Seine Wahl ist noch nicht lange her und von etlichen Misstönen eingeleitet respektive begleitet worden. Zuerst traten Machtkämpfe im österreichischen Skiverband, die lange unter Pulverschnee und Erfolgen verdeckt gewesen waren, offen zu Tage, Michael Walchhofer wurde offen vom damaligen Präsidenten Peter Schröcksnadel abgesägt, Renate Götschl, eine weitere ehemalige Weltmeisterin, coram publico desavouiert.

Danach wurde Karl Schmidhofer, den der Wahlausschuss als Kompromisskandidaten in einer Nacht- und Nebelaktion wie das sprichwörtliche Kaninchen aus dem Hut gezaubert hatte, seine Nähe zur ÖVP in der Öffentlichkeit zum Vorwurf gemacht. Schmidhofer allerdings schien es zu gelingen, die Wogen zu glätten und wieder etwas Harmonie in die heimische Wintersport-Kakophonie zu bringen.

Doch nun, wenige Wochen vor dem Start in die neue Saison und unmittelbar an jenem Tag, an dem seine Nichte Nicole, ihres Zeichens ehemalige Weltmeisterin, in einer Pressekonferenz ihre Comeback-Pläne bekannt gab, erfolgte der nächste Paukenschlag: Nach genau 100 Tagen im Amt gab Karl Schmidhofer seinen Rücktritt bekannt.

"Volle Kraft für die Familie"

Der Steirer begründete diesen überraschenden Schritt mit einem "schweren Schicksalsschlag in der Familie" - konkret dem Schlaganfall seines 35-jährigen Sohnes. "Ich will nun voll und ganz meine Kraft der Familie widmen", sagte der sichtlich bewegte Schmidhofer. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, aber der Schicksalsschlag lasse ihm keine andere Wahl, so der scheidende ÖSV-Präsident.

Interimistisch wird seine Agenden vorerst als dienstälteste Funktionärin in der Führung des ÖSV Roswitha Stadlober übernehmen. Dies habe das ÖSV-Präsidium einstimmig beschlossen. Stadlober übernimmt vorerst unter anderem die Repräsentation des Verbandes nach außen, sagte ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer.

Roswitha Stadlober (r.) übernimmt seine Agenden interimistisch. 
- © apa / Barbara Gindl

Roswitha Stadlober (r.) übernimmt seine Agenden interimistisch.

- © apa / Barbara Gindl

Kommende Woche sollen die Gremien des Verbandes tagen. Er gehe davon aus, dass sich alle "ihrer Verantwortung bewusst" sind, eine "Frist" bis zur endgültigen Entscheidung über den oder die Nachfolgerin gebe es nicht, erläuterte Scherer. Die Verantwortlichen hätten nun zwei Möglichkeiten: Entweder es gebe eine vorgezogene Neuwahl oder man warte bis zur regulären Länderkonferenz beziehungsweise Jahreshauptversammlung im kommenden Juni.

Ob Stadlober Ambitionen hat, das höchste Amt im - nach dem ÖFB mächtigsten - Sportverband des Landes auch langfristig zu bekleiden, ist unklar. Vorerst allerdings scheint sie die Voraussetzungen nicht nur aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit im ÖSV - wenn auch im Schatten des übermächtigen Schröcksnadel - mitzubringen.

Während ihrer aktiven Zeit war sie, damals noch als Roswitha Steiner, eine Weltklasse-Slalomfahrerin, gewann 1987 in Crans-Montana WM-Silber und insgesamt acht Rennen im Weltcup, ehe sie 1988 ihren Rücktritt erklärte. Doch die 58-jährige Salzburgerin, 1986 auch Österreichs Sportlerin des Jahres, kennt auch die Bedürfnisse der Nordischen: Sie ist mit dem früheren Staffel-Weltmeister Alois Stadlober verheiratet, Tochter Teresa ist aktuell die Lichtgestalt im heimischen Langlauf, dem auch Sohn Luis angehört. 1999 bis 2004 saß sie zudem für die Volkspartei als Sportsprecherin im Salzburger Landtag.(art)