Es war nicht ein Treffer ins Schwarze, es waren eins, zwei, drei, . . . 10, . . . 15 . . . 20 Schüsse, die Lisa Hauser im Massenstart bei der Biathlon-WM in Pokljuka perfekt platzierte und die ihr im abschließenden Bewerb den krönenden Volltreffer einbrachten: Erste Weltmeisterin aus Österreich, erst die dritte WM-Goldmedaille für Österreich nach Dominik Landertinger 2009 und Wolfgang Rottmann 2000.

Mit diesem Erfolg avancierte Hauser, die davor schon in der Verfolgung und in der Mixed-Staffel Silber geholt hatte, nicht nur zu einer der erfolgreichsten Athletinnen der Titelkämpfe im slowenischen Biathlon-Sport-Mekka, sondern überstrahlte an diesem Tag sogar die Alpinen, die bei den parallel ausgetragenen Weltmeisterschaften in Cortina im abschließenden Slalom immerhin über Überraschungssilber durch Adrian Pertl jubelten.

"Es war unglaublich schön, die Hymne zu hören", sagte Hauser, die sich bei besagter Gelegenheit nicht wirklich entscheiden konnte, ob sie lachen oder Freudentränen vergießen sollte. "Dass ich jetzt zu den ganz Großen dazugehöre, ist schon richtig cool."

"Ein bisschen muss man es schon auskosten und genießen."

Lisa Hauser

Doch so sensationell ihr Triumph auch war, so wenig überraschend war er für viele der Konkurrentinnen und Wegbegleiter. Denn dass Hausers Erfolge keine Eintagesfliegen sind, hat sie in dieser Saison schon mehrfach bewiesen. War sie davor schon öfters in die Top Ten gelaufen, war heuer der Durchbruch in die absolute Weltspitze mit regelmäßigen Top-Drei-Platzierungen sowie ihrem ersten Weltcupsieg gelungen. Und das lässt die Ziele auch nach dem historischen Goldgewinn nicht weniger werden, ganz im Gegenteil.

Nach einer kleinen Feier im Familienkreis bei ihrer Rückkehr in die Heimat - einen großen Empfang gibt es Corona-bedingt freilich nicht, "aber ein bisschen muss man es schon auskosten und genießen" - sowie ein paar Tagen Erholung gilt die Konzentration den noch ausstehenden Weltcupbewerben, in denen sich zu den Medaillen auch Kristall gesellen könnte.

Nach insgesamt sieben Stockerlplätzen in den jüngsten zehn Rennen - die WM-Resultate zählen zur Weltcupwertung dazu - ist sie im Gesamtweltcup auf dem Weg in Richtung Top Drei, in der Massenstartwertung auf Kugelkurs. "Wir hangeln uns von Ziel zu Ziel. Es ist eine neue Situation für Lisa, wir werden schauen, dass wir das diese Woche noch ein bisschen abpuffern können", meint Damen-Cheftrainer Markus Fischer, der ebenso wie Schießtrainer Gerald Hönig seinen Anteil an den jüngsten Erfolgen hat - wie ihn auch die Synergien haben, die mit den Herren genützt werden.

"Schön wenn man am Start steht und weiß, man hat in jedem Bewerb Chancen."

Lisa Hauser

Dass nun ein Einbruch droht, glaubt Fischer aber ohnehin nicht, dazu sei die Basis bei Hauser - die schon immer eine starke und schnelle Schützin war und im Sommer vor allem an ihrer Laufform gearbeitet hat - zu gut. Ebenso wie die 27-Jährige aus Tirol und der Rest des Teams hoffen Fischer und Herren-Cheftrainer Ricco Groß, dass die WM auch für die heimische Biathlon-Szene allgemein Impulse bringt.

Im kommenden Jahr stehen Olympische Spiele an, bei denen auch Routinier Simon Eder, der sich im Massenstart am Sonntag als Vierter für eine beeindruckende Vorstellung nur knapp nicht mit Edelmetall belohnen konnte, noch eine Rolle spielen will, in wenigen Tagen die Junioren-Heim-Weltmeisterschaften in Obertilliach.

Hauser selbst kommt mit ihrer neuen Rolle als Führungspersönlichkeit offenbar gut zurecht. Besonderen Druck sieht sie nicht auf sich lasten. Mit ihren ersten Stockerlplätzen, ihrem ersten Sieg und ihren WM-Medaillen hat sie die Erwartungen in dieser Saison schon jetzt übererfüllt. "Es ist schön, wenn man am Start steht und weiß, man hat eigentlich in jedem Bewerb Chancen", sagt sie.(art/apa)