Der bisher letzte österreichische Gewinner der Gesamtwertung und eines Einzelbewerbs bei der Vierschanzentournee ist Stefan Kraft. Der 28-jährige Salzburger ist als Fünfter auch im Weltcup klar bester ÖSV-Athlet, speziell sein Sieg in Klingenthal gibt den Fans Hoffnung. Im Gespräch mit der Austria Presse Agentur sagt Kraft, woran er im Training feilt, nennt seine Tournee-Favoriten, nimmt zu seiner Ausgangsposition Stellung und erinnert sich an seinen Tournee-Triumph.

"Wiener Zeitung". Sie trainieren mit der Mannschaft vor Weihnachten noch auf dem Bergisel. Woran wird da gefeilt?

Stefan Kraft: Es sind derzeit sehr gute Sachen dabei, die mir richtig Freude machen, aber auch einige Fehler. Man sieht, dass es sehr eng beieinander ist, ob ein Sprung funktioniert oder nicht. Wenn er nicht funktioniert, dann ist im ersten Flugdrittel noch ein bisschen ein Problem drinnen von der Symmetrie, dass ich noch nicht so ganz auf der Welle bin und der Ski nicht immer so unterstützt. Das probieren wir in den Griff zu kriegen, damit es ein bisschen stabiler wird. Der Bergisel ist perfekt hergerichtet. Und es sollen schon auch qualitativ hochwertige Trainings sein, damit es Sinn macht. Es tut dann einmal auch gut, ohne Startnummer die Luke zu wählen, die du willst, dass du auch einmal ein bisschen weiter springst. Und dann kann die Tournee kommen."

Sie waren 2014/15 der bisher letzte österreichische Vierschanzentournee-Sieger, und auch ein ÖSV-Sieg in einem Tournee-Einzelspringen ist schon lange nicht passiert. Wie sehen Sie die Ausgangsposition für sich und das ÖSV-Team?

Die Top-Favoriten, muss man ehrlich sagen, sind (Ryoyu) Kobayashi und (Karl) Geiger. Die sind sehr stabil und sehr gut - die zwei wird es zu schlagen geben. Wichtig ist, die paar Tage bis zum Auftakt noch gut nutzen, über die Weihnachtstage auch körperlich noch einmal aufzutanken. Das tut auch noch einmal sehr gut. Man sieht schon, dass wir ein gutes Team haben, und von dem her sind oft schon verrückte Sachen bei der Tournee passiert. Also es haben nicht immer die Favoriten gewonnen, selten eigentlich. Es ist alles drinnen. Noch ein bisschen Abstand zum Springen reinbringen, sechs Tage einmal kein Skispringen. Das gibt dann vielleicht auch noch einmal die nötige Ruhe.

Bei Ihnen hat das ja schon zweimal besonders gut funktioniert, Sie haben 2014 und 2016 in Oberstdorf gewonnen. Wie wichtig wird auch diesmal ein gelungener Auftakt in die Tournee sein?

Dass da schon einmal ein gutes Ergebnis zu Buche steht, ist das Wichtigste. Das beflügelt, und du weißt, du bist dabei. Es ist doch oft sehr schwierig in Oberstdorf. Es kann sehr windig sein, meistens schneit es, und es ist kein einfacher Wettkampf. Sicher ist man aufgeregt oder nervöser, das erste Highlight steht vor der Tür. Aber ich mag das normal immer sehr, sehr gerne - wenn die Tournee losgeht, Oberstdorf, die Schanze. Der Tournee-Start ist immer etwas Besonderes.

Würden Sie sich hinter Kobayashi und Geiger als Außenseiter bezeichnen?

Als Außenseiter-Favorit zähle ich mich sicher dazu. Ich bin ja doch auch ganz oben gestanden, ein paarmal am Stockerl, Fünfter im Gesamt-Weltcup. Es ist eigentlich eine coole Ausgangsposition, so in die Tournee zu starten. Die Stabilität ist schon im Hinterkopf, dass das noch nicht so ist, wie es sein soll. Aber es geht oft schnell, es kann auch in Oberstdorf passieren. Damals als ich die Tournee gewonnen habe, bin ich in der Quali in Oberstdorf auch nur 41. geworden. Und jetzt bin ich auch mit nicht ganz so guten Sprüngen ganz gut dabei. Das gibt Selbstvertrauen.

Hat die Tournee in einem Olympia-Jahr den gleichen Stellenwert wie sonst?

Ja, sicher. Das ist das erste große Highlight. Da trainieren wir jetzt darauf hin und nicht auf Olympia, es hat auf jeden Fall den gleichen Stellenwert.

Seit Ihrem Tournee-Sieg sind bereits sieben Jahre vergangen, seither sind etliche Erfolge dazugekommen. Welche Bedeutung hat dieser Erfolg inmitten Ihrer anderen Triumphe rückblickend für Sie?

Der erste Gesamtweltcup-Sieg ist noch immer das Emotionalste, das ganz oben steht. Der Tournee-Sieg ist schon so lange her, aber das ist auch etwas Besonderes. Da war noch so richtig eine volle Hütte, da war alles Rot-Weiß-Rot. Wenn man die Bilder dann wieder auf Youtube sieht, oder in der Fernseh-Vorschau, das ist schon cool. Das war schon etwas ganz Besonderes, wenn du daheim einen deiner größten Erfolge feierst. Es ist auch sehr cool, und wir haben uns riesig gefreut, dass diesmal in Innsbruck und Bischofshofen ein paar Tausend Zuschauer zugelassen sind.

Noch etwas ganz Anderes: Seit Anfang Oktober ist Ihr Ebenbild bei Madame Tussauds in Wien zu bewundern. Etwas, das Sie Touristen als heißen Tipp empfehlen?

Ich würde jetzt niemanden extra hinschicken. Aber ich bin selbst ein Fan von Madame Tussauds. Ich war selber davor schon zwei-, dreimal bei Madame Tussauds - in Bangkok und auch in Wien. Es ist einfach cool und unglaublich, wie echt das ausschaut. In Wien haben sie es sehr cool aufgebaut. Ich werde sicher nach der Saison mal mit der Family und mit der Freundin hinschauen.(apa)