Einen französischen Riesentorlauf-Weltmeister hatte man am Freitag in Cortina erwartet - doch Gold ging nicht an den Weltcupdominator und Halbzeitführenden Alexis Pinturault, sondern an dessen Landsmann Mathieu Faivre. Der 29-Jährige profitierte in einem dramatischen Finale vom Ausfall seines Teamkollegen, der knapp nach dem Start im eisigen und steilen Gelände wegrutschte. Neben Faivre, der nach seinem Parallel-Titel nun Doppelweltmeister von Cortina ist, profitierte vor allem auch Marco Schwarz: Der Kärntner Kombinations-Champion, der eigentlich schon mit Rang vier und Blech gerechnet hatte, rutschte durch den unerwarteten Pinturault-Ausfall noch aufs Stockerl und holte nach Halbzeit-Rang sechs die Bronzemedaille. Während der ÖSV damit das 300. Edelmetall bei alpinen Titelkämpfen feiern durfte, hatten auch die Gastgeber Grund zum Jubeln: Luca De Aliprandini holte mit Silber die erste Herren-Medaille in Cortina für Italien.

Mit Schwarz (eine Sekunde hinter Platz drei) sowie Stefan Brennsteiner auf Rang sieben waren nach Lauf eins gleich zwei der im Riesentorlauf nur zu den Außenseitern zählenden ÖSV-Herren zumindest auf Schlagdistanz zu einer Medaille gewesen. Während der heftig attackierende Brennsteiner in der Entscheidung ausfiel, blieb Schwarz cool und carvte mit zweitbester Laufzeit noch zur Jubiläums-Medaille. Einen Tag nachdem Katharina Liensberger von Halbzeit-Rang vier noch zu Bronze und damit zur 299. WM-Medaille für Österreich gefahren war, schaffte auch Schwarz den Sprung auf das Stockerl.


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Pinturault, der die jüngsten drei Weltcup-Riesenslaloms gewonnen hatte, scheiterte indes nach einen Fabellauf im ersten Durchgang. Es wäre nach zwei Mal Bronze (2015 und 2019) das erste WM-Gold für den Franzosen in seiner Paradedisziplin Riesentorlauf gewesen. Nun ist aber Faivre der vierte französischer Riesentorlauf-Weltmeister, und der erste seit Jean Claude Killy anno 1968. "Es ist schwierig zu verstehen, was passiert ist. Das Wichtigste war, zu kämpfen und daran zu glauben", sagte Faivre nach seinem zweiten Gold-Coup. "Gold im Parallelrennen war kaum zu glauben, aber heute geht es mir ähnlich. Ich habe nicht gedacht, dass Alexis ausscheidet", so Faivre, der im Weltcup erst ein Mal - 2016 in Val d’Isere - siegreich war.

Groß war indes die Enttäuschung bei Pinturault, dem 58 Hundertstel Vorsprung im Finale nichts nutzten: "Es ist schwer darüber zu sprechen. Lauf eins war gut, das habe ich dann nochmals probiert. Ich bin aber nach einem Schlag auf dem Schuh ausgerutscht", erzählte er. "Natürlich bin ich traurig. Aber ich schaue jetzt schon auf Sonntag."

"Rennen erst nach 2. Lauf aus"

Schwarz, der schon vor zwei Jahren in Aare drei Medaillen erobern konnte, strahle indes vor Glück: "Ich habe brutal geschwitzt, das ist eine große Überraschung. Ich habe gezeigt, dass ich auch Riesentorlauf fahren kann", meinte der 25-jährige Villacher, der heuer im Riesentorlauf bloß 77 Weltcuppunkte einfahren konnte. "Bei der WM am Podest zu stehen, freut mich irrsinnig. Ich habe gewusst, Pintu braucht nur runterfahren, dann fährt er aufs Podest. Aber er wollt es auch gewinnen. Das Rennen ist immer erst im zweiten Durchgang aus", ergänzte der Kärntner.

Auch sein Trainer Marko Pfeifer war mit der Medaille für die gebeutelte Riesentorlauf-Truppe hoch zufrieden: "Das ist schon eine große Überraschung. Das war einer der schwierigsten Bewerbe bei einer WM. Aber Marco ist ein kompletter Skifahrer - das zeigt er uns jetzt mehr und mehr."(may/apa)