Nach ihrem Abfahrts-Double in Lake Louise - mit dem Super-G-Sieg sogar ein Triple-Erfolg - ist Sofia Goggia auch am Samstag in Val d’Isere (10.30 Uhr/ORF 1) die große Gejagte. Mit vereinten Kräften wollen die Österreicherinnen der Italienerin zusetzen, allen voran Mirjam Puchner, die in dieser Disziplin als Dritte und Achte das nächste Topergebnis auf dem Weg zu den Olympischen Spielen einfahren will. Den letzten Stockerlplatz für Österreich errang in Val d’Isere 2016 Cornelia Hütter als Zweite, der bis dato letzte Sieg in der Königsdisziplin gelang den ÖSV-Damen schon vor mehr als zwei Jahren in Lake Louise durch Nicole Schmidhofer. Die Steirerin lässt die Rennen in Frankreich, wo sie vor einem Jahr brutal zu Sturz gekommen war, aus.

In den beiden Rennen vor einem Jahr lautete das Ergebnis Corinne Suter (Sz) vor Goggia und Breezy Johnson (USA) beziehungsweise Goggia vor Suter und Johnson. Und nicht nur Goggia, auch die anderen zwei Rennläuferinnen zeigten bereits in Kanada und nun auch in den Trainings von Val d’Isere, dass mit ihnen auf der Oreiller-Killy auch heuer wieder zu rechnen sein wird.

Goggia musste sich nach Bestzeit am Donnerstag im zweiten Training am Freitag um 0,15 Sekunden Puchner geschlagen geben. "Ich spüre keinen großen Druck, ich freue mich sehr auf die kommenden Rennen. Ich war nicht so am Limit unterwegs wie gestern, werde mir das mit den Trainern genau anschauen, bin aber positiv gestimmt", erklärte die Olympiasiegerin.

Passiert Goggia kein grober Schnitzer, wird es schwierig werden, an ihr im Rennen vorbeizukommen. Kampflos den Sieg abtreten wird die Konkurrenz aber keineswegs. "Ja, das war eine Kampfansage an Sofia, weil man sie unter Druck setzen muss, damit sie Fehler macht", erklärte die Salzburgerin Puchner. "Ich habe das Gefühl zu wissen, was ich morgen tun muss. Diese Strecke hat alles, was mir auch liegt. Wellen, Gleitpassagen, es macht einfach Freude, hier zu fahren." Sie merke seit Saisonbeginn, dass sie sehr stabil am Ski stehe und vom Material viel zurückbekomme. "Das gibt mir die Sicherheit am Ski." Zudem hat sie nach einer langen Leidensgeschichte heuer vor allem wieder eines - Gesundheit. "Ich bin froh, wenn ich von dem Ganzen nichts mehr höre", sagte die 29-Jährige jüngst.

Dabei war der Stern der Pongauerin schon 2016 aufgegangen, als sie sensationell die Abfahrt beim Weltcup-Finale in St. Moritz gewann. Doch im Jahr darauf bei der WM zog sie sich im Training eine Unterschenkelfraktur zu. Und die verheilte nicht so, wie sich das alle erhofft hatten. Nach mehreren Operationen und entsprechenden Formschwankungen scheint sie heuer endlich dort zu sein, wo sie immer hingehörte - in der Speed-Weltspitze. Und heute lautet ihr Erfolgsrezept: Freude am Skifahren. "Irgendwann nach all den Jahren reicht es einmal und hängt dir irgendwann selber raus." Nun gelte es aber "mit Spaß Ski fahren und einfach nicht viel überlegen, was man tut, sondern einfach eine Freude haben und genießen".

Mayer 2., Kriechmayr 3.

Ein Ergebnis wie jenes beim Herren-Super-G in Gröden wäre jedenfalls auch eine Freude: Am Freitag konnte nur Aleksander Aamodt Kilde den zweiten Saisonsieg der österreichischen Speed-Männer verhindern. Der Norweger siegte knapp vor dem ÖSV-Duo Matthias Mayer (+0,22) und Weltmeister Vincent Kriechmayr (+0,27); Kilde hat damit die jüngsten drei Speedrennen im Weltcup für sich entschieden und erneuerte damit die rekordverdächtige Liebesbeziehung der Norsker mit der Saslong. Wie Franz Klammer, Michael Walchhofer und Kristian Ghedina hat Kilde nun viermal in Gröden triumphiert. Öfter gewonnen hat nur sein Landsmann Aksel Lund Svindal (7). Im Abfahrtsklassiker am Samstag (11.45 Uhr/ORF 1) geht Kilde sogar auf die Wiederholung seines Speed-Doubles aus dem Vorjahr los.

"Es passt einmal sehr gut", bekundete Mayer, der im fünften Speedrennen zum vierten Mal aufs Stockerl fuhr. "Bei der Ciaslat-Ausfahrt habe ich einen minimalen Rutscher gehabt. Wahrscheinlich waren das die zwei Zehntel, die mir am Schluss abgegangen sind." Kriechmayr rehabilitierte sich für einen aus seiner Sicht nicht vollends zufriedenstellenden Nordamerika-Trip mit seinem zweiten Stockerlplatz in Gröden. "Heute bin ich definitiv besser als in Beaver Creek gefahren. Viel entschlossener, außer auf der Ciaslat, da habe ich mir bei einem Linksschwung zu viel Reserve gelassen", kommentierte der 2019-Sieger im Super G, der mit der Abfahrt noch eine Rechnung offen hat. Besser als Siebenter (2015) war er noch nie.(may/apa)