Wie im Rest der Welt dominierte auch in Oberstdorf, einen Tag vor dem ersten Sprungbewerb in der Vierschanzentournee am Mittwoch, Corona fast alles. Aber auch nur fast. Jedenfalls ging die Nachricht, dass ein Teammitglied der estnischen Mannschaft sowie zwei Medienvertreter positiv auf das Virus getestet worden waren, dieses Mal eher unter. Grund war auch nicht das regnerische Wetter, sondern das üppig erhöhte Preisgeld - und zwar gleich um das Fünffache. Denn wie die Veranstalter am Dienstag mitteilten, soll der Tournee-Triumphator heuer 100.000 Franken, umgerechnet 96.000 Euro, kassieren.

Die Reaktion der Protagonisten des Skisprung-Spektakels fiel zustimmend, wenn auch ambivalent aus. "Warum so spät?", meinte etwa Titelverteidiger Kamil Stoch - und das mit gutem Grund. Der Pole hat den Klassiker immerhin bereits drei Mal gewonnen und damit aufsummiert weniger kassiert als sein kommender Nachfolger. Die Anhebung findet er dennoch richtig: "Es ist gut, wenn es höher ist, weil es ist eine Belohnung für unsere harte Arbeit." Ähnlich argumentierte Teamkollege Dawid Kubacki: "Das Preisgeld sollte eigentlich schon lange höher sein."

Die Aufstockung mehr als nur gerechtfertigt findet auch der Titelverteidiger im Gesamtweltcup. "In den vergangenen Jahren hat man mehr für den Sieg in Willingen als bei der Tournee bekommen", sagte der Norweger Halvor Egner Granerud. Im Vergleich zu den Alpinen erscheint selbst das sechsstellige Preisgeld wie Peanuts. Für die drei Kitzbühelrennen steht eine Million Euro bereit, für die Tournee mit 383.000 Euro gut ein Drittel davon.

Anwärter auf die 100.000-Franken-Prämie sind unter anderem die Österreicher, die zum Auftakt der Vierschanzentournee an die Stätte ihrer heuer wertvollsten Erfolge zurückkehren. Zwar gelangen im Dezember nach 21-monatiger Pause die Comeback-Siege im Weltcup, doch in Oberstdorf hatten Stefan Kraft und Co. im Februar und März einen vollen WM-Medaillensatz abgeräumt. Der Salzburger fuhr mit guten Gedanken dorthin zurück, wo er sich Gold von der Großschanze, Silber mit dem Männer- und Bronze - mit dem Mixed-Team geholt hatte.

Unsicherheitsfaktor Regen

Bevor es am Dienstag in die Qualifikation ging, brachte sich Kraft speziell mit seinem Gold-Coup nochmals so richtig in Stimmung. "Bevor wir auf die Schanze fahren, werde ich mir das auf Youtube noch einmal anschauen", verriet der 28-Jährige im Vorfeld. "Das tu ich eigentlich immer ganz gerne - meine weitesten Sprünge ansehen zur Einstimmung. Die Emotionen von damals sind noch präsent."

Nicht ganz so positiv stimmten den Skiflug-Weltrekordler hingegen die Wetterprognosen für den Wettkampf am Mittwochnachmittag (16.30 Uhr/ORF1). Bei einigen Plusgraden gibt es eine hohe Regenwahrscheinlichkeit. "Ich bin jetzt nicht der Regenspezialist, wenn die Spur ein bisserl stoppt und nicht ganz so wegzieht", erzählte Kraft. Zuletzt im zweiten Bewerb von Klingenthal habe er ein ähnliches Problem gehabt, womöglich für die Tournee aber doch daraus gelernt.

Lockerer geht wiederum Krafts Zimmerkollege Daniel Huber mit der Thematik um. Der 28-Jährige mag solche Bedingungen: "Es ist wie ‚Wir ziehen in die Schlacht‘. Wenn es die anderen vielleicht irgendwie schon anzipft, dann noch einmal das Schäuferl drauflegen und noch motivierter sein." Keine Extra-Motivation benötigt hingegen Österreichs zweiter Saisonsieger, Jan Hörl. "Das war eine Bestätigung, dass der Weg stimmt. Es war sehr emotional, ganz oben zu stehen", sagte er. Für die Tournee genannt sind Philipp Aschenwald, Manuel Fettner, Daniel Tschofenig und Ulrich Wohlgenannt. Michael Hayböck steigt in Innsbruck wieder ins Weltcup-Geschehen ein.

Zu den Favoriten auf das große Geld zählt jedenfalls der Weltcupführende Karl Geiger, Oberstdorf-Sieger 2020/21 und Tournee-Gesamtzweiter. Er fühle sich dem Druck, der auf ihm laste, gewachsen, meinte der Deutsche. Geigers Hauptrivalen sind unter anderem Tournee-Titelverteidiger Stoch sowie Kraft. Der ÖSV-Überflieger findet die Preisgeld-Erhöhung im Übrigen ebenfalls - wenig überraschend - "cool".