Beim mannschaftlich starken Abschneiden von Österreichs Skispringern am Mittwoch im ersten zweier Bischofshofen-Bewerbe im Rahmen der 70. Vierschanzentournee ist der eigentliche ÖSV-Saison-Aufsteiger mehr als nur am Rand gestanden. Daniel Tschofenig hatte als einziger der rot-weiß-roten Stamm-Sieben die Qualifikation für Durchgang zwei verpasst und nur Rang 40 belegt. Dabei war es für den nun 19-Jährigen seit seinem Weltcup-Debüt exakt ein Jahr davor rasant bergauf gegangen.

Bloß zweieinhalb Wochen vor Bischofshofen 2021 hatte Tschofenig seine Premiere im zweitklassigen Continental Cup gegeben, davor hatte er sich im FIS Cup und Alpen Cup verdingt. Und das mit überschaubarem Erfolg, erst eine Woche vor seinem Einstieg in den Continental Cup reichte es zu seinem ersten Top-5-Rang. Am vorjährigen Dreikönigstag schließlich rutschte der Hohenthurner als fünfter Lucky Loser gerade noch in Durchgang zwei und holte auf Anhieb seinen ersten Weltcup-Punkt.

Im Februar wurde der Athlet des SV Achomitz in Lahti Junioren-WM-Vierter im Einzel, mit dem ÖSV-Team holte er da Gold. Unmittelbar danach schnupperte Tschofenig in Abwesenheit des ÖSV-WM-Teams in Rasnov/Rumänien zum letzten Mal vor der aktuellen Saison Weltcup-Luft. Rang neun im Einzel als zweitbester Österreicher sowie Platz drei im Mixed-Team-Bewerb waren erste Empfehlungen, um zum Beginn des Olympia-Winters im Weltcup-Team zu stehen.

Richtig ausschlaggebend für seine erste volle Weltcup-Saison sei das aber nicht gewesen, meint er. "Das war mehr die Summe aus meinem Continental-Cup-Sieg im Sommer in Bischofshofen und den österreichischen Meisterschaften." Rechtzeitig vor der Tournee klappte es dann in der Woche vor Weihnachten in Engelberg als 17. und Zehnter mit seinen ersten Top-20-Plätzen des Olympia-Winters, in Oberstdorf und zu Neujahr in Garmisch-Partenkirchen folgten die Platzierungen 21 und 18.

Olympia-Chance bleibt

Trotz des Rückschlags vom Mittwoch nach einer Niederlage im K.o.-Duell mit seinem Teamkollegen Daniel Huber hat Tschofenig weiter eine reelle Chance, noch 19-jährig seine ersten Olympischen Spiele zu bestreiten. Fünf Aktive wird Chefcoach Andreas Widhölzl in rund zwei Wochen nominieren, wobei neben Jan Hörl und Stefan Kraft wohl auch Huber gute Karten hat. Als Rückschlag wollte Tschofenig Rang 40 jedenfalls nicht sehen: "Die Sprünge waren nicht weit weg von dem, was ich kann."

Der Youngster ist für sein Alter gut durchorganisiert, sein Bruder macht Management wie Homepage. Er selbst kann sich so auf das Sportliche konzentrieren. "Ich habe für mich das Ziel, dass ich viel lernen kann", hatte Tschofenig vor dem Tournee-Start formuliert. Konstanz in seinen Sprüngen sei ihm wichtig. Darüber kann er im Familienkreis weniger fachsimpeln, zumindest ist er punkto Skispringen erblich unvorbelastet. Tschofenig selbst hat bis zum Alter von zwölf Jahren vereinsmäßig Fußball gespielt.

ÖSV-Chefcoach Andreas Widhölzl setzt auf den Neuzugang im Weltcup-Team: "Ich bin irrsinnig zufrieden mit Daniel. Er hat sich da festgebissen, er war immer stabil in den Wettkämpfen dabei. Daniel ist einer mit sehr viel Talent und für die Zukunft eines unserer heißen Eisen." Seine Leistungen seien wie das Mittwoch-Abschneiden hinsichtlich der Nominierung des Olympiateams förderlich. Widhölzl: "Es macht es interessant. Es wird ein heißes Rennen. Das ist ein Booster, dass sie noch mehr Gas geben." (apa)