Es geht doch nichts über Eis, Schnee und eine ordentlich präparierte Piste. Das werden sich nicht wenige ÖSV-Profis gedacht haben, als sie am Freitag in Adelboden wieder das vertraute Knirschen des harten Schnees vernehmen und die kühle Winterluft der Schweizer Alpen in ihre Lungen pumpen durften. Zagreb mag ja für sich eine schöne Stadt sein, nur war das, was da bei den jüngsten (abgesagten) Slaloms am Sljeme als Piste daherkam, eigentlich eine Zumutung. Umso größer war daher wohl auch die Freude über die Rückkehr auf den Chuenisbärgli - Schauplatz des Riesentorlaufklassikers der Weltcup-Saison am Samstag. Der dazugehörige Slalom steigt am Sonntag (beide 10.30/13.30 Uhr/ORF1).

Aber auch abseits aller Legendenbildungen rund um die "Alp" hat der Riesentorlauf heuer Spannung zu bieten: Es ist immerhin das letzte Rennen in dieser Disziplin vor den Olympischen Winterspielen in Peking. Als einziger Österreicher hat sich hier bisher Manuel Feller einen fixen Startplatz bei diesem Großereignis verdient. Für die übrigen Techniker geht es um die Wurst, das heißt, um eines der begehrten Olympia-Tickets ins Reich der Mitte. Feller, der eigentlich bereits vor einem Jahr damit geliebäugelt hatte, den Riesentorlauf ganz bleiben zu lassen, ist in dieser Wintersaison der konstanteste ÖSV-Vertreter in dem oft als Kerndisziplin titulierten Bewerb. In Val d’Isere und Alta Badia gelang dem Tiroler zweimal hintereinander als Dritter der Sprung aufs Stockerl. Einen Platz auf dem Treppchen hatte sich zum Saisonauftakt in Sölden auch schon Roland Leitinger gesichert und wurde gar Zweiter. Nur einmal, beim zweiten Rennen in Alta Badia, fuhr kein Österreicher in die Top drei. (Feller wurde Fünfter.)

Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher ist mit der Leistung jedenfalls zufrieden, zumal er für Olympia aus dem Vollen schöpfen kann. "Man hat im Herbst bereits gesehen, dass Feller gut Ski fährt. Überraschend war ein bisserl Leitinger in Sölden. Mit dem zweiten Platz hätte ich bei Gott nie gerechnet. Ab und zu läuft es ein bisserl für uns." Um die Bestätigung von punktuell guten Leistungen geht es wiederum für Patrick Feurstein (Vierter Alta Badia I) und Stefan Brennsteiner (Siebenter Alta Badia II). Letztgenannter war in Sölden gestürzt, hat zudem die Plätze 15 und 10 erreicht. Einiges an Potenzial erkennt Puelacher vor allem bei Feurstein, gleichwohl er in der Vorsaison wegen einer Nervenentzündung keine Rennen bestreiten konnte. "Der war schon mit 16 Jahren hervorragend", lobte der Manager.

Schritt für Schritt voran geht es für Marco Schwarz nach seiner Sprunggelenksverletzung. Im Riesentorlauf kam der Kärntner bisher nicht über die Ränge 13 (Sölden), 18 und 19 (beide Alta Badia) hinaus. Als WM-Bronze-Gewinner von Cortina 2021 sowie als Weltmeister in der Kombination hat Schwarz aber nichtsdestotrotz gute Karten im Olympia-Poker. Nicht an den Start gehen wird Raphael Haaser. Er hat am Freitag einen positiven Corona-Test abgegeben.

Viel Schnee bei 3G

Bisheriger Dominator im Riesentorlauf war ganz klar der Schweizer Marco Odermatt. Der 24-Jährige sorgt seit Wochen für Vorfreude auf ein zünftiges Ski-Fest im Berner Oberland, zumal Zuschauer - anders als vor einem Jahr - erlaubt sind. Die 3G-Regel und andere Schutzmaßnahmen machen es möglich. Viel mehr Sorgen als das Virus bereitet den Veranstaltern aktuell der Blick in den Himmel. Setzte um den Jahreswechsel noch ungewöhnlich warmes Wetter der Piste zu, so ist jetzt für das Wochenende haufenweise Schnee angesagt. Es geht also nichts über Eis und Schnee? Nun, man kann nicht alles haben.(rel/apa)