Sechs Rennen in weniger als zwei Wochen - der Speed-Auftakt der Ski-Herren in Nordamerika hat es nach langer Sommerpause wahrlich in sich. Noch dazu wurde im Vorjahr - Pandemie-bedingt - auf die traditionellen Überseerennen in Lake Louise und Beaver Creek komplett verzichtet. Das Comeback des Ski-Zirkus im kanadischen Banff-Nationalpark könnte jedenfalls (wieder einmal) ein spannender Hundertstelthriller werden, das haben jedenfalls schon die beiden Trainingsläufe auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke erkennen lassen.

Für die erste Abfahrt am Freitag (20 Uhr MEZ/ORF1) haben sich die ÖSV-Athleten jedenfalls vorgenommen, gleich um den Sieg mitzumischen - allen voran Teamoldie Max Franz nach seinen Rängen eins und drei in den Trainings. "Vom Skifahren her passt es ganz gut. Ich will ganz vorne mitfahren, das ist das Ziel. Wenn man das will, dann bleibt das andere nicht aus", meinte der Kärntner angesprochen auf seine Mitfavoritenrolle. Die Konkurrenz ist allerdings groß - nicht nur, weil die Top Ten im Training nur durch etwas mehr als eine Sekunde getrennt waren, sondern vor allem auch, da Asse wie etwa der Schweizer Kugel-Titelverteidiger Beat Feuz sicher noch einige Reserven im Tank haben.

"Das Feld, das hier gewinnen kann, ist riesig. Fehler wird es da runter keinen erlauben", meinte Franz, der 2018 in Lake Louise einen seiner zwei Abfahrtssiege einfahren konnte. Im Kampf um das Stockerl hat der 32-Jährige auch seine Kollegen auf der Rechnung. "Unser Team ist sehr stark." Dieses Lob gab wiederum Daniel Danklmaier umgehend zurück: "Max ist wie ein Rotwein, je länger man ihn offen lässt, umso besser." Auch Otmar Striedinger ist für ein Top-Resultat gut, zeigte er doch am Dienstag mit Rang zwei auf. "Es ist alles ziemlich eng beieinander, mit einer fehlerfreien Fahrt ist einiges möglich", vermutete der 30-Jährige.

Weltmeister hielt sich zurück

Das weiß auch Matthias Mayer, der in den Trainings auf die Plätzen 11 und 8 kam. "Es sind ein paar Wellen mehr eingebaut, als in den Jahren davor. Trotzdem hat es relativ gut funktioniert, wir können uns auf ein interessantes Rennen einstellen", verlautete der Doppel-Olympiasieger aus Kärnten. Zeitmäßig noch den Erwartungen hinterher hinkte Vincent Kriechmayr bei den Probeläufen. Von zweimal Rang 42 ließ sich der Doppelweltmeister aber ganz und gar nicht aus der Bahn werfen. "Ich fühle mich ganz gut, das Material ist super, gesundheitlich bin ich auch topfit", so der Mühlviertler.

Wieder topfit scheint auch Aleksander Aamodt Kilde zu sein, von Nachwirkungen seines überstandenen Kreuzbandrisses war dieser Tage nichts mehr zu sehen. Die Trainingsbestzeit am Mittwoch war zudem ein starkes Statement. "Kilde fährt wie davor, gnadenlos", diagnostizierte Franz. Auch Mayer hat den Norweger - die in Lake Louise traditionell stark fahren - voll auf der Rechnung. "Kilde hat in den letzten Jahren sehr viel gewonnen, er weiß, wie man da schnell runterfährt, es ist nicht überraschend, dass er da vorne mitmischt."

Der große Gejagte ist mit dem 34-jährigen Feuz aber ein anderer, der im Training seine Karten noch nicht aufdeckte. "Meine Linie war zu rund", erläuterte der Schweizer, der "viele Athleten" auf der Rechnung hat. Dazu zählen neben Kilde auf jeden Fall auch der Südtiroler Dominik Paris oder der Franzose Johan Clarey.

Doppel-Super-G in Beaver

Die Absage des dritten Trainings wegen schlechter Wetterprognosen - Schnee und Wind - passte den Athleten aufgrund des intensiven Programms ganz gut hinein, Regeneration und Tüfteln stand stattdessen auf der Agenda. Bei der zweiten Speed-Station geht es dann in Beaver Creek (mit Doppel-Super-G und einer Abfahrt auf der Birds-of-Prey-Piste) weiter. "Auf uns wartet eine harte Zeit, da musst du gut haushalten mit den Kräften", wusste Franz. Auch im Hinblick auf die Weltcup-Wertungen kann man sich schnell in Position bringen. "Es ist wichtig, eine gute Frühform zu haben. Man muss bei den ersten Rennen dabei sein, wenn man um die Kugeln mitkämpfen will", meinte Super-G-Titelverteidiger Kriechmayr. Unter Druck setzen will sich der 30-Jährige aber nicht, sein Blick ist von Rennen zu Rennen gerichtet. "Ich will jedes Mal vorne mitkämpfen, ob es für Siege oder Medaillen reicht, wird man dann sehen." Das Saison-Highlight namens Olympia kommt ja auch noch.(may/apa)