Das Beste kam am Schluss. Ganz am Schluss nämlich. Nach einem durchwachsenen Verlauf der alpinen Ski-WM 2019 im schwedischen Aare gab es im finalen Herren-Slalom einen wahren Paukenschlag aus rot-weiß-roter Sicht. Einen historischen noch dazu. Denn der ÖSV-Dreifachsieg - Marcel Hirscher vor Michael Matt und Marco Schwarz - war zum einen epochal, weil es derlei in einem WM-Torlauf noch nie zuvor gegeben hatte; zum anderen war es der letzte Rennsieg von Hirscher in der vielleicht größten aller Skirennfahrer-Karrieren. Der sich damit - mit sieben Gold- und vier Silbermedaillen - auch noch in der ewigen WM-Bestenliste vor Toni Sailer an die Spitze setzte.

Dass es überhaupt zu diesem letzten Husarenstück des Lammertalers kommen konnte, war unmittelbar zuvor einem kleinen medizinischen Wunder geschuldet. Zwei Tage zuvor ging Hirscher als Titelverteidiger in den Riesentorlauf - krank, grippig und also schwer bedient musste er seinem Rivalen Henrik Kristoffersen mit 20 Hundertstelsekunden Rückstand die Goldene überlassen. Im Sonntag-Slalom war Hirscher dann aber plötzlich wieder voll bei Kräften und zertrümmerte schon im ersten Lauf die Konkurrenz - am Ende gelang ihm souverän das Torlauf-WM-Triple (2013, 2017, 2019).

"Ende gut, alles gut", fasste ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hernach die 45. alpinen Titelkämpfe zusammen. Tatsächlich sorgte der finale Dreifachschlag nicht nur für eine summa summarum ordentliche Ausbeute in der Medaillenbilanz mit acht Mal Edelmetall, Hirscher bewahrte den erfolgsverwöhnten Verband am letzten Abdruck auch vor der Schmach, erstmals seit Crans Montana 1987 ohne Goldmedaille abreisen zu müssen.

Außer Hirscher, der Gold und Silber holte, stachen vor allem Vincent Kriechmayr und Schwarz hervor: Der Speed-Spezialist aus dem Mühlviertel holte sich im Herren-Auftaktbewerb sein erstes Edelmetall ab - Silber im Super G; in einer chaotischen Abfahrt legte er auch noch Bronze nach. Der Kärntner Techniker durfte indes mit drei Medaillen so oft wie kein anderer ÖSV-Starter jubeln: Nach Bronze in der Kombination und Silber im Team (knappe Finalniederlage gegen die Schweiz), durfte er auch am letzten WM-Tag als Dritter aufs Siegerfoto.

Damen-Frust in Aare

Womit dann auch schon alle ÖSV-Medaillengewinne aufgezählt wären. Denn die große Leerstelle aus rot-weiß-roter Sicht bildeten vor zwei Jahren die Damen, die in den Einzeldisziplinen einen klassischen Salto nullo hinlegten. Dass dabei viel Pech im Spiel war, zumal dank der ÖSV-Damen Österreich auch die Blech-Wertung gewinnen konnte, machte die Sache nicht wirklich freundlicher. Stephanie Venier (Abfahrt), Ramona Siebenhofer (Kombination) und Katharina Liensberger (Slalom) haderten mit ihren vierten Rängen und suchen wohl noch heute die fehlenden Hundertstel zum Edelmetallglück. Immerhin: Alle Drei werden in Cortina noch einmal die Chance bekommen und können es dort also besser machen. So wie gleich acht Titelverteidiger: Kjetil Jansrud (Abfahrt), Dominik Paris (Super G), Kristoffersen (Riesentorlauf), Alexis Pinturault (Kombination) bei den Herren und Ilka Stuhec (Abfahrt), Mikaela Shiffrin (Super G/Slalom), Petra Vlhova (Riesentorlauf) und Wendy Holdener (Kombination) bei den Damen werden das güldene Trikot der WM-Titelverteidiger in die Dolomiten tragen.

Nur einer fehlt in dieser Riege - weshalb Österreich auch den möglichen fünften Startplatz im Slalom, der angesichts der heuer besonder schlagkräftigen Truppe wichtig wäre, nicht besetzen darf: Hirscher weilt bekanntlich längst in der Ski-Pension und wird sein Fixticket nicht - auch wenn sich das vielen wünschen würden - beim finalen Slalom am 21. Februar einlösen. Sondern es sich wohl im Patschenkino gemütlich machen. Und auf ein ähnlich historisches Ergebnis wie 2019 in Aare hoffen.