Noch wirkt sie etwas verloren, fast schüchtern im grellen Scheinwerferlicht. Verständlich, denn weder hat sie dieses gesucht, noch ist sie es in dieser Intensität gewohnt. Ist ihr doch der ÖSV-Interimsposten im September als dienstälteste Vizepräsidentin nach dem überraschenden Rückzug von Karl Schmidhofer quasi in den Schoß gefallen; und als sie ihre großen Erfolge im Skirennsport einfuhr, waren die Slalom-Latten noch annähernd zwei Meter lang, die Kleidung grellbunt, der Rummel, speziell bei Torläufen, überschaubar familiär. Doch ab sofort steht Roswitha Stadlober, die als Roswitha Steiner in den 1980er-Jahren zu den besten Slalomfahrerinnen der Welt gehörte, wieder im Brennpunkt des Ski-Zirkus, aber wird dort ganz andere Dinge zu meistern haben als Kippstangen, Haarnadeln und Vertikalen. Auf die neue, weil nunmehr dauerhafte ÖSV-Präsidentin kommen in der Post-Peter-Schröcksnadel-Ära vielschichtige Herausforderungen, vor allem im nicht-sportlichen Bereich, zu.

Der Anfang darf einmal als gelungen abgehakt werden: Denn das schon befürchtete öffentliche Hauen und Stechen um den wahrscheinlich einflussreichsten Chefsessel in der rot-weiß-roten Sportwelt ist anders als nach dem Schröcksnadel-Abgang diesmal ausgeblieben. In der ÖSV-Präsidentenkonferenz am Mittwoch kam es fast zu einer Ideallösung: Stadlober wird künftig eine Dreierriege anführen, bestehend aus der 58-jährigen Salzburgerin als ÖSV-Gesicht, Identifikations- und Integrationsfigur auf der Skisportbühne, Abfahrtsolympiasieger und Ex-Nationalratsabgeordneter Patrick Ortlieb (54) als Finanzchef und dem für die operative Führung zuständigen Neo-Generalsekretär Christian Scherer (36). Gewählt werden soll dieses Team am Freitag in Anif bei einer außerordentlichen Länderkonferenz - bestellt bis Sommer 2024.

Dass Stadlober die erste Frau an der Spitze des ÖSV ist, der im links-urbanen Milieu zuletzt als letzter Hort des Patriarchats angefeindet wurde, darf durchaus auch als gelungener PR-Coup notiert werden (mit fast euphorischen Reaktionen aus dem Alpin-Lager) - Frau-Sein allein wird freilich nie und nimmer reichen, um den erfolgreichsten, aber nicht immer auch einflussreichsten Skiverband der Welt in die Zukunft zu führen.

Als ÖSV-Speerspitze geht es auch und vor allem um Einfluss bei Politik, Medien und Werbekunden; es gilt, das von Schröcksnadel zusammengeschaufelte Riesen-Budget zu halten respektive aufzustocken, damit auch abseits der Alpinen genügend Geldmittel bei den Spitzensportlern ankommen; internationale Seilschaften müssen gebildet werden, um weiterhin Sport-Großereignisse nach Österreich zu bringen; und natürlich geht es - erst recht in schwierigen Pandemiezeiten - auch um die Rolle der rot-weiß-roten Skifahrer als Aushängeschilder des volkswirtschaftlich für das Land so bedeutenden Wintertourismus.

"Keine Experimente!"

Große Ansagen blieb Stadlober am Tag ihrer Kür noch schuldig, was in einem gut geführten Betrieb nicht weiter überrascht. Vielmehr meinte sie: "Es braucht jetzt nicht unbedingt Experimente!" Um aber doch auch frischen Wind anzukündigen - in Form verstärkter Förderung jüngerer Mitarbeiter. Denn: "Die Jungen haben ja auch Ideen, man muss sie sich entfalten lassen."