Während Österreichs Herren-Speed-Team aus dem Wetter-bedingt reduzierten Programm in Lake Louise aus einem Rennen immerhin zwei Stockerlplätze – den Abfahrtssieg von Olympiasieger Matthias Mayer sowie den zweiten Platz von Weltmeister Vincent Kriechmayr mitnehmen konnten –, suchen die ÖSV-Technikerinnen noch nach dem richtigen Schwung. Katharina Liensberger war zwar mehrere Male knapp dran, im Killington-Slalom blieb ihr beim emotionalen Heimsieg von US-Star Mikaela Shiffrin nur der vierte Platz.

Immerhin hat die Vorarlbergerin, die an der US-Ostküste die einzige ÖSV-Läuferin unter den Top Ten war, nun Zeit für Regeneration und Training. Denn das nächste Weltcup-Technikrennen der Skirennläuferinnen findet erst am 21. Dezember mit dem Riesentorlauf in Courchevel statt, nach Weihnachten folgen die Heimrennen in Lienz. In acht von neun Weltcup-Slaloms war Liensberger in der vergangenen Saison auf dem Stockerl vertreten gewesen, dazu kamen der Weltmeistertitel und die Slalomkugel.

Mit den Rängen sechs und acht in Levi sowie nun vier in Killington läuft es im Olympiawinter noch nicht ganz rund. "Sie ist noch nicht in Topform, das sieht man, aber sie wird schon kommen", merkte Rennsportleiter Christian Mitter an. "Es ist momentan wirklich für sie bissl schwierig, die Stabilität und dadurch auch das Gas zu finden, aber für das fährt sie eigentlich recht gute Zeiten."

Die 24-jährige Vorarlbergerin will nach Heimkehr und kurzer Pause an der "Konstanz und guten Schwüngen feilen". Wenn sie Stabilität reinbringe, solide und sauber fahre, und das von oben bis unten, und dabei ans Limit gehe, dann wisse sie, dass sie schnell sein könne. "Es geht definitiv in die richtige Richtung. Es war super viel Spaß hier zu fahren, ich habe mich bei gewissen Schwüngen richtig wohlgefühlt, da kann ich drauf aufbauen."

Zu arbeiten haben auch ihre Teamkolleginnen. Bei der derzeit zweitstärksten Slalomläuferin Katharina Truppe ist nach den Plätzen 22, 9 und 14 noch viel Luft nach oben. "Ich weiß ganz genau, wo meine Fehler liegen und woran ich arbeiten muss. Dass ich mir den Speed zutraue, dass ich, wenn der Lauf schneller gesetzt ist, draufdrücke und nicht zurückziehe."

Shiffrin wie Stenmark

Für sein gesamtes Team gelte: "Wir brauchen momentan immer einen Durchgang, dass wir reinkommen. Der zweite war von der Herangehensweise und vom Fahren wieder besser", bilanzierte Mitter. Nicht belohnt wurde die couragierte Fahrt von Katharina Huber, die im Finale kurz vor dem Ziel ausschied. "Sie tut mir leid. Sie verliert normalerweise im letzten Teil. Wir versuchen sie immer zu pushen, dass sie draufbleibt und was riskiert. Und wenn sie das tut, fällt sie aus. Das ist für den Kopf nicht gut. Aber sie hat einen guten Schwung und fährt gut Ski", sagte der Chef.

Viel zu grübeln hat Chiara Mair (in dieser Saison 19. und 25.). "Ich weiß nicht, wieso ich nicht schneller bin. Ich bin froh, dass jetzt ein Monat bis zum nächsten Slalom ist und ich das alles gut analysieren und bessermachen kann."

Allerdings gab es auch Lichtblicke: Zum besten Karriereergebnis und zum vierten Mal erst zu Punkten fuhr etwa Marie-Therese Sporer als 16. "Ich habe mir gedacht, Herz in die Hand nehmen und Geräte nach unten. Den Schwung nehme ich hoffentlich mit." Laut Weltcupkalender an der Reihe sind nun die Speed-Frauen mit zwei Abfahrten und einem Super G von Freitag bis Sonntag in Lake Louise, zwei Super G in St. Moritz (11./12.12.) und einer Abfahrt und einem Super G in Val d’Isere (18./19.12.). Das ÖSV-Frauenteam wartet nach nun fünf Rennen noch auf den ersten Stockerlplatz.

Mikaela Shiffrin durchlebte "große Emotionen". - © afp / Getty / Tom Pennington
Mikaela Shiffrin durchlebte "große Emotionen". - © afp / Getty / Tom Pennington

Ganz anders ist derzeit die Gefühlslage bei Shiffrin, die vor ihrer großen Weltcup-Rivalin Petra Vlhova und Wendy Holdener ihren 71. Weltcupsieg, den 46. im Slalom – so viele in einer Disziplin hatte bisher nur Ingemar Stenmark im Riesentorlauf – sowie den fünften im fünften Killington-Slalom feierte. "Es sind große Emotionen. Dieses Rennen bedeutet mir sehr viel. Ich hatte hier sehr viele spezielle Momente erlebt, mit meiner Familie, mit Menschen, die jetzt vielleicht nicht mehr da sind", sagte Shiffrin. (red/apa)