Vor genau einem Jahr wurde kurzer Prozess gemacht: Im kollektiven europäischen Corona-Lockdown wurden die Damen-Rennen von Aare und jene der Herren in Kranjska Gora gestrichen - genauso wie das geplante Weltcupfinale in Cortina. Damit wurden Federica Brignone und Aleksander Aamodt Kilde frühzeitig und de facto kampflos zu den Gesamtweltcupsiegern erklärt. Pech nicht nur für die Fans, die um ein spannendes Winterfinish umfielen, sondern vor allem für die jeweiligen Kugel-Konkurrenten - das waren vor allem Petra Vlhova bei den Damen und Alexis Pinturault bei den Herren. Doch aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben - und daher greifen die beiden Letztgenannten ein Jahr später nach ihrem ersten großen Kristall. Und können bei den Rennen in - erraten - Aare und Kranjska Gora einen großen Schritt dafür tun.

Zunächst der Blick zu den alpinen Damen, die - bevor es zur finalen Woche nach Lenzerheide geht - einen Stopp im hohen Norden einlegen (müssen). Im schwedischen WM-Ort von 2019 ist am Freitag (13.30/16.30) und Samstag (10.30/13.45/jeweils ORF 1) ein Slalom-Doppel geplant. In der Torlauf-Disziplinwertung ist alles offen, Mikaela Shiffrin holte mit dem Sieg am Samstag in Jasna auf die Slowakin Vlhova auf, ist bei noch drei ausstehenden Rennen nur noch 45 Zähler hinter dieser, Weltmeisterin Katharina Liensberger fehlen 70 Punkte.

In der Gesamtwertung führt nunmehr die Schweizerin Lara Gut-Behrami mit 1.256 Punkten vor Vlhova (1.220) und Michelle Gisin. Im Normalfall dürfte Vlhova also als Weltcupführende nach Lenzerheide reisen und dort auf möglichst viele Punkte in den beiden Speedbewerben hoffen - dann könnte die 25-Jährige, die in Cortina jeweils WM-Silber im Slalom und der Kombination geholt hat, womöglich mit einem kleinen Polster in die finalen Technikbewerbe gehen. Die Schweizerin indes schwebt weiterhin auf Wolke sieben, der Gesamtweltcupsiegerin von 2015/16, die in Cortina Doppelgold und Bronze abgeräumt hat, ist beim Heimfinale alles zuzutrauen. Zumal sie den Trip nach Schweden auslassen und sich ausgeruht auf die Kristallentscheidung vorbereiten kann. Allerdings ließ sie zuletzt beim Riesentorlauf in Jasna beim Heimerfolg von Vlhova Punkte liegen und wurde als amtierende Weltmeisterin nur Riesentorlauf-Neunte. Aus österreichischer Sicht möchte vor allem Liensberger in Aare mitmischen - immer noch wartet sie auf den ersten Weltcupsieg, und die kleine Kugel hat sie noch nicht abgeschrieben: "Das ist der große Traum. Schnell, gefühlvoll, harmonisch und dynamisch Ski fahren. Volle Power und Attacke", meinte die 23-Jährige.

Pinturault: Reine Nervensache

Bei den Herren, die in Kranjska Gora Riesentorlauf und Slalom absolvieren (Samstag/Sonntag jeweils 9.30/12.30 Uhr), steht vor allem Pinturault im Fokus. Durch die Aufholjagd von Marco Odermatt droht dem Franzosen neuerlich ein großer Titel durch die Lappen zu gehen - so wie das zuletzt für ihn reservierte Riesentorlauf-Gold. Auf 81 Zähler ist der Vorsprung des 29-Jährigen schon zusammengeschrumpft, womit die letzten sechs Einzelrennen zu einer Nervenprobe werden dürften. Allerdings mit Vorteil Pinturault, der nicht nur zwei Bewerbe (Slaloms) mehr fahren darf, sondern auch mehr Erfahrung im Kugel-Kämpfen hat.(may)