Gut, Wortspiele mit Namen sind eher zu vermeiden, Lektion Nummer eins. Doch in diesem Fall ist schon das "Gut" in der Einleitung schwer zu vermeiden. Denn Lara Gut-Behrami war es, die mit ihrem Super-G-Sieg in Cortina nach Tagen der Verschiebungen und Absagen den ersten sportlichen Höhepunkt der WM lieferte. Die Österreicherinnen fanden sich nur im abgeschlagenen Feld wieder, Tamara Tippler wurde als Beste Siebente, Ariane Rädler (16.), Christine Scheyer (17.) und Stephanie Venier (20.) folgten noch weiter hinten. Gut, besser, Gut-Behrami also? Es scheint so, allerdings muss dies ja nicht so bleiben. War die Schweizerin, die am Donnerstag vor ihrer Landsfrau Corinne Suter und Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin siegte, im Super G als klare Favoritin auf ihr erstes WM-Gold an den Start gegangen, werden die Karten für die Abfahrt am Samstag völlig neu gemischt.

Sofia Goggia, die Führende im Disziplinenweltcup, fehlt verletzungsbedingt, Tippler will erneut angreifen. "Ich nehme mit, dass ich mitfighten kann", sagte die Steirerin nach dem Super G. Überwogen hat dennoch freilich die Enttäuschung. "Ich habe es probiert, ich war nicht übermotiviert, habe auf mein Können und Skifahren vertraut. Im Mittelteil bin ich ein bisserl Passagier gewesen, war bei den Wellen hintennach. Die Ski sind gegangen wie die Feuerwehr, das alleine hilft aber nichts. Denn dort, wo es gedreht hat, habe ich zu viel Zeit verloren. Von den Teilpassagen kann ich mir nichts kaufen", sagte Tippler, die aber gleich eine Kampfansage hinterherschob. "Das war ja nicht das letzte Rennen meiner Karriere."

Das nächste folgt bestimmt, schließlich gilt Tippler als Fixstarterin auch für die Abfahrt, in der in Nicole Schmidhofer und Nina Ortlieb zwei starke Fahrerinnen verletzungsbedingt fehlen. Die gesundheitlichen Probleme haben schon im Vorfeld etwas Druck vom Damen-Team genommen, einen Salto Nullo wie zuletzt vor zwei Jahren in Aare will man dennoch vermeiden. Cheftrainer Christian Mitter wollte nach dem Rennen am Donnerstag nicht von Medaillen reden, sondern lieber Ursachenforschung betreiben. "Das war sicher nicht der Auftakt, den wir uns erwünscht haben. Das müssen wir uns ein bisserl anschauen, das war vom Skifahrerischen her teilweise nicht genug und vom Taktischen auch nicht. Tamara kann man keinen Vorwurf machen, sie ist um eine Medaille gefahren. Sie hat es probiert. Das jetzt alles auf die Kurssetzung zu schieben, ist schwach, denn das ist für alle gleich, und alle haben eine Besichtigung", sagte er.

"Wollte zeigen, was ich kann"

Dass Gut-Behrami dies am besten bewältigt hat, war indessen keine Überraschung. Die Schweizerin galt schon davor als Topfavoritin. Drei Mal war sie bei Weltmeisterschaften schon Zweite sowie zwei Mal Dritte geworden. Auch bei Olympia in Sotschi war sie 2014 als Dritte auf das Podest gekommen. Fünf WM- und eine Olympiamedaille also, der ganz große Coup war der Tessinerin aber bis diesen Donnerstag in Italien nicht gelungen. Nun klappte es sogar mit "Ansage". Nach vier Weltcupsiegen in Serie, darunter jenem in St. Anton, hatte sich Gut-Behrami in dieser Disziplin zur WM-Topfavoritin gemacht. Natürlich habe sie den Druck der Favoritin deutlich gespürt, habe versucht, das wegzustecken, und sei dementsprechend nervös gewesen, sagte Gut-Behrami nach dem Rennen. Sie sei nach all den misslungenen Gold-Versuchen aber dennoch nicht gestartet, "um endlich Gold zu gewinnen", beteuerte die Schweizerin. "Ich bin nicht gefahren, um Gold zu holen, sondern um zu zeigen, was ich kann", sagte Gut-Behrami. Und vielleicht sollte das auch das Motto der Österreicherinnen am Samstag sein. Gut war es schon, besser kann es noch werden.(art)