Kinder, wie die Zeit vergeht! Schon wieder ist Weihnachten - und schon wieder ist mehr als ein Drittel des alpinen Weltcup-Winters bereits absolviert. Und damit - wie alle Jahre wieder - ein guter Zeitpunkt, eine erste Bilanz zu ziehen. Zwar verabschiedeten sich Österreichs Damen wie Herren aus Courchevel und Madonna di Campiglio nicht gerade mit tollen Erfolgserlebnissen in die (kurze) Weihnachtspause, insgesamt konnte sich das bisher Gezeigte aber sehen lassen. Und jedenfalls fiel die Bilanz deutlich besser aus als noch vor 365 Tagen, als man auf dem Gabentisch tatsächlich null Weltcupsiege liegen hatte. Etwas, das davor 33 Jahre lang nicht passiert war.

Heuer konnten die ÖSV-Herren indes zwei volle Erfolge (Matthias Mayer in der Abfahrt von Lake Louise/Christian Hirschbühl im Parallel-Bewerb von Lech) einfahren - zuzüglich durfte man sich über 12 Stockerlplätze in insgesamt 13 Rennen freuen. (Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es deren nur vier). Daher kann Herren-Rennchef Andreas Puelacher auch entspannt in die Feiertage gehen - wäre da nicht eine Sache: "Mit der Gesamtleistung bin ich zufrieden. Nur im Slalom müssen wir aufholen."

Der Nachtklassiker von Madonna brachte am Mittwoch für das selbst nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher bestens aufgestellte Torlauf-Team nämlich schon das zweite Debakel in Folge. Nach den Ausfällen von Manuel Feller und Marco Schwarz bedeutete der 20. Platz für Michael Matt das schlechteste ÖSV-Ergebnis in "Tomba-City" aller Zeiten. "Wenn unsere Topleute ins Ziel kommen, sind wir sicher unter den Zehn", meinte Puelacher, der "noch" keine Slalomkrise erkennen will. Einen Rückstand - vor allem auf die aktuellen Topläufer wie Clement Noel, der in Madonna auf dem Weg zum zweiten Sieg am letzten Tor strauchelte - gestand er aber ein.

Puelacher will seine Slalom-Equipe mit guten Trainingstagen über Weihnachten ("Dann sind wir im Slalom-Monat wieder dabei") fit für die Jänner-Klassiker machen - Zagreb, Wengen, Kitzbühel, Schladming. Ehe dann der Olympia-Torlauf in China wartet. Bei den Slalom-Highlights hofft Puelacher dann auch auf bessere, konstantere Pistenbedingungen als zuletzt, worunter nicht nur seine Fahrer gelitten hätten. Denn alle Teams würden eisigere Pisten fordern. "Damit wird es sicherer. Die Aggressivität wollen wir hingegen nicht, wir hatten genug Kreuzbandrisse auf solchen Pisten. Die FIS muss sich überlegen, was sie im Jänner macht."

Für die meisten Jubelschreie sorgte bisher die Speedtruppe um Mayer und Vincent Kriechmayr, die schon am Stefanitag wieder in Bormio auf der Piste stehen werden - zum ersten Abfahrtstraining. Auf der Stelvio, die dem Kärntner ja an sich gut liegt, hat er sowohl die Führung im Abfahrts-, als auch Super-G-Weltcup zu verteidigen. Und insgeheim spitzt Puelacher auch auf die große Kugel für den aktuellen Gesamtzweiten. "Marco Odermatt ist sehr, sehr stark. Aber die Hälfte der Riesentorläufe ist schon vorbei, Abfahrten und Super G kommen hingegen noch viele."

508 Punkte im Nationencup voran

Und dann wäre da noch der Riesentorlauf, der bis zum Ende der Vorsaison das große Sorgenkind war. Die alpine Grunddisziplin bereitet dem Rennchef heuer sogar die allergrößte Freude: "Dort überraschen wir sogar mit Stockerlplätzen. Die Mannschaft ist also intakt, ich sehe keine Krise. Bis auf den Slalom sind wir in allen anderen Rennen stark da." Das macht sich auch im Nationencup bemerkbar - das Steckenpferd von Ex-ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel: Waren es vor einem Jahr 623 Zähler Rückstand auf die Schweiz, sind es nunmehr 508 Punkte Vorsprung auf die Eidgenossen.

Daran maßgeblich Anteil haben freilich auch die Ski-Damen, die zwar noch sieglos sind, aber mit mannschaftlicher Geschlossenheit im wahrsten Sinne des Wortes punkten können. Herausragend war dabei Mirjam Puchner, die in drei Speedbewerben (Lake Louise/Val d’Isere) als jeweils Dritte zur Siegerehrung durfte. Die Zwischenbilanz fällt zwar nur leicht besser aus als vor einem Jahr (als zwei Stockerlränge zu Buche standen), dennoch liegen auch die ÖSV-Damen in ihrer Teamwertung gut 100 Punkte vor Italien in Front. Und das, obwohl alleine Sofia Goggia fünf Rennen für die Azzurri gewonnen hat.

"Natürlich ist es unser Anspruch, Siege zu feiern. Im Speedbereich sind wir eh gut aufgestellt", bilanzierte Hochleistungssport-Chef Patrick Riml. In den Technik-Rennen habe man bisher "nur in Teilabschnitten" mithalten können; respektive ist Technik-Ass Katharina Liensberger heuer noch von der Hochform entfernt, die zuletzt auch noch von Corona gestoppt wurde. In Lienz soll die Vorarlbergerin aber wieder mit dabei sein - dann steigt die Weltmeisterin vielleicht noch heuer wieder aufs Stockerl.