Gesundheit geht vor. Dieses seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie weithin bekannte Mantra von Medizinern und Politikern gilt nicht bloß für ein Virus, sondern auch fürs Wetter - zumindest im Sport. So wie die Skispringer am Wochenende in Willingen mit dem Wind zu kämpfen hatten, so rangen auch die Organisatoren des Damen-Super-G am Sonntagnachmittag in Garmisch-Partenkirchen mit dem Nebel. Die Verantwortung dafür, dass eine Läuferin schwer stürzen und ihr damit der Traum von der Teilnahme bei der Ski-WM kommende Woche in Cortina d’Ampezzo genommen werden könnte, wollte niemand übernehmen. "Nach dem Eishang sieht man einfach nichts, das wäre einfach viel zu gefährlich", brachte es der Ex-Rennläufer Felix Neureuther am Sonntag auf den Punkt.

Und so wurde der Super G, der für viele Athletinnen als wichtiger Gradmesser in Sachen Ski-WM galt, auf den Montag verschoben - und hat mit Lara Gut-Behrami einen Favoritensieg gebracht. Die Schweizerin holte in dieser Disziplin ihren vierten Sieg in Folge und steht damit knapp vor dem Gewinn der kleinen Kristallkugel. Ihr Vorsprung auf ihre Landsfrau Corinne Suter beträgt 96 Punkte, Zweite wurde die Slowakin Petra Vlhova (+0,28 Sekunden) vor ÖSV-Profi Tamara Tippler (+0,74). Nicht am Start war Christine Scheyer wegen Knieproblemen, Ricarda Haaser kam als zweitbeste Österreicherin auf Rang 14. Darüber, dass die mannschaftliche ÖSV-Leistung an diesem Tag eher mittelmäßig war, konnte auch nicht die im Zielraum viel diskutierte Frohbotschaft hinwegtäuschen, dass Anna Veith ein Baby erwartet.

Immerhin Tippler konnte mit ihrer Fahrt zufrieden sein, vor allem, weil es ihr gelungen ist zu attackieren. "Das war mein Riesenziel. Es ist mir im ersten Super G noch nicht gelungen, dass die Ski nach unten zeigen. Ich habe ordentlich Gas gegeben und bin in den Kampfmodus gegangen", sagte sie. Für die Steirerin war es der dritte Stockerlplatz in dieser Saison, der zweite nach Platz zwei in Crans Montana im Super G. "Ich freue mich reisig über den dritten Platz. Weiterarbeiten, weitertrainieren, es freut mich, dass ich die Trainingsleistungen im Rennen zeigen kann." Für die WM hat sich die Steirerin vorgenommen, nicht mehr zu wollen, als sie könne, denn das kenne sie aus der Vergangenheit und das bremse. Die WM habe eigene Gesetze, betonte sie. "Ich versuche, mein Können auf den Schnee zu bringen. Ich weiß, wie es ist, es kann schnell wieder anders ausschauen. Ich war schon öfter in der Situation, dass man eine paniert kriegt. Wie ich jetzt fahre, habe ich mir hart erarbeitet. Ich bin schon stolz auf mich. Ich staple nicht tief, ich will einfach am Boden bleiben."

Regelrecht abgehoben ist hingegen in Garmisch Gut-Behrami. "Es braucht ab und zu lang, und wenn es irgendwann wieder in die richtige Richtung geht, fühlt sich alles leichter an. Es passt alles zusammen, ich kann wieder befreit Skifahren", kommentierte die Eidgenössin ihren bereits 30. Weltcup-Sieg ihrer Karriere. Sie werde nun vor der WM ein paar Tage Pause einlegen, um sich zu regenerieren. Sie fühle sich nicht unter Druck, habe nichts zu beweisen. Einen großen Schritt in ihrer Karriere nach vorne machte zudem Vlhova, die am Montag ihr erstes Speed-Stockerl eroberte. Damit ist das Slalom-Ass bei der WM für die Kombination die Topfavoritin. Dafür schmolz ihr Vorsprung auf Gut-Behrami im Gesamtweltcup auf 42 Zähler. Enttäuscht ist sie dennoch nicht: "Ich bin glücklich über das erste Speed-Podest, das war ein wirklich guter Tag für mich."

Sofia Goggia fehlt bei Heim-WM

Keinen guten Tag hatte hingegen Sofia Goggia. Die italienische Seriensiegerin zog sich am Sonntag auf einer Nebenpiste in Garmisch im rechten Knie eine Fraktur des seitlichen Schienbeinkopfes zu. Nach der Verschiebung des Super G soll Goggia bei der Fahrt vom Starthaus zurück ins Tal gestürzt sein. Die 28-jährige galt bei der WM in Cortina als eine der größten Hoffnungen der Gastgeber-Nation.(rel/apa)