Die Skigebiete Flachau und Schladming trennen Luftlinie nicht einmal 30 Kilometer. Und dennoch trennen die beiden Orte dies- und jenseits der Landesgrenze von Salzburg und Steiermark aktuell Welten - pandemisch zumindest. Während der Pongau unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 8.000 ächzte, ist im angrenzenden Ennstal vom Virus (noch) nicht so viel zu bemerken. Umso erfreuter griff daher auch der internationale Skiverband FIS zu, als er in der Vorwoche das Angebot der Schladminger erhielt, den wegen Covid abgesagten Ski-Weltcup der Damen auf der Planai auszurichten. Ohne Fans versteht sich. Schließlich ist das Risiko wegen der tausenden Helfer, welche die Piste im Vorfeld Weltcup-fit machten, ohnehin schon groß genug.

Obwohl die Corona-Gefahr real bleibt, dürfen sich die Steier dennoch freuen, beschert ihnen doch das Österreich-Gastspiel der Frauen in dieser Woche einen Nachtslalom in Schladming sowie zwei Speedrennen in Zauchensee. Der Flutlichtslalom am Dienstag (18 und 20.45 Uhr/ORF1) verspricht Spektakuläres, fahren die Frauen nach der Absage in Flachau doch erstmals auf dem steilen und bisher lediglich den Männern vorbehaltenen Planai-Zielhang.

Hinzu kommt: Der Slalom gilt auch als Olympia-Generalprobe für Peking, darüber hinaus kann Petra Vlhova in der Disziplinenwertung den Sack zu machen. Die Slowakin hat fünf der sechs bisherigen Slaloms gewonnen und ist beim einzigen Sieg von Mikaela Shiffrin (USA) Zweite geworden, was 240 Punkte Vorsprung auf die am Sonntag in Kranjska Gora ausgeschiedene US-Athletin bedeutet. Liegt Vlhova auch nach Schladming derart klar voraus, ist ihr die Kugel vorzeitig sicher. Nur noch zwei weitere Rennen stehen nach Olympia auf dem Programm.

Erstmals kämpfen die Ski-Frauen also am Dienstag auf der klassischen Planai-Hauptpiste, auf der sonst das traditionelle Nightrace der Herren vor rund 50.000 Fans über die Bühne geht, um Weltcuppunkte. Hofft man für das Herrenrennen am 25. Jänner auf tausend Fans, geht der Damenslalom nach einer entsprechenden ÖSV-Corona-Maßnahme ohne Publikum in Szene. "Es wird bei uns ziemlich ruhig werden", meinte Katharina Truppe, die allerdings wegen eines positiven Corona-Tests das Rennen auslassen muss. "Aber das sind wir mittlerweile gewöhnt."

"Es wird ein Spektakel"

Die Vorfreude auf die Herausforderung Planai ist dennoch riesig. Fuhren vor einem Jahr die Slalommänner wegen Covid auf der Flachauer Märchenwiese (Sieger Manuel Feller) statt in Kitzbühel, haben nun die Frauen den bis zu 52 Prozent steilen Hang in Schladming zu bewältigen. Für das Rennen am Dienstag wird die Strecke zwar verkürzt, ihr durch Pisten-Präparation und Kurssetzung etwas die Zähne gezogen, eine Herausforderung ist sie aber allemal.

Einen Vergleich auf der Planai hat bisher nur Marlies Raich (ehemals Schild) gewagt, die 2012 als Vorläuferin des Männerrennens eine sehr gute Figur machte. Shiffrin, die 2013 auf der benachbarten Streicherpiste Weltmeisterin geworden ist - Michaela Kirchgasser holte Silber -, wünscht sich ja schon seit langem einen direkten Vergleich mit den Männern. Und zwar am liebsten auf der Planai. Derzeit muss sich die an Siegen (46) erfolgreichste Slalomfahrerin aber vor allem an Vlhova messen.

Österreichs Slalom-Katharinas wiederum reisten mit einem siebenten (Truppe), achten (Gallhuber) und elften (Huber) Platz aus Kransjka Gora und damit einer etwas zwiespältigen Bilanz ins steirische Ennstal. Auch, weil Österreichs Aushängeschild Katharina Liensberger in Slowenien zweimal ohne Punkte blieb. Aber nur Minuten nach ihrem Einfädler stellte die Vorarlbergerin damals die Vorfreude auf das Heimrennen in den Vordergrund. "Schladming wird sicher ein Highlight werden. Nachtrennen mag ich sehr gern", beteuerte Liensberger.

Die Planai kenne sie bisher nur "von unten, als Zuschauerin. "Drauf gefahren bin ich aber noch nicht." Sie wird es bei perfekten Verhältnisse tun können. Man werde dank gefinkelter Pistenpräparation eine harte, aber griffige und nach den zuletzt eher schwierigen Rennen gelobte Rennstrecke aufbieten, versprach der Chef des Organisationskomitees, Hans Grogl. Bleibt nur zu hoffen, dass das Virus im Pongau bleibt. (rel/apa)