Mikaela Shiffrin wandelt auf den Spuren von Marco Odermatt (was die aktuelle Dominanz betrifft) und Ingemar Stenmark (was die Allzeit-Bilanz anlangt). Die US-Amerikanerin, die schon beim Auftakt in Sölden gewonnen hatte, fuhr auch beim zweiten Saison-Riesentorlauf am Dienstag in Courchevel souverän zum Sieg – 0,86 Sekunden vor der Schwedin Sara Hector – und übernahm damit auch die Führung im Gesamtweltcup. Nach dem 72. Weltcuperfolg wird die Rekordmarke des schweigsamen Schweden von 86 Einzelsiegen immer greifbarer. Die Österreicherinnen hatten am Dienstag keine Chance auf einen Stockerlplatz – Ramona Siebenhofer wurde nach einem groben Schnitzer in Abwesenheit von Katharina Liensberger Achte.

Shiffrin legte die Grundlage für ihren Coup schon im ersten Lauf. 0,74 Sekunden Vorsprung (auf die Schweizerin Michelle Gisin, die am Ende Dritte wurde) waren im Damen-Riesentorlauf schon länger nicht mehr zu sehen gewesen. Letztlich ließ die US-Olympiasiegerin in der Entscheidung auch als 30. und letzte Teilnehmerin trotz bereits ramponierter Piste nichts mehr anbrennen und fuhr den Rennsieg sicher und dosiert nach Hause. Die Amerikanerin hatte im Olympiawinter zuvor schon den Sölden-Riesentorlauf sowie den Heim-Slalom in Killington gewonnen. Der Riesentorlauf dort war wegen Windes abgebrochen worden und wird am Mittwoch (10/13 Uhr/ORF 1) in Courchevel nachgeholt.

Shiffrin sprach von einem "schwierigen und anstrengenden Rennen": "Ich musste alles geben und wirklich kämpfen für diesen Sieg. Ich bin müde. Aber insgesamt ist es unglaublich." Nachsatz: "Es läuft im Moment im Riesentorlauf sehr gut."

Nachdem Liensberger wie Lara Gut-Behrami und Alice Robinson wegen eines positiven Corona-Tests die Frankreich-Rennen auslassen muss, kamen fünf Österreicherinnen in die Entscheidung. Darunter waren Siebenhofer, Stephanie Brunner (14.) und Katharina Truppe (11.) in den Top 15. Für alle wäre bei fehlerfreier Fahrt freilich deutlich mehr möglich gewesen – insbesondere für Siebenhofer, die auf Kurs unter die besten Fünf war. Doch dann übersah sie im Mittelteil einen Schlag und verspielte nach ihrem Fehler mit nur 18. Laufzeit alle Chancen auf eine deutlichere Verbesserung von Halbzeitrang neun. Der Steirerin entkam im Ziel deshalb das "Sch"-Wort. "Ich ärgere mich extrem, es wäre viel drin gewesen."

Doch schon am Mittwoch hat sie die Chance zur Wiedergutmachung. "Ich weiß, dass ich ohne Fehler sehr schnell sein kann. Das muss das Ziel sein." Allerdings dürfe man eines nicht vergessen: "Vor zwei Jahren hätte ich zu einem Top Ten im Riesentorlauf noch Danke gesagt."

Klassiker in "Tomba-City"

Indes hofft auch die Herren-Slalom-Equipe auf einen vorweihnachtlichen Erfolg beim Nacht-Klassiker von Madonna di Campiglio am Mittwoch (17.45/20.45 Uhr/ORF 1). Männer-Rennchef Andreas Puelacher ist jedenfalls nach der Auftakt-Schlappe von Val d’Isere (mit Fabio Gstrein als bestem Österreicher auf Platz 14) optimistisch: "Ich glaube, wir werden uns dort schon deutlich anders präsentieren."

Für das auch im Vorjahr so erfolgsverwöhnte rot-weiß-rote Slalom-Team war Frankreich nur bedingt eine Reise wert gewesen: Manuel Feller fädelte als Halbzeit-Fünfter ein, der nun nach einem positiven Corona-Test fehlende Lech-Parallel-Sieger Christian Hirschbühl wurde 21., Michael Matt und Comeback-Athlet Marco Schwarz verpassten die Final-Teilnahme der Top 30. Zwar deutete Puelacher an, dass er sich von einigen etwas mehr erwartet habe, grundsätzlich sah er jedoch keinen Grund zu Alarmismus. "Man muss der Mannschaft zugestehen, dass auch Rennen in die Hosen gehen können."

Allerdings könnte der Ausfall von Vizeweltmeister Adrian Pertl das Team doch stärker belastet haben, immerhin hatte sich dieser tags davor im Riesentorlauf vor aller Augen das Kreuzband gerissen. Die ÖSV-Hoffnungen in "Tomba-City" ruhen jedenfalls auf den heuer im Riesentorlauf extrem konstanten und starken Feler sowie auf Kristall-Titelverteidiger Schwarz, dem das flache Schlussstück im Nobelskiort zugutekommen dürfte. "Den Quoten-Einfädler im Jahr haben wir erledigt, da denke ich nicht mehr dran. Ich weiß, dass die Form im Slalom auch sehr, sehr gut ist", meinte Feller, der zudem auf mehr Wasser und damit mehr Kurvengrip für ihn hofft. "Dann geben wir Gas", prophezeite der Fieberbrunner.

"Nicht an Haxen denken"

Von einem guten Slalom-Gefühl sprach auch Kombinations-Champion Schwarz. "Seit Val d’Isere ist schon ein guter Schritt vorwärts gegangen", erklärte der Kärntner, den im November eine Knöchelverletzung fünf Wochen zum Zuschauen gezwungen hatte. "Ich glaube, dass ich schon mehr draufhabe und mehr will. Ich will einfach befreit Rennen fahren, nicht an den Haxen denken müssen. Und das fahren, was ich zurzeit draufhabe."

An Madonna hat er gute Erinnerungen, gelang ihm doch dort bei seinem ersten Start 2015 die Sensation mit Platz drei und damit der erste Stockerlplatz. 2018 war er beim Flutlicht-Spektakel sogar Zweiter. "Ich freue mich richtig drauf. Der Hang liegt und taugt mir. Ich hoffe, dass die Piste auch gut ist."