Das Rennen ihres Lebens - das hat für Teresa Stadlober eigentlich schon stattgefunden. Alle erinnern sich an das Langlauf-Drama bei Olympia 2018 Pyeongchang, als sie über 30 Kilometer klassisch mit Massenstart falsch abgebogen war und so am Ende die sicher geglaubte Silbermedaille verspielte. Und somit war jenes Rennen vor drei Jahren auf ganz andere Art und Weise das Rennen des Lebens für die Radstädterin - denn der auf kuriose Art und Weise verjuxte Medaillentraum auf der größten sportlichen Bühne begleitete sie noch lange danach. Falsch abgebogen ist sie trotz dieses Rückschlags auf dem Weg zur Langlauf-Weltspitze aber dennoch nicht (mehr), vielmehr hat sich Stadlober dort hartnäckig etabliert. Und wer weiß, wofür es gut war, dass sie sich just bei der Heim-WM in Seefeld 2019 eine Verkühlung zugezogen hatte und so chancenlos im Edelmetall-Kampf war - denn unweigerlich wäre eine Medaille im Dopingsumpf ihrer betrügerischen Ex-Teamkollegen untergegangen respektive womöglich auch angezweifelt worden.

Geärgert hat sich Stadlober darüber sowieso genug, weil damit auch ihre Unterstützung durch den ÖSV - und damit die Sportlerkarriere als Ganzes - am seidenen Faden hing. Der für die 28-Jährige aufgrund der neuen Vereinsstruktur im Langlaufsport aber letztlich nicht gerissen ist. Und so hat sie am Samstag tatsächlich die Möglichkeit, all die negativen Erfahrungen der beiden jüngsten Großereignisse hinter sich zu lassen und sich mit Edelmetall im Damen-Langlauf-Marathon in die Geschichtsbücher zu katapultieren. Denn so wie damals bei Olympia wird die Massenstartkonkurrenz über die 30 Kilometer am Samstag (12.30 Uhr) wieder im klassischen Stil gelaufen - der absolute Lieblingsbewerb der Salzburgerin. Nach den bisher gezeigten, durchaus sensationellen Leistungen in Oberstdorf, muss man Stadlober dabei jedenfalls wieder auf der Rechnung haben.

Schließlich ist die Tochter der Ski- und Langlaufeltern Roswitha Steiner und Alois Stadlober noch nie so stark in ein Großereignis gestartet wie diesmal: Rang 4 im Skiathlon folgte Rang 9 über 10 Kilometer Skating; das Material scheint jedenfalls auf den schwierigen Sulzschneebedingungen im Allgäu zu funktionieren. Die Form passt selbstredend auch.

Allerdings gilt es nun nicht gegen die Uhr, sondern direkt gegen ihre Konkurrentinnen zu laufen, die bei diesen Spielen schon ordentlich zugeschlagen haben: Therese Johaug (Norwegen) vor den beiden Schwedinnen Frida Karlsson und Ebba Andersson - diesen Ausgang nahmen die beiden bisherigen Distanzrennen in Oberstdorf. Stadlober muss also diese skandinavische Phalanx erst einmal durchbrechen. "Für das arbeite ich im Sommer und die ganzen Jahre schon", meinte sie voller Zuversicht vor dem Höhe- und Schlusspunkt der Damen-Langlaufbewerbe. "Ich habe das Ziel, auch mal auf dem Podium zu sein."

Den Status als beste Mitteleuropäerin in den beiden bisherigen Rennen nimmt sie zwar auch wohlwollend zur Kenntnis, Stadlobers Anspruch ist aber mittlerweile ein viel größerer. "Die ersten Drei sind bisher in einer eigenen Liga gelaufen in den Distanzrennen. Mal schauen, was diesmal möglich ist." Wobei die nunmehr 13-fache Weltmeisterin Johaug sich noch eine Stufe über Karlsson und Andersson stellte und jeweils überlegen obsiegte. Angesichts des herausfordernden Kurses ("Ich weiß nicht, ob ich so eine schwere Strecke auf einem 30er schon gelaufen bin") rechnet sie eher nicht damit, dass Johaug voll wegstarten wird.

Knackpunkt Skiwechsel

Ihre eigene Taktik ist klar - sich in der Spitzengruppe zu etablieren und dort auf die Chance zu warten. "Die Schwedinnen wären schon welche, die mir das Tempo machen könnten." Und dann gelte es, die entscheidende Post nicht zu versäumen: "Wenn ich merke, die wollen wegreißen, und ich habe die Kraft, dass ich mitgehe, dann gehe ich auf alle Fälle mit." Die große Unbekannte ist freilich der (erlaubte) Skiwechsel. "Wenn ich merke, ich komme locker mit, ich habe einen guten Speed und Grip, laufe ich sicher noch eine Runde länger." Tendenziell werde eher gemeinsam mit der Gruppe gewechselt - wobei ein Wechsel im Training kaum simuliert werden könne.

Klar ist für Stadlober, dass für eine Medaille - es wäre die erste seit Maria Theurl 1999 in Ramsau - alles zusammenpassen muss. Und das hat es bei Teresa Stadlober bisher noch nie. Womit das eigentliche Rennen ihres Lebens erst noch ansteht. Vielleicht diesmal in Oberstdorf.