Die 53. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Oberstdorf sind seit Sonntag Geschichte. Aus rot-weiß-roter Sicht brachten die Titelkämpfe ein unerwartet erfolgreiches Ergebnis - mit vier Mal Gold, ein Mal Silber und zwei Mal Bronze wurde nicht nur Rang zwei hinter der Großmacht Norwegen eingefahren, sondern auch das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte (nach Oslo 2011). Wer waren die Helden, wer die Nieten bei der WM?

Johannes Lamparter: Der Tiroler stieg ohne Weltcupsieg in der Tasche zum erfolgreichsten der 28 österreichischen WM-Teilnehmer auf. Der erst 19-jährige Kombinierer gewann sensationell den Großschanzenbewerb, um dann mit Landsmann Lukas Greiderer im Team-Sprint einen zweiten Titel draufzusetzen; zuzüglich gewann er mit der (personell ausgedünnten) Mannschaft Bronze. Lamparter beeindruckte mit Stärke auf der Schanze und mit Routine in der Loipe, aber auch mit jugendlicher Unbekümmertheit. Am Tag zwischen den Gold-Events legte er schnell den Drohnen-Führerschein ab.

Stefan Kraft: Nach einer von einer Corona-Infektion und langwierigen Rückenproblemen geprägten Saison hat der Salzburger bei der vierten WM in Folge abgeräumt. Mit einem kompletten Medaillensatz hielt er über die vergangenen vier Titelkämpfe seinen Schnitt von drei Stockerlplätzen. Beeindruckend, wie er auf der Großschanze Training und Qualifikation dominierte - ehe er unbeirrt zu Gold sprang. Das Team kam in seinem Sog zu Silber.

Marita Kramer: Ebenfalls erst 19 Jahre alt, führte sie die österreichischen Skispringer-Teams der Frauen und im Mixed zu Gold und Bronze, was der ganzen rot-weiß-roten Delegation einen Schub gab. Als Favoritin beider Einzelbewerbe scheiterte die Salzburgerin an einer Jury-Entscheidung beziehungsweise ihren Nerven und erhielt jeweils nur Blech. Großartig freilich Kramers Reaktion, als sie jeweils zwar bitter enttäuscht war, die Schuld am Verpassen der Medaille aber primär bei sich selbst gesucht hat.

Teresa Stadlober: Als Einzelkämpferin bilanzierte die Salzburgerin nach ihren drei Langlauf-Einsätzen mit drei einstelligen Ergebnissen. Im Skiathlon und über 30 Kilometer klassisch mit Massenstart schnupperte sie als letztlich Vierte und Fünfte zweimal an einer Medaille. Aber vielleicht reicht es dann beim nächsten Mal für Edelmetall.

Norwegen: Die dominierende nordische Nation hat ihre Vormachtstellung eindrucksvoll untermauert: Wie in Seefeld 2019 holten die Norsker 13 Titel, insgesamt gab es einen Rekord von 31 Medaillen. Herausragend dabei war Therese Johaug, die alle ihre vier WM-Rennen im Allgäu gewann. Johaug hält nunmehr bei 14 WM-Goldmedaillen, obwohl sie die Titelkämpfe 2017 wegen einer Dopingsperre verpasst hatte.

Hygiene-Konzept: Wie bei den Alpinen in Cortina sorgte ein straffes Sicherheitskonzept für ein nahezu reibungsloses Durchführen des Großereignisses - was vor gut einem Jahr noch utopisch schien. Nur neun positive Corona-Fälle bei rund 23.000 Tests bestätigten die teils rigorosen Maßnahmen. Ein Leidtragender war freilich Norwegens Überflieger Halvor Egner Granerud, der sich aus ihm unerfindlichen Gründen eine Corona-Infektion eingefangen hatte und damit bei den Großschanzen-Bewerben passen musste. Statt der große WM-Star zu werden, gab es für den 24-Jährigen nur Blech auf der Normalschanze und Silber im Mixed.

Was noch negativ war

Deutschland. War es das fehlende Publikum, was es die mangelnde Form? Mit je zwei Gold-, Silber- und Bronzemedaillen blieben die Lokalmatadoren jedenfalls deutlich unter den Erwartungen und landeten bloß auf Rang vier des Medaillenspiegels. Ausgenommen sind die Skispringer, bei denen Karl Geiger mit zweimal Gold und je einmal Silber und Bronze zum vierterfolgreichsten Aktiven der Titelkämpfe wurde. Doch sonst war bei den Deutschen vor allem in der Kombination Flaute. Die gut ein Jahrzehnt dominierende Nation wollte zu Hause eigentlich König Jarl Magnus Riiber stürzen - doch das gelang schließlich den Österreichern. Und man selbst drehte schließlich ohne Titel ab.

Finnland. Die einstige nordische Großmacht hat komplett den Anschluss verloren und ist nur noch ein Trümmerhaufen. 2017 bei den Heim-Titelkämpfen in Lahti hatte es mit je einer Gold- und Silbermedaille sowie drei in Bronze hinter Österreich noch zu Rang fünf im Medaillenspiegel gereicht. Damals wurde Langläufer Iivo Niskanen zum bis heute letzten nordischen Weltmeister. 2019 in Seefeld gab es nur einmal Bronze, nun mit zwei Silbernen und einer Bronzenen Rang acht im Medaillenspiegel.

50-Kilometer-Entscheidung: Protest und Gegenprotest - ein Endergebnis erst rund 100 Minuten nach dem Zieleinlauf. Die letzte Entscheidung der Titelkämpfe brachte ein unwürdiges Hin- und Hergezerre um die Medaillen. Der Russe Alexander Bolschunow blieb nach seinem Stockbruch der Verlierer, auch wenn er nach der Disqualifikation von Johannes Kläbo auf Rang zwei vorrückte. Rang eins ging aber an den lachenden Dritten Emil Iversen aus Norwegen.(may/apa)