Bei der nordischen Ski-WM war sie in den Einzelbewerben nicht vom Glück verfolgt, in der Finalphase des Weltcups ist Marita Kramer aber kaum zu halten. Der Sieg am Freitag von der Normalschanze im russischen Tschaikowski war bereits ihr dritter Sieg hintereinander. Die 19-jährige Salzburgerin setzte sich mit 23,3 Punkten Vorsprung auf die Japanerin Sara Takanashi überlegen durch. Takanashi übernahm dennoch die Weltcupführung von der Slowenin Nika Kriznar. Die beiden trennen 15 Punkte, Kramer liegt weitere 66 Zähler zurück.

Mit den Höchstweiten in beiden Durchgängen (99,5 m/100) sprang Kramer zu ihrem sechsten Saisonsieg. Dass sie sich auf der Schanze in Tschaikowski pudelwohl fühlt, hatte sie zuvor mit klaren Bestweiten in der Qualifikation und im Probedurchgang bewiesen.

Drei Siege in Folge würden ihr viel bedeuten, meinte Kramer: "Denn es zeigt Konstanz." Sie habe heute mehr als üblich nachgedacht. "Aber trotzdem habe ich sehr gute Sprünge zeigen können. Ich habe mit meinem Selbstvertrauen durchgezogen, und dann komme ich in ein gutes Flugsystem." Auch im Hinblick auf ihre Achillesferse - die Landung - ortete sie eine Steigerung. "Zweimal recht gut gelandet. Das ist für mich sehr wichtig, denn das ist etwas, das ich im nächsten Jahr im Griff haben muss."

Karl Geiger jubelte über den Sieg in Planica. - © reuters / Srdjan Zivulovic
Karl Geiger jubelte über den Sieg in Planica. - © reuters / Srdjan Zivulovic

Kramer mit dem besten Punkteschnitt

Dank Kramers Erfolgslauf haben die Österreicherinnen die Führung im Nationencup übernommen, sie liegen nun 27 Punkte vor Slowenien. Die Entscheidung dürfte am Samstag im Teambewerb fallen, wo es für die siegreiche Nation 400 Punkte zu gewinnen gibt. Im ÖSV herrscht Zuversicht. Mit Daniela Iraschko-Stolz (7.), Sophie Sorschag (11.) und Chiara Hölzl (13.) schafften es am Freitag drei weitere Österreicherinnen in die Top 15.

Wäre der Winter nur ein kleines bisschen anders verlaufen, Kramer hätte wohl schon eine Hand an der großen Kristallkugel. Die von Trainern für ihr Fluggefühl gerühmte 19-Jährige konnte in Hinzenbach (Disqualifikation) und Rasnov (kein Start nach Corona-Test-Querelen) keine Zähler sammeln. Im Schnitt holt Kramer 82 Punkte pro Bewerb, Takanashi 75.

Immerhin der Gewinn der Russland-Serie "Blue Bird Tour" ist Kramer kaum noch zu nehmen. Nach drei von vier Bewerben liegt sie 44,4 Punkte vor Takanashi. Der Titel ist mit 10.000 Schweizer Franken dotiert. Nach dem Corona-bedingten Saisonabbruch im Vorjahr ist die Deutsche Juliane Seyfarth (2019) die bisher einzige Gewinnerin.

Huber Neunter in Planica

Nicht so gut lief es für die österreichischen Herren am Freitag beim Weltcupfinale im Skifliegen in Planica. Beim Sieg von Karl Geiger landete Daniel Huber mit einem Flug auf 220 Meter als bester ÖSV-Springer auf dem neunten Platz, nachdem Michael Hayböck am Vortag als Vierter nur knapp am Stockerl vorbeigesegelt war.

Geiger siegte in einem wegen windbedingter Verzögerungen nur in einem Durchgang entschiedenen Bewerb nach einem 232-Meter-Flug 9,6 Punkte vor dem japanischen Vortagessieger Ryoyu Kobayashi (231) und 12,1 Zähler vor dem Slowenen Bor Pavlovic (227,5).Der Weltcup wird am Samstag mit einem Teambewerb und am Sonntag mit einem weiteren Einzelfliegen (beide 10 Uhr) abgeschlossen.

Entwarnung bei Tande

Leichte Entwarnung gab es indessen am Freitag auch von dem am Vortag so schwer gestürzten Norweger Daniel Andre Tande. Nach seinem Sturz musste er zunächst "intubiert und mechanisch beatmet" werden, über Nacht befand er sich im künstlichen Koma, um sein Gehirn zu entlasten.

Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl zeigte sich aber zuversichtlich, dass der Athlet wieder vollständig gesund wird. Man gehe derzeit davon aus, dass keine Schäden zurückbleiben, sagte der Tiroler Stöckl am Freitag. "Die ersten Untersuchungen haben nichts Negatives ergeben. Sie haben einen Hirnscan gemacht und den Nacken gecheckt. Da gibt es nichts zu melden, das ist sehr positiv", sagte Stöckl. "Es geht ihm den Umständen entsprechend gut."

Der Trainer ergänzte: "Er wird heute über den Tag im künstlichen Koma gehalten und dann am Abend wahrscheinlich aufgeweckt werden. Dann sind natürlich weitere Tests notwendig." Bisher wurden bei Tande ein Schlüsselbeinbruch und eine leichte Punktierung der Lunge diagnostiziert. Tande befindet sich in Ljubljana im Krankenhaus. Stöckl sagte: "Heute hatten wir die positive Meldung, dass er schon selber angefangen hat zu atmen." (red/apa)