Am Ende hat es doch nicht sein sollen, nicht mit dem ersten Weltcupsieg von Roland Leitinger, nicht mit einem Stockerlplatz für Katharina Liensberger bei den Damen. Dennoch durften Österreichs Riesentorläufer Sölden mit einem positiven Gefühl verlassen. Mit insgesamt starken Leistungen - wenn auch von einigen nur in Teilbereichen - verschaffte sich der ÖSV auch in seiner Krisendisziplin Ruhe für die weiteren Trainings. Und jene, für die es nicht nach Wunsch gelaufen ist, können sich immerhin damit trösten, dass in allen Bereichen noch Luft nach oben ist.

Vor einem Jahr war die Debatte um die Problemdisziplin nach Platz 17 am Rettenbachferner durch Stefan Brennsteiner entfacht, erst im Saisonfinale hatte sich ein Aufwärtstrend abgezeichnet. Roland Leitinger als Zweiter hinter dem Schweizer Marco Odermatt, der sich auch im Kampf um den Gesamtweltcup Chancen ausrechnet, führte dieses Mal ein kompaktes Team an. Fazit: Der Speed ist zurück, die Konstanz fehlt noch.

Marco Schwarz landete auf Rang 13, Manuel Feller auf 15. Der Halbzeit-Elfte Brennsteiner fiel im Finale ebenso aus wie der überraschende 13. nach dem ersten Lauf, Matthias Mayer. Sie vergaben mögliche Plätze in den Top Fünf beziehungsweise Top Ten. "Ich bin mit der ganzen Mannschaft zufrieden. Vom Speed her sind wir voll dabei, jetzt müssen wir nur noch das Ganze ins Ziel bringen, dann haben wir mehr unter den Zehn", sagte ÖSV-Männer-Rennsportleiter Andreas Puelacher. Vor allem Mayer habe ihn "brutal überrascht".

Anerkennung gab es auch dafür, wie der erstmals zur Halbzeit führende Leitinger mit der Drucksituation umging. "Das hat er sehr gut gemacht. Das Podium habe ich ihm zugetraut, zum Gewinnen muss alles zusammenpassen. Er fährt zurzeit sehr gut Ski." Die dominante Figur im Training sei Brennsteiner gewesen, Leitinger habe es noch an Konstanz gefehlt. "Da waren Topläufe und weniger gute Läufe."

Nach der überraschenden WM-Bronzemedaille durch Schwarz in Cortina d'Ampezzo hatte Brennsteiner am 27. Februar als Dritter in Bansko die Stockerl-Sperre der Riesentorläufer im Weltcup beendet. Es war der erste Top-Drei-Platz für den ÖSV in dieser Disziplin seit dem zweiten Platz von Marcel Hirscher im Februar 2019 ebenfalls in Bansko gewesen.

Die Mischung passt

Wie vor Jahren im Slalom war nun auch im Riesentorlauf Geduld gefragt gewesen. "Wir arbeiten daran, die Athleten arbeiten daran. Man muss den Athleten Vertrauen geben und Bedingungen schaffen. Wir hatten immer das Problem mit Verletzungen. Jetzt sind wir schon länger verletzungsfrei und bleiben das hoffentlich. Die Athleten haben Vertrauen in den Körper", erklärte Puelacher.

Mit Gruppentrainer Michael Pircher und Ferdinand Hirscher aus dem einstigen Marcel-Hirscher-Erfolgsgespann ist von Coach-Seite viel Know-how verfügbar, angesetzt wurde vor allem auch bei der Skitechnik. "Das mit Brennsteiner tut weh, sonst sehe das Ergebnis noch besser aus. Es wünscht sich natürlich jeder, dass wieder mehrere vorne reinfahren", sagte Pircher.

Leitinger fand auf dem Weg zu seinem ersten Riesentorlauf-Podestplatz die richtige Mischung aus "Aggressivität und Dosierung". Brennsteiner hatte nach Lauf eins für den zweiten Durchgang "die richtigen Schlüsse" getroffen, es dann aber "selbst verhaut. Schlimmer kannst nicht anfangen. Aber das Skifahren passt". Auch Mayer hatte "ein sehr gutes Setup gefunden und ein super Gefühl auf Ski", als im letzten Drittel des Steilhangs das Aus kam. "Mit dem Skifahren bin ich sehr zufrieden, das Ergebnis ist natürlich sehr bitter."

Feller "nicht Fisch, nicht Fleisch"

Sein näherer Kärntner Landsmann Schwarz hatte schon im Vorfeld erklärt, dass im Riesentorlauf noch Hausaufgaben auf ihn warten, sprach daher von einem guten Auftakt. "Das ist mein bestes Sölden-Ergebnis, ich habe mir hier immer sehr schwergetan. Man darf sich halt nicht viel erlauben, es ist ein gutes Niveau im Riesentorlauf, das wird eine spannende Saison."

Feller bezeichnete sein Ergebnis als "nicht Fisch, nicht Fleisch", im Steilhang habe er zu wenig Platz zu den Toren gelassen, es sei nicht ganz rund gelaufen. Er hob daher die Teamleistung hervor. "Wir wussten, dass wir noch einmal einen guten Schritt gemacht haben, wir pushen uns gegenseitig. Der Roli ist der, der es auf den Punkt gebracht hat. Ich hoffe, dass die ganze Mannschaft den Auftrieb mitnimmt."

Auftrieb gab auch die Rückkehr der Fans. "Es geht nicht immer darum, welche Nation gewinnt oder wer ganz vorne ist. Wir lieben alle den Sport und feiern den Sport, da gehören Emotionen dazu, ich glaube, das war ein super Auftakt heute", sagte Feller. (red/apa)