Nach den vielen Diskussionen im Vorfeld ist am Samstag in Villach die Wahl des neuen ÖSV-Präsidiums für die Periode 2021 bis 2024 harmonisch über die Bühne gegangen. Zuoberst wurde der Steirer Karl Schmidhofer (59) bei der 85. ordentlichen Länderkonferenz des Österreichischen Skiverbandes einstimmig und ohne Enthaltungen zum neuen Präsidenten und damit Nachfolger von Peter Schröcksnadel gewählt.

Bestätigt als Vizepräsidenten wurden Roswitha Stadlober (S), Alfons Schranz (T) und Kurt Steinkogler (OÖ), neu sind Hermann Nagiller (T) und Clauda Strobl-Traninger (K) sowie Patrick Ortlieb (V) als Finanzreferent. ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer gehört dem Vorstand weiter als beratender Teil des Präsidiums ohne Stimmrecht an. In weiterer Folge sollen noch eine weitere Frau und ein Mann kooptiert werden, auch die Gender-Beauftragte Petra Kronberger wird hinzugezogen.

Schröcksnadel bekam zum Abschied ein einzigartiges Buch mit Zitaten, Wortmeldungen und Begebenheiten von Athletinnen und Athleten seiner 31-jährigen, erfolgreichen Ära als ÖSV-Präsident überreicht. Der 79-Jährige, der Ehrenringträger des ÖSV ist, zeigte sich darüber sehr gerührt und wurde mit stehenden Ovationen der Länderkonferenz-Mitglieder verabschiedet.

Bei der anschließenden Pressekonferenz überließ der Tiroler aber die Bühne bereits seinem Nachfolger. Schmidhofer ist der 22. Präsident in der 116-jährigen ÖSV-Geschichte.

"Ich bin schon sehr stolz, so einem erfolgreichen Sportverband vorzustehen", sagte der steirische Unternehmer, der im Mai vom Wahlausschuss überraschend als Kompromisskandidat nominiert worden war, nachdem man sich nicht zwischen Michael Walchhofer und Renate Götschl entscheiden hatte können. Götschl folgt Schmidhofer als Präsidentin des steirischen Skiverbandes nach. Walchhofer hatte wenige Tage vor der Länderkonferenz verkündet, nicht mehr als ÖSV-Vize zur Verfügung zu stehen.

Er sei über die einstimmige Wahl besonders froh, sagte Schmidhofer. "Einstimmigkeit ist immer eine gute Starthilfe. Nach den ganzen Diskussionen fiebert man halt schon ein bissl hin zur Abstimmung", gestand der Steirer, der wie angekündigt sein ÖVP-Nationalratsmandat zurücklegen wird.

Zoom-Treffen mit Athleten

"Es war in besagter Nacht sofort klar, dass ein Unternehmen wie der ÖSV meine ganze Arbeitskraft brauchen wird", sagte Schmidhofer, der sich dank wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmerjahre die ehrenamtliche Amtsführung im ÖSV "leisten kann". In Zukunft - also nach ihm - könne er sich gut bezahlte Manager angesichts der Größe und Bedeutung des Verbandes samt seinen erfolgreichen Kapitalgesellschaften aber schon vorstellen.

Mit dem Zug wird Schmidhofer nun nach Innsbruck fahren und dort Montagfrüh seine Arbeit in Österreichs erfolgreichsten Sportverband aufnehmen. Dienstag folgt per Zoom ein virtuelles Treffen mit den Athletinnen und Athleten. "Alle werden meine Handynummer haben und können gerne anrufen, wenn sie ein Gespräch mit dem Chef wollen."

Er sehe den Verband aber sehr gut aufgestellt und die Planungen für den kommenden Olympia-Winter im Laufen. "Wir wollen bei Olympia sehr gut abschneiden, dafür werden wir Budget und Ressourcen zur Verfügung stellen, was wir nur können." Er wolle sich aber insgesamt derzeit wenig einmischen. "Wir sind gut aufgestellt. Es braucht von mir derzeit keine großen Kommentare und Einflüsse."

Nach der Saison werde man aber genau analysieren. Oberstes Ziel sei, weltweit die Nummer eins im Skisport zu bleiben. "Wenn sich dazu die Rückeroberung des Nationencups im Alpinski ausgeht, wäre das sehr schön."

Dass nach den in die Öffentlichkeit getragenen Streitereien während der umkämpften Präsidenten-Nachfolge nun wieder Harmonie herrscht, beweise, dass der ÖSV eine große Familie sei. "Natürlich ist es etwas rund gegangen. Ich bin froh, dass sich das alles in einer Zeit abgespielt hat, wo es sportlich nebensächlich war."

Die Sitzung in Villach habe die Einigkeit der Skifamilie aber wieder gestärkt, ist Schmidhofer überzeugt. "Ab jetzt wird aber gearbeitet und dann freue ich mich auf den Winter, wenn es endlich sportlich los geht", blickte der Steirer voraus. Er werde ein Präsident sein, der alle Sportarten ausgleichend im Fokus hält, betonte Schmidhofer. "Also auch etwa Grasski, Skibergsteigen, die Skispringerinnen. Alles wird meine Unterstützung haben."

Bei der Länderkonferenz wurde auch der alte Vorstand entlastet. Da trotz Corona im vergangene Winter ein Plus erwirtschaftet wurde, gehen 500.000 Euro extra als Förderung an die Landesskiverbände. (apa)