Das 100. WM-Gold für Österreich geht nicht nur aufgrund dieses Jubiläums in die Geschichte ein: Denn eigentlich hatte sich Katharina Liensberger an diesem Faschingsdienstag schon über Silber in der Parallelbewerb-Premiere in Cortina gefreut, nachdem sie im Finale Lokalmatadorin Marta Bassino unterlegen war. Wiewohl - unterlegen war die 23-jährige Vorarlbergerin gar nicht, denn beide hatten die Ziellinie im finalen Rücklauf zeitgleich überquert. Doch weil das Computer-Insert automatisch jene zur Siegerin erklärte, die eine schnellere Laufzeit hingelegt hatte, wurde Bassino zur alleinigen Goldmedaillengewinnerin erklärt.

Was danach folgte, war ein Kuriosum erster Güte, das man wohl noch in Jahrzehnten zitieren wird: Denn während die Organisatoren die Medaillenzeremonie vorbereiteten und also Gold für Bassino bereitlegten - übrigens die erste Medaille für die Heimnation bei diesen Titelkämpfen -, dämmerte dem ÖSV-Betreuerstab, dass da möglicherweise ein Fehler passiert sein könnte. ÖSV-Alpindirektor Toni Giger begann höchstpersönlich das Regelement des Parallelformats durchzustudieren - um dann draufzukommen, dass im großen wie im kleinen Finale Zeitgleichheit auch tatsächlich Zeitgleichheit zu bleiben hat. Ergo müsste es zwei Mal Gold und also auch für das rot-weiß-rote Slalom-Ass geben. Giger informierte flugs die Jury, die umgehend die eigenen Regeln anwendete und damit die Titelkämpfe in Italien vor einer veritablen Peinlichkeit bewahrte. Nichts wäre schlimmer gewesen, als hätte Liensberger erst tags darauf Gold bekommen.

Liensbergers erstes Edelmetall beendete auch einen zehn WM-Bewerbe währenden Bann für die ÖSV-Damen - seit der WM-Abfahrt von St. Moritz 2017 (Silber durch Stephanie Venier) waren die Damen leer ausgegangen. "Oh mein Gott. Das ist ja megacool, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich kenne mich gerade gar nicht aus. Es ist einfach nur genial. Eine Goldmedaille zu gewinnen, ist etwas ganz Spezielles. Es ist ein Traum, der heute in Erfüllung gegangen ist", meinte Liensberger überglücklich, als sie von der nachträglichen Titelentscheidung erfuhr.

Doch schon zuvor sorgte die Parallel-WM-Premiere für so manche Kritik wegen der zu unterschiedlichen Kurssetzung: Rasch stellte sich nämlich heraus, dass der blaue Kurs deutlich langsamer sein würde - wer auf diesem den ersten Lauf absolvieren konnte, war insofern im Vorteil, als der Maximalrückstand bekanntlich nur 0,5 Sekunden beträgt (in Wirklichkeit aber viel größer war). Im Re-Run wurde dieser vermeintlich komfortable Vorsprung dann für viele zum massiven Nachteil, denn durchgehend setzten sich dann die Läufer auf Rot durch. "Der Kurs war so nicht fair. Ich bin richtig angepisst. Das ist einer WM unwürdig", schimpfte etwa Italiens Gesamtweltcupsiegerin Federica Brignone, die im Viertelfinale ihrer Teamkollegin Bassino aus genau diesem Grund unterlegen war.

Die ÖSV-Herren gingen erstmals bei diesen Titelkämpfen leer aus - der als einziger für die Entscheidung qualifizierte Fahrer Fabio Gstrein scheiterte bereits im Viertelfinale. Mathieu Faivre sicherte die Grande Nation den ersten Titel in Cortina.(may)