Man muss schon weit in der Weltcup-Historie zurückblättern, um ein vergleichbares Mammutprogramm zu finden - so es überhaupt auffindbar ist: Doppel-Super-G folgt ohne Pause auf Doppel-Abfahrt - und das auf einer der selektivsten und im oberen Abschnitt auch schwierigsten Strecken des Winters, auf der Raubvogelpiste zu Beaver Creek. Also dort, wo einst (1999) Hermann Maier die Abfahrts-Tore jenseits von 100 km/h abgeräumt und sich zum Weltmeister gekürt hat wie 16 Jahre später sein Salzburger Landsmann Hannes Reichelt im Super G. Hinzu kommt vor dem ersten Rennen in den Rockys am Donnerstag (19.45 Uhr/ORF 1) noch ein Abfahrtstraining, das für Mittwoch angesetzt war. Dass dieses Programm bei so manchem die Oberschenkel zum Glühen bringen wird, versteht sich von selbst - auch Lake-Louise-Sieger Matthias Mayer ortet darob "ein zaches Programm". Sein nicht minder durchtrainierter Teamkollege Vincent Kriechmayr geht die Sache indes entspannter an: "Vier Rennen in Serie sind sicher eine Belastung, sollten aber kein großes Problem sein", meint der Mühlviertler, der beim Auftakt in Kanada nur knapp geschlagen wurde.

Zu Gute kommen den Rennfahrern freilich nicht nur die vielen Schneefall-bedingten Stunden des Nichtstuns in Lake Louise, sondern auch die vollen Akkus zum Saisonstart, die durch die beiden Rennabsagen ja kaum angezapft werden mussten.

Kriechmayr hat jedenfalls gute Erinnerungen an die "Birds of Prey", feierte er doch dort 2017 seinen Weltcup-Premierensieg im Super G. Der Doppelweltmeister und Super-G-Kugel-Gewinner freut sich jedenfalls schon auf die Rennen, zumal diese im Vorjahr Pandemie-bedingt gestrichen werden mussten: "Für mich ist das eine der schönsten Abfahrten im Kalender. Ich habe hier meine ersten Punkte und meinen ersten Sieg geholt. Trotzdem musst du jedes Jahr deine sieben Sachen aufs Neue beisammen haben. Ob’s also wieder gelingt, wird man erst sehen." Vor zwei Jahren gab es in Colorado zwei Schweizer Siege - Beat Feuz in der Abfahrt und Marco Odermatt im Super G. Heuer wollen die ÖSV-Asse, angeführt von Doppel-Olympiasieger Mayer, wieder den Ton angeben, auch wenn dem Kärntner auf der Raubvogelpiste noch das große Erfolgserlebnis fehlt - als bestes Resultat steht ein dritter Platz im Super G. "Ich hoffe, ich kann das heuer ein bissl ausbessern", sagt Mayer, der in Beaver Creek ganz andere Bedingungen erwartet als in Kanada. "Dort war viel Neuschnee, hier ist reine Kunstschneepiste. Dazu kommt ein extrem steiles Gefälle und extreme Flächen. Da musst du dich wirklich umstellen." Nachsatz: "Das wird eine extrem anstrengende Woche, ist körperlich und mental keine einfache Geschichte. Und du musst voll fokussiert sein."

Licht und Schatten hat auch Max Franz in Beaver Creek schon erlebt. Stürze und schwere Verletzungen stehen einem Sieg im Supe G anno 2018 gegenüber. "Ich mag die Strecke, hatte gute und weniger gute Momente hier", sagte der Kärntner, dessen Rückenprobleme sich in Luft aufgelöst haben. "Ich bin pünktlich fit geworden und schmerzfrei unterwegs. Lässig, dass es in Lake Louise gleich funktioniert hat", meinte der 32-Jährige, der zum Auftakt Rang fünf einfahren konnte.

Gute Nachrichten gab es indes auch von den Ski-Damen aus Lake Louise: Im Abfahrtstraining konnte Nicole Schmidhofer ihre erste Comebackfahrt erfolgreich und schmerzfrei absolvieren - mit 5,37 Sekunden Rückstand auf die Schnellste, Sofia Goggia. Über einen Renneinsatz entscheidet die Steirerin am Donnerstag.(may)