Gregor Schlierenzauer, mit 53 Siegen erfolgreichster Skispringer im Weltcup, hört auf. Was sich in den vergangenen Monaten - eigentlich Jahren, in denen Schlierenzauer nicht mehr an seine Topform herangekommen und vergeblich um sein Comeback in der Weltspitze gekämpft hatte - abgezeichnet hatte, ist nun Gewissheit. Der Tiroler wird die kommende Saison, für die er ohnehin nicht mehr im ÖSV-Kader gewesen wäre, nicht mehr in Angriff nehmen.

"Meine aktive Karriere zu beenden ist mir nach all dem, was ich als Spitzensportler erleben durfte, nicht leicht gefallen - aber die Entscheidung fühlt sich ebenso wie der Zeitpunkt richtig an", sagte Schlierenzauer.

In seinem Blog meinte er weiters: "Die letzten Monate waren für mich herausfordernd. In positiver Hinsicht. Durch die Verletzungspause hatte ich ausreichend Zeit und den nötigen Abstand, um Vergangenes aufzuarbeiten und zu schauen, wo ich jetzt stehe."

Schlierenzauer hat neben seinen Weltcupsiegen alles erreicht, was es im Sport zu gewinnen gibt, und damit ein Versprechen eingelöst, das er schon als 16-Jährige bei seinem Weltcupdebüt gegeben hatte: 2010 gewann er mit dem Team Olympiagold, eine Silber sowie zwei Bronzemedaillen (Letztere im Einzel) kamen bei Winterspielen hinzu. Zudem ist der Tiroler, Neffe von Rodel-Ikone Markus Prock, sechsfacher Weltmeister im Skispringen und vierfacher im Skifliegen. Den Gesamtweltcup holte er ebenso wie die Vierschanzentournee zweimal.

"Niemals verbogen"

Seinen letzten Weltcup-Sieg feierte Schlierenzauer allerdings am 6. Dezember 2014 in Lillehammer, und es folgten Jahre ohne ganz großen Erfolg. Schlierenzauer bedankte sich in seinem Blog bei vielen Wegbegleitern. "Ich weiß auch die Unterstützung meiner Trainer und Partner (...) sehr zu schätzen. Sie haben mich geformt, gepusht und aufgefangen, aber niemals verbogen. Ein Dankeschön gilt auch dem Österreichischem Skiverband und dem Olympiazentrum Tirol, all den Betreuern, Ärzten, meinen Team-Kollegen und den vielen inspirierenden Menschen, die ich auf und abseits der Schanzen kennenlernen durfte."

Die vergangene Saison 2020/21 hatte Schlierenzauer wegen einer Knieverletzung kurz vor Beginn der Nordischen WM in Oberstdorf beenden müssen. Mit dem Tiroler verabschiedet sich einer der größten heimischen Wintersportler aus dem aktiven Sport. Das sieht auch Mario Stecher, der sportliche Leiter im ÖSV für Ski nordisch, so: "Gregor hat fürs Skispringen Großartiges geleistet. Seine außergewöhnliche Karriere ist gespickt mit Superlativen. Er hat im Grunde alles erreicht, was es zu erreichen gibt, fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, und es ist auch ihm zu verdanken, dass der Sport heute da steht, wo er ist", wird Stecher in einer Aussendung des ÖSV zitiert.

Schlierenzauer habe über viele Jahre Tausende Fans begeistert und sei ein Vorbild für den Nachwuchs gewesen. Der ÖSV wünscht Schlierenzauer alles Gute. "Er wird immer ein gern gesehener Gast bei uns bleiben."

Was Schlierenzauer nun vorhat, ließ er im Blog noch nicht durchblicken: "Mein Feuer, das immer voll und ganz für den Sport brannte, brennt jetzt für neue Aufgaben, die da sind und die auf mich warten. Ich schlage dieses neue Kapitel mit Leidenschaft auf, bin voller Tatendrang und Neugierde." (red/apa)