Wenn’s laaft, dann laaft’s, wusste bekanntlich schon der dreifache Ski-Weltmeister Rudi Nierlich. Und dieses Jahr läuft es für die ÖSV-Herren bei den Titelkämpfen in Cortina ganz besonders. Im dritten Bewerb gab es die dritte Goldmedaille für Österreich. Nach dem Doppel-Triumph von Vincent Kriechmayr in Abfahrt und Super G war am Montag der Kärntner Marco Schwarz in der Kombination nicht zu biegen - er siegte hauchdünn vor dem französischen Titelverteidiger und Top-Favoriten Alexis Pinturault. In allen drei Bewerben war jeweils das Hundertstelglück aufseiten von Rot-Weiß-Rot: Sieben Hundertstelsekunden Vorsprung waren es im Super G, eine einzige in der Abfahrt, und deren vier nun in der Kombination. Wenns’s laaft, dann laaft’s eben auch mit den oft lästigen Hundertsteln.

Den Grundstein für seinen Überraschungscoup legte der 25-jährige Villacher mit einer beherzten Fahrt im Super G, in dem er sich mitten in der Speedelite auf Rang fünf klassierte. Noch besser war allerdings Pinturault als Zweiter, dessen Vorsprung von 32 Hundertstel auf Schwarz für diesen aber alle Chancen offenließ. Auf dem vereisten und schwierig gesetzten Torlaufkurs lieferten sich die beiden dann ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem letztlich der Österreicher das bessere Ende für sich hatte. Den beiden anderen ÖSV-Startern - Matthias Mayer und Kriechmayr, die nach dem Super G auf Rang drei und vier lagen - war der Kurs deutlich zu fordernd, sie schieden chancenlos aus. Einzig der Schweizer Loic Meillard konnte halbwegs mit den beiden Top-Kombinierern mithalten - er holte sich trotz eines Fehlers mit 1,12 Sekunden Rückstand die Bronzemedaille.

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"Weltmeister klingt gut! Mega, ich freue mich brutal!", sagte Schwarz unmittelbar nach seiner Siegesfahrt im TV-Interview. "Die Piste fordert schon einiges ab. Dass es jetzt so ausgegangen ist, ist cool. Bei der Besichtigung habe ich gemerkt, dass es schon sehr knackig ist. Ich war überrascht, dass es so glatt ist, aber es war cool zu fahren", sagte Schwarz, der sein Motto umsetzen konnte: "Ich habe gewusst, im Slalom bin ich gut drauf - und dann habe ich einfach voll attackiert." Nachsatz: "Dass es so gut gegangen ist, war schon ein bissl überraschend." Für den Torlauf-Dominator der diesjährigen Weltcupsaison mit Siegen in Schladming und Adelboden ist es die bereits vierte Medaille bei Weltmeisterschaften: Vor zwei Jahren in Aare hatte er Silber im Teambewerb sowie Bronze in Slalom und Kombination geholt. Kurz danach zog er sich aber im Kombinations-Super-G beim Weltcup in Bansko einen Riss des vorderen Kreuzbandes und Innenmeniskus im linken Knie zu.

Für Österreich war es das zehnte Kombinations-Gold bei den Herren, das bisher letzte gewann 2015 in Beaver Creek Marcel Hirscher. In Summe war es die bereits 99. WM-Goldmedaille für den ÖSV bei einer Alpin-WM.

Schwarz könnte in Cortina noch einmal zuschlagen: Im Slalom am Sonntag gilt er als Top-Favorit, im Parallelbewerb am Dienstag hat er zumindest Medaillenchancen, eher gering sind diese im Riesentorlauf am Freitag. Den Teambewerb am Mittwoch wird er indes auslassen.

Kriechmayr im Ski-Olymp

Extralob gab es vom doppelt vergoldeten Teamkollegen Kriechmayr, der die naturgemäß "Super-Stimmung" im ÖSV-Team hervorhob. "Es kann jetzt ruhig so weitergehen", meinte der Mühlviertler, der mit seinen beiden Cortina-Titeln auch Legendenstatus erreicht hat. Nur Pirmin Zurbriggen, Hermann Maier, Bode Miller und Erik Guay haben sowohl in Abfahrt als auch Super G den WM-Titel geholt - und nur Maier (1999) und Miller (2005) im selben Jahr. Kriechmayr konnte zudem den 18 Jahre währenden Gold-Bann in der Königsdisziplin - zuletzt 2003 durch Michael Walchhofer - brechen. "Es war ein schmaler Grat - und ich glaube, ich habe ihn ganz gut gemeistert", sagte Kriechmayr nach seiner Goldfahrt. Danach gab er sich als stiller Genießer: "Ich bin keiner, der auf materielle Dinge so einen großen Wert legt. Auch die Medaille ist zwar wunderschön, aber das Gefühl, Weltmeister zu sein, ist wesentlich geiler."