Den Namen Hannes Reichelt wird man am Donnerstag beim Weltcupfinale in Lenzerheide wohl noch öfter hören - obwohl er gar nicht am Start steht. Wobei, im Starthaus wird er beim letzten Super G der Saison schon stehen, allerdings nur als Vorläufer. Um in dieser Rolle nämlich seinen Abschied vom alpinen Ski-Zirkus zu zelebrieren, nachdem sich der 40-Jährige nicht hatte qualifizieren können. "Zum Glück hatte ich sehr viele und auch sehr schöne Erfolge", sagte der Salzburger am Mittwoch. Der Super-G-Weltmeister von 2015 wird aber noch aus zwei anderen Gründen in aller Munde sein, so - anders als bei den abgesagten Mittwoch-Abfahrten - der Speed-Saisonschluss über die Bühne gehen kann. Denn Reichelt ist auch der bis dato letzte ÖSV-Fahrer, der die Kristallkugel im Super G einfahren konnte - 13 Jahre ist das mittlerweile her. Eine Ewigkeit in der einstmaligen rot-weiß-roten Paradedisziplin von Hermann Maier, Stephan Eberharter und Co. Doch jetzt steht Vincent Kriechmayr als Reichelt-Nachfolger ante portas.

Wenn da nicht noch ein letzter aktueller Grund in Sachen Reichelt wäre - doch auf dieses Stichwort kann der designierte Kristallgewinner Kriechmayr nach dem Abschwingen gewiss gerne verzichten. Als Reichelt nämlich 2008 die Kugel holte, war er vor dem Finale in Bormio aussichtslose 99 Punkte hinter dem Schweizer Didier Cuche. Doch dann gewann Reichelt mit nur einer Hundertstelsekunde Vorsprung das Rennen, während Cuche just von Teamkollege Daniel Albrecht noch aus den Punkterängen befördert wurde und als 16. die reservierte Kugel verpasste.

Kriechmayr: Ski mit Hirn

Ein 16. Rang würde am Donnerstag (11 Uhr) auch Kriechmayr nicht reichen, wenn Widersacher Marco Odermann in Lenzerheide neuerlich gewinnen sollte. Bei 83 Zählern Vorsprung reicht dem Mühlviertler aber schon ein 14.Rang zum Gewinn der Disziplinenwertung. Und der Schweizer Jungstar braucht jedenfalls einen Triumph, schon ein zweiter Rang wäre zu wenig. Wie legt man also so ein Rennen an? Taktieren und ein Cuche-Schicksal erleiden will der Doppelweltmeister von Cortina jedenfalls nicht. "Es ist definitiv keine g’mahte Wiesen", meinte Kriechmayr. "Ich will mit einer Topleistung ums Podium mitfahren. Weil auf Platzierung zu fahren, das rächt sich meistens", verriet der 29-Jährige. Daher werde er es genauso anlegen, wie in all den anderen Saison-Super-Gs, was ihm zwei Siege (Kitzbühel und Garmisch) sowie zwei Stockerlränge (Saalbach und Bormio) einbrachte. Das Hirn fährt in Lenzerheide freilich auch mit. "Man muss auch immer ein bisschen taktisch fahren", versprach der Oberösterreicher.

Sein in Hochform befindlicher Konkurrenz Odermatt wird vielleicht auch nicht alles auf die Super-G-Karte setzen und womöglich einen Ausfall riskieren - immerhin geht es für den 23-Jährigen um Gewichtigeres, den Gewinn der großen Kristallkugel nämlich. Nach Absage der Abfahrt benötigt der Schweizer Jungstar jeden Punkt, um bei 31 Zählern Rückstand doch noch an den Franzosen Alexis Pinturault vorbeizuziehen. Am Samstag steigt im Riesentorlauf das direkte Duell der beiden, ehe der Franzose am Sonntag im Slalom noch einmal solo voll punkten kann.

Kugeln für Goggia und Feuz

Der Auftakt des Weltcup-Finales ließ leider jegliche Spannung vermissen, denn wegen anhaltender Schneefälle war am Mittwoch an keine Abfahrtsrennen zu denken. Weil die Bewerbe nicht mehr nachgeholt werden, stehen die Kristallkugel-Gewinner kampflos fest: Bei den Männern gewann der Schweizer Beat Feuz zum vierten Mal en suite, bei den Damen die rekonvaleszente Sofia Goggia zum zweiten Mal nach 2018. "Ich glaube, ich habe den Pokal verdient", lautete der Kommentar von Goggia, die vor ihrer Verletzung vier von fünf Abfahrten in diesem Winter gewonnen hatte und am Mittwoch ein Blitzcomeback gewagt hätte.

Wiewohl etwas enttäuscht, sprach der geschlagene Matthias Mayer von "einem gewonnenen Platz zwei. Es war die ganze Saison über ein super Fight gegen den Beat. Wir waren beide auf einem super Niveau."