In Kitzbühel gibt es goldene Gamsen und Namensehrungen auf Seilbahn-Gondeln, in Adelboden sind es klobige Kuhglocken, die den siegreichen Skifahrern als Beiwerk zu Pokal, Medaille und Bussi (vor Corona) gereicht werden. An die tierischen Sieger-Trophäen von Levi kommt aber kein Weltcup-Ort heran. Am Polarkreis, also in der Heimat des Weihnachtsmannes, gibt es gut einen Monat vor Weihnachten standesgemäß ein Rentier für alle Slalomsieger des finnischen Weltcuportes. Freilich nicht "zum Mitnehmen", sondern bloß in Form einer Namenspatenschaft. Petra Vlhova, die Titelverteidigerin beider Torläufe am Samstag und Sonntag, konnte damit 2020 ihre Rentier-Herde auf drei Stück erweitern - und nannte die Neuzugänge Pepi und Lujza.

In Levi ging’s los

Man darf gespannt sein, auf welche kreativen Namen Slalom-Weltmeisterin und -Weltcupsiegerin Katharina Liensberger käme, sollte sie im ersten Rennen ihrer Paradedisziplin zuschlagen. Von Marcel Hirscher wissen wir noch, dass er einmal ein Rentier nach seinem Vater benannte - Ferdl.

Vor einem Jahr startete Liensberger in Levi ihre großartige Saison mit zwei dritten Rängen. Während den ÖSV-Männern ja ein Traumstart in den Olympia-Winter gelungen ist, kämpfen die Frauen heuer noch um den ersten Stockerlplatz. Die Konkurrenz ist nun in Levi insofern größer geworden, als Mikaela Shiffrin und Vlhova wieder mit dabei sind. Beide hatten nach dem Auftaktrennen in Sölden auf den Parallelbewerb in Lech/Zürs verzichtet. Shiffrin war in die USA gejettet, um zu trainieren und ihre Rückenprobleme auszukurieren. Weltcup-Gesamtsiegerin Vlhova konzentriert sich auf Slalom und Riesentorlauf und kann in Levi schon quasi einen Zweitwohnsitz anmelden. Sie ist seit 1. November und damit fast drei Wochen in der Skistation nördlich des Polarkreises. Österreichs sieben für Levi nominierte Slalom-Spezialistinnen trainierten drei Tage in Kaabdalis in Schweden bei guten Bedingungen und reisten bei Regen an. Beim Slalom-Doppel (jeweils 10.30/13.30) soll es aber deutlich besser sein. Liensberger hat ihre Erkältung von Lech/Zürs weitgehend auskuriert, beim Training in Schweden aber etwas an Intensität zurückgenommen. "Ziel war ja, sie in vollem Saft nach Levi zu bringen", erklärte Technik-Chefcoach Johannes Zöchling. "Der Unterschied zwischen einem guten und sehr gutem Ergebnis ist am Ende, ob ich die Power auf den Ski bringe oder nicht. Also das letzte Alzerl über Kraft und druckvolles Skifahren rausholen", erklärte der langjährige Betreuer. Zöchling ist zwar sicher, dass Liensberger "mit einem guten Gefühl an den Start" gehen werde, absolute Favoritin sei sie aber gewiss nicht. "Eine Shiffrin hat so viel mehr Slalom-Siege", relativierte der Coach. "Aber zum Kreis der Favoritinnen gehört die Kathi ganz sicher."

ÖSV-Damenchef Christian Mitter hofft jedenfalls auf einen Effekt auf das ganze Team durch die vergangenen Erfolge: "Es hilft schon sehr, wenn man eine der schnellsten Slalomläuferinnen der Welt im Team hat. Vor allem, weil sie auch im Training sehr drauf drückt und Gas gibt. Da kann man sich gut orientieren."

"Megaschöner Hang"

Liensberger selbst zeigte sich erwartungsfroh. "Es ist schon was ganz Besonderes, hier in Levi die neue Saison eröffnen zu können. Es ist ein megaschöner Hang." Obwohl sie Weltmeisterin und Disziplinen-Siegerin sei, gehe es nach wie vor um das Gleiche. "Nämlich Gas geben und so schnell wie möglich vom Start ins Ziel zu kommen." Aber natürlich würden ihr die Erfolge ein gewisses Grundvertrauen geben, bestätigte die Vorarlbergerin. "Ich weiß, dass ich schnelle Schwünge habe." Neben Magdalena Egger und Marie-Therese Sporer hat auch die lange verletzt gewesene Stephanie Brunner die ÖSV-interne Levi-Qualifikation geschafft.

Shiffrin hat in Levi übrigens schon die Rekordzahl von vier Rentieren ercarvt (2013, 2016, 2018 und 2019), seit 2016 haben nur sie und Vlhova in Lappland gewonnen. Zeit also, für eine andere Namensgeberin.(may)