Das Coronavirus hat bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Oberstdorf am Mittwoch die Schlagzeilen bestimmt und somit die sportlichen Wettkämpfe etwas aus dem Blickpunkt gerückt. Der norwegische Skisprung-Topstar Halvor Egner Granerud hat den Allgäu nämlich nach einem positiven Corona-Test bereits verlassen, genauso wie die gesamte italienische Delegation, die nach zwei weiteren Fällen sogar seine gesamte Mannschaft zurückzog. Nach zunächst zwei Covid-Nachweisen im Skisprungteam folgten am Mittwoch positive Testergebnisse von zwei Delegationsmitgliedern, woraufhin die Reißleine gezogen wurde.

"Um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern, hat die italienische Delegation in Absprache mit dem italienischen Skiverband und lokalen Gesundheitsbehörden beschlossen, sich komplett von den Weltmeisterschaften zurückzuziehen, um die anderen Teilnehmer zu schützen", teilte die FIS am Mittwochvormittag mit. Für die italienischen Skispringerinnen und Skispringer war schon zuvor das Aus gekommen, nun müssen auch Kombinierer und Langläufer ohne Edelmetall die Heimreise antreten. "Wir haben alle Richtlinien eingehalten und sogar noch deutlich mehr Tests durchgeführt, als eigentlich vorgeschrieben waren", schrieb der nationale Skiverband (FISI) in einer Mitteilung.

"Alles gegen Infektion getan"

Das norwegische Team des Tiroler Trainers Alexander Stöckl wurde Mittwochfrüh über den positiven Test von Granerud, dem Dominator dieser Weltcup-Saison, informiert. Damit sind für den 24-Jährigen die Titelkämpfe vorbei, er verpasst Einzel- und Teambewerb von der Großschanze (Freitag, Samstag, jeweils 17 Uhr/ORF 1) "Im Leben gibt es Aufs und Abs. Und für mich ist diese Saison ein wahrgewordener Traum gewesen und ich habe meine Ziele erreicht", schrieb Granerud in den sozialen Netzwerken. "Ich fühle mich etwas unwohl, aber es geht mir gut. Für mich zeigt das, wie wichtig es ist, vorsichtig zu sein." Er habe das Gefühl, alles dafür getan zu haben, eine Corona-Infektion zu vermeiden - und trotzdem sei eine solche Ansteckung möglich. Am wichtigsten sei nun, wieder vollständig gesund zu werden.

Granerud ist der mit Abstand beste Skispringer dieses Winters. Nach elf Saisonerfolgen ist ihm der Weltcup-Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen. Bei den Großereignissen klappte es für den Stöckl-Schützling aber nicht mit einem Einzel-Sieg. Bei der Skiflug-WM wurde er Zweiter; bei der Vierschanzentournee und dem Normalschanzen-WM-Bewerb in Oberstdorf jeweils Vierter; mit dem Norge-Team gab es Skiflug-WM-Gold und WM-Silber im Mixed-Bewerb.

Damit steigt natürlich die Anspannung der WM-Organisatoren, ob womöglich im Finish der Titelkämpfe weitere Cluster aufpoppen und dadurch der eine oder andere Topstar statt zur Siegerehrung in die Quarantäne geschickt wird. Noch geben die offiziellen Zahlen keinen großen Anlass zur Sorgen, sind doch von rund 15.000 Tests im Umfeld der WM nur bloß zehn positiv ausgefallen. Doch das kann sich bekanntlich sehr rasch ändern.

ÖSV-Kombinierer hoffen

Sportlich stehen am Donnerstag, dem viertletzten Wettkampftag, die nordischen Kombinierer im Fokus, die auf dem großen Bakken und im 10-Kilometer-Langlauf ihren Weltbesten küren (11/15.15 Uhr/ORF 1). Im Training auf der Schattenbergschanze präsentierten sich die Österreicher am Dienstag und Mittwoch weiter stark - wie schon von der Normalschanze sollten sie für den Langlauf etwas vorlegen könne, um um Edelmetall mitkämpfen zu können. Besonders stabil auf hohem Niveau agierte Johannes Lamparter: Der Siebente im Normalschanzen-Einzel sprang am Mittwochvormittag zunächst mit 139 Metern zwei Meter über die Hillsize, es folgten 136,5. "Es ist mir gut gelungen, dass ich vom Kopf her da bin", meinte Lamparter. "Jetzt ist schön langsam der Fluss drinnen, wo es ein bisschen zum Laufen anfangt." Die Großschanze bevorzuge die guten Springer mehr als die Normalschanze. "Da werde ich schauen, dass ich mir einen Vorsprung herausspringe" erzählte der 19-Jährige. Mit Favorit Jarl Magnus Riiber rechne er freilich wieder stark. "Er ist ein Wettkampftyp."

Auch mit der deutschen Phalanx dürfte stark zu rechnen sein, immerhin ist Eric Frenzel der Titelverteidiger. Und just bei der Heim-WM haben die im vergangenen Jahrzehnt so dominanten deutschen Kombinierer noch kein Gold gewonnen.