Roswitha Stadlober als Nur-Kurzzeitlösung, Roswitha Stadlober als längerfristige Kurzzeitlösung, als Langzeitlösung - oder etwas ganz anderes? Vor der morgigen Präsidiumssitzung des österreichischen Skiverbands sind viele Fragen offen. Geklärt werden soll etwa, ob die Salzburgerin, die ursprünglich nur als interimistische Vertretung für Karl Schmidhofer ins Amt gekommen war - nachdem dieser selbst nach nur hundert Tagen seinen Rückzug bekannt gegeben hatte - bis zur satzungsmäßig geplanten Länderkonferenz im Juni 2022 Präsidentin bleiben oder es davor Neuwahlen in einem der einflussreichsten Sportverbände Österreichs geben soll. Möglich ist auch, dass Stadlober fix kandidiert. Bis vor kurzem hatte sie dies noch ausgeschlossen, ihre jüngsten Aussagen klangen aber nicht nach einem Dementi. Das Einzige, das sie vermeiden wolle, sei ein Kampf, sagte sie.

Fix ist, dass es an der ÖSV-Spitze seit dem Abgang Peter Schröcksnadels ein Machtvakuum gibt. Der Tiroler indessen hat schon eine neue Aufgabe gefunden. Eigentlich hat der Seilbahnmanager nur, wie es in diesen Tagen als Formulierung öfters zu hören war, "einen Schritt zur Seite", das heißt in die höchste Funktionärsebene, gemacht, um als Vizepräsident der FIS an großen Rädern zu drehen. Tatsächlich haben Schröcksnadel und FIS-Chef Johan Eliasch einiges vor: Eine zentrale Vermarktung ist ebenso ein Thema wie Innovationen im Skirennsport. Über Letztere will sich Schröcksnadel mit einer "Alpine-Future-Group" Gedanken machen. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Abendliche Technikrennen unter der Woche und Speedbewerbe am Wochenende sind ebenso denkbar wie Hallen-Rennen in Dubai oder Weltmeisterschaften im Sommer unter Dach. "Da sind viele Ideen, die den Skisport auf den nächsten Level heben", meinte Schröcksnadel am Rande einer Buchpräsentation am Dienstag. "Es herrscht dringender Erneuerungsbedarf."

Offenbar ist dem auch so beim Thema zentrale Vermarktung. Etwas, das der 80-Jährige früher eigentlich eher bekämpft hat. Nun aber sollen Rechte zusammengelegt und gemeinsam verkauft werden, Vorbild ist die Uefa-Champions-League. Dafür hat die FIS ihre Statuten mit klarer Mehrheit geändert. In dem Zuge soll auch das Preisgeld endlich erhöht werden. "Die Newschool-Sportarten, auch Snowboard, haben kein Geld", erklärte Schröcksnadel und betonte, dass hier ein zentrales Marketing unter einem FIS-Dach helfen könne. Eine Umsetzungshürde stellen allerdings die Verträge der Veranstalter mit Agenturen wie Infront, die teilweise bis 2030 gehen, dar. Der FIS-Vize will auf Verhandlungen setzen, es aber tunlichst nicht zum Rechtsstreit kommen lassen.

Dafür macht Schröcksnadel aus seiner Abneigung gegen die alpine Kombination kein Hehl - und das, obwohl Eliasch selbst zuletzt Kombinationsbewerbe aus Slalom und Riesentorlauf und/oder Abfahrt und Super G angeregt hatte. Dass in Peking nochmals Olympiamedaillen der Kategorie vergeben werden, ficht Schröcksnadel nicht an: "Aber bei den nächsten Spielen wird es die Kombi wahrscheinlich nicht mehr geben."

Private Meinung zu Corona

Nach einem abgebrochenen und einem WM-Winter großteils ohne Zuschauer wird nicht zuletzt auch bei der FIS das Thema Corona vor dem Saisonstart nächste Woche in Sölden heiß diskutiert. Nur Geimpfte zuzulassen werde wegen der vielen Nationen mit völlig unterschiedlichen Regeln schwer gehen. Also müsse man sich an die jeweiligen Landesgesetze halten. Und dann könne laut Schröcksnadel schon sein, "dass der oder die eine oder andere dann eben kein Rennen fährt". So wie etwa in Kanada, wo traditionell im November und Dezember die ersten Saison-Speedrennen - mit 1G - über die Bühne gehen. "Das muss man akzeptieren. Die FIS hat nicht die Stärke, den Kanadiern zu sagen, wenn ihr die Regel nicht ändert, gibt es keine Rennen", erklärte er. Gravierend sei es bei Olympia in China. "Da muss man schon beim Hinfliegen in der Blase sein."

Was Corona betrifft, hatte und hat Schröcksnadel in der Vergangenheit mit seiner Privatmeinung nie hinter dem Berg gehalten. Als Beleg dafür, dass in der Pandemie nicht alles so heiß gegessen wie gekocht sei, wertete er die vergangene Skisaison in der Schweiz, wo er im Seilbahnbusiness engagiert ist. Weil die Skigebiete dort trotz Corona offengeblieben waren, blicke er auf den besten Winter der Geschichte zurück, so der FIS-Vize. "In der Schweiz gab es trotzdem nicht mehr Tote oder Kranke als bei uns, wo wir 95 Prozent bei den Seibahnen verloren haben. Es darf also gefragt werden, wer es gescheiter gemacht hat." Den ÖSV-Chefposten vermisst Schröcksnadel nicht. "Mir geht’s gut. Mir geht nichts ab, außer die Sportler selbst." Ein Politiker hätte es vermutlich nicht besser formulieren können. Und man wird sehen, was Roswitha Stadlober nach diesem Mittwoch dazu sagt.(rel/apa)