Eine Ski-Elf gibt es im Sport-Jargon normalerweise nicht - doch bei den bevorstehenden Olympischen Winterspielen in Peking (4. bis 20. Februar) ist dies anders. Denn Österreich darf genau zwei Fußballmannschaften an Skifahrern entsenden - gemäß der neuen Geschlechterparität exakt elf Frauen und elf Herren. Die alte Regelung, dass eine Nation changieren darf und der ÖSV etwa mehr Abfahrer mitnehmen kann, weil im Damen-Team ohnedies mehr Allrounderinnen vertreten sind, spielt es nun nicht mehr. Entsprechend knifflig ist die Sache für die Funktionäre, die wohl oder übel zum Vierjahreshöhepunkt dem einen oder anderen Fahrer eine unangenehme Nachricht mitteilen werden müssen.

Allerdings gibt es kommendes Wochenende (Kitzbühel und Cortina) für (fast) alle noch die Chance, sich zu empfehlen.

Slalom: Das gilt insbesondere für Michael Matt, der bekanntlich aus Pyeongchang eine Bronzemedaille zu verteidigen hat. Am Sonntag gab es mit Rang 11 in Wengen - beim Weltrekordsieg des Norwegers Lucas Braathen, der als 29. des ersten Durchgangs noch zum Sieg stürmte - ein kleines Lebenszeichen. Matt müsste am Sonntag am Ganslern aber wohl Richtung Stockerl fahren, um das designierte Quartett aus Manuel Feller, Johannes Strolz, Marco Schwarz und Fabio Gstrein (Vierter in Wengen) zu sprengen.

Bei den ÖSV-Damen dürfte indes ein vierter Rang beim letzten Slalom vor den Spielen zu wenig gewesen sein - für Chiara Mair nämlich. Passiert nichts Unvorhergesehenes mehr, bleibt das Schladming-Ergebnis ein positiver Ausreißer, der aber nicht zur China-Reise berechtigt. Die Slalom-Equipe dürfte nämlich aus den vier "Katharinas" bestehen: Liensberger, Truppe, Gallhuber und Huber. Letztere hat nämlich gegenüber Mair den Vorteil, in mehreren Disziplinen starten zu können (Kombination, Teambewerb, Riesentorlauf) - auch aufgrund des Damoklesschwerts positiver Covid-Tests kein Nachteil.

Riesentorlauf: Ein Puzzlespiel wird auch die Zusammensetzung des Herren-Riesentorlauf-Teams - unter Berücksichtigung von Kombination und des Teamevents. Das Positive formulierte Herren-Chef Andreas Puelacher aber vorweg: "Bei fünf Riesentorläufen waren wir vier Mal am Podium. Wir gehören also zu den Mitfavoriten um Medaillen." Feller ist als ÖSV-Bester klar gesetzt; von den Ergebnissen her haben sich auch Patrick Feurstein (Vierter in Alta Badia) und Stefan Brennsteiner, der heuer die Ränge 7, 10 und 15 zu Buche stehen hat, qualifiziert. Der Vierte im Bunde wäre dann Schwarz, der in Peking sicher mit dabei sein wird und vor einem Jahr WM-Bronze geholt hatte.

Dasselbe gelang bei den Frauen bekanntlich auch Liensberger, die wie Stephanie Brunner, Allrounderin Ramona Siebenhofer und Truppe in den Olympia-Riesentorlauf gehen dürfte.

Abfahrt: In der Königsdisziplin ist auf der Streif für alle noch alles möglich: Während Lauberhorn-Triumphator Vincent Kriechmayr, Matthias Mayer, Werner Franz und Daniel Hemetsberger von den Weltcup-Ergebnissen her die Abfahrts-Equipe bilden würden, haben insbesondere Otmar Striedinger und Daniel Danklmaier in Kitzbühel noch alle Chancen, den Last-Minute-Flug zu buchen. Die beiden Letztgenannten haben ja 2019 mit den Plätzen drei und fünf schon bewiesen, dass ihnen die härteste Abfahrt der Welt ganz gut liegt. Diesmal gibt es sogar zwei Chanchen - mit der Hahnenkamm-Doppelabfahrt am Freitag und Samstag.

Rädler löst Peking-Ticket

Auch in Cortina wartet auf die Abfahrerinnen am Wochenende ein letzter Härtetest. Nach Rang drei in Zauchensee führt an Siebenhofer kein Weg mehr im Damen-Speed-Team vorbei; auch Mirjam Puchner, Christine Scheyer, Tamara Tippler und Cornelia Hütter haben prinzipiell ihre Berechtigungen für Olympia erworben. Wer dann mit der neuen, unbekannten Strecke in Xiaohaituo am besten zurechtkommt, wird wohl am Start stehen. Auch Ariane Rädler, die mit ihrem sensationellen dritten Super-G-Rang in Zauchensee das Ticket gelöst hat, kann eine Option für die Königsdisziplin sein. Für die schwer verletzt gewesenen Nina Ortlieb und Nicole Schmidhofer kommt Olympia 2022 indes definitiv zu früh.

Super G: Außer Gold-Titelverteidiger Mayer sind Kriechmayr und Franz die Fixstarter - und auch am Bormio-Zweiten Raphael Haaser führt normalerweise kein Weg vorbei. Da diesmal in Kitzbühel kein Super G gefahren wird, kann sich auch keiner mehr empfehlen. Die verbliebenen ÖSV-Frauen haben am Sonntag auf der Tofana noch eine allerletzte Chance, das breit gefächerte rot-weiß-rote Speed-Team zu ergänzen.

Damit wären dann die Herren- und Damen-Elf komplett - und kein Spielraum mehr für taktische Nominierungen für das Parallel-Format im Team respektive die Kombination. So wäre etwa kein Platz für Dominik Raschner, der als Sensations-Zweiter von Lech/Zürs im Parallelbewerb aufgezeigt hatte; der Sieger dieses Rennes Anfang des Winters, Christian Hirschbühl, wurde durch seinen Knöchelbruch im Wengen-Slalom schon brutal aus dem Rennen genommen. So schlimm es klingt - aber damit wurde die Qual der Wahl für die Betreuer etwas leichter.