Eigentlich hätte ja das Weltcupfinale der Biathleten im norwegischen Oslo steigen sollen. Ein Heimspiel für die Gesamtweltcupführenden Johannes Thingnes Bö (bei den Herren) und Tiril Eckhoff (bei den Damen), wobei Letztere den Gesamtweltcup schon in der Tasche hat. Aber aus der geplanten Party wurde nichts, das Coronavirus machte dem "Finale dahoam" einen Strich durch die Rechnung. Weil die Corona-Maßnahmen der norwegischen Regierung eine Ausrichtung des Weltcupfinales unmöglich machten, ist man ins schwedische Östersund ausgewichen, wo der dreitägige Rennreigen am Freitag mit dem Sprintbewerb (12.30 Uhr/ORF-Sport+) eröffnet wird.

Aus österreichischer Sicht von Interesse ist aber allen voran der Massenstart am Sonntagnachmittag. Hier geht es für das heimische Aushängeschild Lisa Hauser in Östersund um nichts weniger als ihre zweite kleine Kristallkugel. Die Weltmeisterin liegt in der Massenstartwertung vor dem letzten Rennen als Dritte nur zehn Punkte hinter der Französin Julia Simon und vier hinter Marte Olsbu Röiseland aus Norwegen. Nur einen Zähler hinter Hauser lauert Eckhoff, und auch Franziska Preuß und Hanna Öberg haben noch Chancen, zumal eines der fünf Saisonrennen als Streichergebnis wegfällt. Leicht wird es für Hauser nicht, schon vergangenes Wochenende in Novo Mesto hatte sie als Siebente mit sich gerungen: "Es war sicher kein schlechtes Rennen von uns, aber am Schießstand war es heute einfach schwierig", meinte sie damals. Die kleine Kugel für die Wertung im Einzel hatte sich Hauser bereits bei der Weltmeisterschaft gemeinsam mit Dorothea Wierer gesichert. Vor den Massenstarts stehen für Damen und Herren in Östersund am Samstag die Verfolgungen auf dem Programm.

Vierter Gesamtrang möglich

Spannung verspricht aus österreichischer Sicht - auch wenn Eckhoff als Siegerin feststeht - noch die Gesamtwertung bei den Damen. Hier geht Hauser dank ihres mit Abstand besten Winters als Sechste in das Finale. Zwei Plätze nach vorne könnte sie immerhin noch gutmachen, nach hinten ist sie gut abgesichert. In den komplizierten Rechenspielen sind die vier schlechtesten der 26 Rennen zu berücksichtigen, die gestrichen werden. Der Weltverband IBU hatte die Anzahl der Streichergebnisse vor der Saison aufgrund der Corona-Pandemie von zwei auf vier erhöht.

Bei den Herren ist dagegen nur fix, dass der Gesamtweltcup an Norwegen gehen wird. Hier matschen sich am Wochenende noch Johannes Thingnes Bö und Sturla Holm Laegreid um den Titel. An vierter und fünfter Stelle drängen sich mit Tarjei Bö und Johannes Dale bereits die nächsten Norweger. Und die Österreicher? Die sind unter den Top-30 nur mit Simon Eder (14.), Felix Leitner (25.) und David Komatz (29.) vertreten.

Aber auch mit Blick auf kleine Kristallkugeln ist hier der Zug für Rot-Weiß-Rot bereits abgefahren, selbst im Sprint und im Einzel hat Eder als Sechst- und Siebtplatzierter keine Chance mehr. Das ÖSV-Aufgebot bleibt mit jeweils nur einem Quartett im Vergleich zu Nove Mesto unverändert. Aus der zweiten Reihe drängte sich nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Christina Rieder und Julian Eberhard niemand auf. Und so werden alle Blicke auch dieses Wochenende auf Hauser gerichtet bleiben.(rel/apa)