Timon Haugan sowie den Österreichern Adrian Pertl und Michael Matt. Feller wiederum, der das erste Flachau-Rennen gewann, im zweiten nach einem Patzer noch 17. wurde und in Schladming nach klarer Halbzeitführung ausschied, nahm als Positives aus der Steiermark mit, dass gleich wieder zwei Rennen folgen. "Schade, aber blicken wir nach vorn. Ich glaube, es wird von den Temperaturen ein bisschen wärmer. Vielleicht kommt mir das ein bisschen entgegen."

In Chamonix sollten die österreichischen Trainer auch Klarheit bekommen, wen sie zur Ski-WM nach Cortina mitnehmen werden. Hinter dem Duo Schwarz/Feller darf freilich Matt als so gut wie fix angesehen werden. Motivation und Geschwindigkeit passen, wie der Halbzeitrang drei auf der Planai gezeigt hat. Die besten Chancen auf den vierten Startplatz haben Fabio Gstrein und Pertl. Für die Youngsters wäre eine Teilnahme bereits ein Erfolg. Es muss ja nicht immer gleich der depperte Glasbecher sein.(apa/rel)