Das Annus horribilis mit keiner einzigen Kristallkugel bleibt vorerst ein ziemlich singuläres Ereignis in der rot-weiß-roten Skigeschichte: Denn im heurigen Ski-Winter hat sich der Erfolg - messbar an Weltcup-Trophäen und WM-Medaillen - wieder eingestellt; und zwar derart, dass die Erwartungen großteils erfüllt, in einigen Bereichen sogar klar übertroffen werden konnten. Nach manchen Berechnungen hat der ÖSV heuer sogar seinen Status als Skination Nummer eins zurückerobert, auch wenn der von Noch-ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel heiß geliebte Nationencup wieder deutlich (mit 876 Punkten Vorsprung) an die Schweiz ging. Das Wichtigste an der am Sonntag in Lenzerheide zu Ende gegangen Saison war aber für alle Beteiligten, dass sie überhaupt - und abgesehen von überschaubaren Corona-Clustern und einer kurzfristig unübersichtlichen Situation zu den (abgesagten) Lauberhorn- und Hahnenkammrennen der Pandemie zum Trotz reibungslos - durchgeführt werden konnte.

Zunächst zu den positiven Statistiken: Mit drei Kristallkugeln hat der ÖSV die meisten Einzelwertungen gewonnen - dank Katharina Liensberger, Marco Schwarz (beide Slalom) und Vincent Kriechmayr (Super G). Bei der Herren-Nationenwertung rückte man der Schweiz am Schluss immer näher, der finale Slalom-Sieg von Manuel Feller am Sonntag allein war aber zu wenig - am Ende fehlten 71 Zähler zur Team-Kugel. Dafür setzte man sich mit acht Saisonsiegen (gemeinsam mit Frankreich) an die Spitze, bei insgesamt 28 Stockerlplätzen. Großer Lichtblick bei den ÖSV-Damen war Liensberger, die im Torlauf nicht nur eine lange Sieglos-Durststrecke beendete und insgesamt zwei Mal obsiegte, sondern am Ende auch die Kristallkugel einheimste. Das Ganze nach Doppelgold in Cortina, bei der Österreich mit fünf Goldmedaillen ebenfalls klare Nummer eins wurde und vor allem auch in der Königsdisziplin - der Herren-Abfahrt - erstmals seit 2003 wieder zuschlug.

Einzelkämpferin Liensberger

Das alles konnte man nach einem Saisonstart mit genau null Siegen vor Weihnachten nicht wirklich erwarten. Was wiederum ein Beweis dafür ist, dass die enormen Mittel, die der ÖSV einsetzen kann, Früchte tragen - selbst wenn die Truppe nicht mit Jahrhunderttalenten gesegnet ist.

Man denke etwa an die Problemdisziplin Riesentorlauf, bei der man Anfang des Winters über Top-Ten-Ränge froh sein musste: Am Ende hatten Damen wie Herren wieder zur Weltspitze aufgeschlossen - mit Weltcup-Stockerlrängen und WM-Medaillen.

Deutlich hinter den Erwartungen blieb indes die Damen-Equipe, die um gut 800 Punkte von den Eidgenossen abgehängt wurde. Was freilich mehrere Gründe hatte - etwa etliche Corona-Erkrankungen in der Vorbereitung und schwere Verletzungen wie der schockierende Sturz von Teamleaderin Nicole Schmidhofer. Dennoch, ohne Liensberger sähe es extrem düster aus, denn die 23-Jährige holte nicht nur alle beiden Siege, sondern auch sechs der restlichen zehn Stockerlränge. Insgesamt zu wenig für die vor zwei Jahren noch klar überlegene Damen-Truppe. Vor allem die Verletzungen werden Schröcksnadel bis zum Machtübergabe im Sommer noch beschäftigen: "Das ist tragisch, da muss man schauen, was man tun muss in der Zukunft", sagte er am Sonntag.

Apropos Verletzte: Auch heuer gab es wieder Dutzende folgenschwere Stürze - nicht nur im Weltcup, sondern auch darunter respektive im Nachwuchs. Längst ist ein Muster erkennbar, wonach das immer aggressivere Material im Zusammenspiel mit der Kurssetzung schwere Knieblessuren begünstigt. Ob es in diesem Bereich bald Maßnahmen geben wird, ist aber ungewiss.

Gewiss ist nur, dass Petra Vlhova und Alexis Pinturault als würdige Gesamtweltcupsieger in der neuen Saison die Gejagten sein werden. Ab Ende Oktober am Söldener Rettenbachferner.