Als Andrea Grossegger 1984 österreichische Biathlon-Geschichte schrieb, war das Gros der heutigen Athletinnen-Generation noch nicht einmal auf der Welt. Dennoch fällt der Name der Vorarlbergerin, die heute einen Verein in Saalfelden betreut, häufig dieser Tage. Denn mit der ersten und bisher einzigen Frauen-Medaille bei Weltmeisterschaften hat die heute 59-Jährige, deren Sohn Sven ebenfalls eine Zeit lang ohne durchschlagenden Erfolg zwar, aber immerhin, im Weltcup mitmischte, einen Meilenstein gesetzt - dem nun allerdings weitere folgen könnten.

Bei der Biathlon-WM im slowenischen Pokljuka, die heute, Mittwoch (15 Uhr), mit der Mixed-Staffel eröffnet wird, ruhen die Medaillenhoffnungen nämlich nicht wie üblich in erster Linie auf den Männern, sondern auf den Frauen respektive auf einer Athletin: Lisa Hauser heißt der Grund, warum der österreichische Skiverband zuversichtlich in die Titelkämpfe geht.

Auch in der Mixed-Staffel, in der Österreich als bisher bestes Ergebnis nie über einen fünften WM-Rang hinauskam (2015 und 2016), hofft das heimische Team, die Favoriten aus Norwegen, Frankreich, Deutschland, Schweden, Italien und Russland mehr als nur ärgern zu können. Allerdings hängen die Medaillen hoch, zuletzt gab es in dieser noch relativ jungen Disziplin - das erste Mal wurde sie vor 15 Jahren bei einer WM ausgetragen - nur einen enttäuschenden elften Platz beim Weltcup in Oberhof, im vorigen Jahr belegte das Team bei den Titelkämpfen den achten Rang.

Doch seitdem hat sich viel getan, vor allem Hauser einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und in ihrer Sogwirkung das gesamte Damen-Team weitergebracht. Druck verspürt die 27-jährige Tirolerin, die in den jüngsten sechs Weltcups gleich fünfmal aufs Stockerl kam, aber keinen, ganz im Gegenteil. Mit ihren bisherigen Top-Drei-Rängen beziehungsweise dem Sieg im Einzel von Antholz hat sie ihr vor der Saison definiertes Ziel schon jetzt erreicht beziehungsweise sogar übertroffen. "Alles was jetzt kommt", sagt sie im Vorfeld der WM zur Austria Presse-Agentur, "ist ein bisserl eine Draufgabe. Vor der Saison habe ich gesagt, das Stockerl ist das Ziel, egal ob im Weltcup oder bei der WM. Jetzt habe ich das schon mehrmals erreicht - es war schon jetzt eine perfekte Saison. Natürlich ist die WM das Highlight, aber ich sehe es vielleicht jetzt lockerer."

Freilich galt es, diese Hochform für die WM aufrechtzuerhalten, was angesichts einer zweieinhalbwöchigen Wettkampfpause kein ganz einfaches Unterfangen gewesen sei. "Wenn ich das Niveau halte, bin ich mehr als happy", sagt Hauser und gibt zu bedenken: "Es ist sehr schwierig, dass die ganze Saison weiter so gut ist."

Herren hoffen, sich Feinschliff geholt zu haben

Dennoch ist nicht nur sie, sondern das gesamte heimische Team positiv gestimmt, die Zeit beim Training in Obertilliach so gut als möglich genützt und die besten Voraussetzungen für die Titelkämpfe geschaffen zu haben. Während es bei Hauser darum ging, das hohe Level, das sich die als schnelle und treffsichere Schützin schon davor bekannte Athletin über den Sommer auch in der Loipe erarbeitet hat, zu halten, war bei den Herren nach einer bisher nicht ganz nach Wunsch verlaufenen Saison mit erst einem Stockerlplatz durch Felix Leitner doch noch einiges an Feinschliff vorzunehmen.

Die Herren hatten zuletzt noch etwas Aufholbedarf. - © afp / Tobias Schwarz
Die Herren hatten zuletzt noch etwas Aufholbedarf. - © afp / Tobias Schwarz

Neben Leitner war bisher Routinier Simon Eder der konstanteste, vor allem im Langlauf fehlte ihm bisher aber doch einiges für die absolute Spitze. Julian Eberhard wiederum, vor dem bereits zurückgetretenen Dominik Landertinger 2019 bisher letzter heimischer WM-Medaillengewinner, wurde heuer von Rückenproblemen ausgebremst. Er wird zum Auftakt noch geschont.

David Komatz und Dunja Zdouc gehen neben Eder und Hauser für Österreich ins erste Rennen, letztere dürfte dem Team als Vorbild dienen. "Bisher ist es immer in kleinen Schritten nach vorne gegangen, jetzt ist ein größerer dazugekommen", sagt sie über ihren Werdegang. Der ganz große aufs WM-Stockerl könnte nun folgen. Für Andrea Grossegger war es ja auch irgendwann einmal das erste Mal. Für Österreichs Frauen soll es nicht das letzte Mal geblieben sein.