China mag das Land des Lächelns sein, nur häufig Gelegenheit, ihr breites Grinsen dort öffentlich zu zeigen, wird Cornelia Hütter ob Maskenpflicht wohl nicht erhalten. Dabei läuft es für die 29-Jährige gerade sehr gut. Rechtzeitig vor den Winterspielen in Peking hat Hütter am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen den Weg zurück aufs Stockerl gefunden. Zwar fehlten bei den Rennen in Bayern einige Topläuferinnen, doch das schmälerte den Ex-aequo-Sieg der Steirerin mit Federica Brignone (Ita) im Super G sowie einen dritten Rang in der Abfahrt keineswegs. Mit ihrem ersten Saisonsieg in der Tasche und einem breiten Lächeln darf sie mit dem ÖSV-Team nun die Reise ins Reich der Mitte antreten.

Dementsprechend gelöst wirkte Hütter. Es sei ihr nach entbehrungsreichen Jahren endlich gelungen, meinte sie, das Beste aus der "alten Risiko-Conny" und der "neuen Technik-Conny" herauszuholen. Mit dieser Mischung könnte es auch in Peking zu einer starken Platzierung in den Speed-Disziplinen reichen. "Die Form für Olympia stimmt, das Skifahren ist gut. Aber es weiß keiner, was uns erwartet, vom Schnee her, von der Piste. Jeder fängt mit null an", erklärte die Athletin. Entscheidend sei in China zum einen das richtige Set-up und zum anderen, dass sie sich aufs Wesentliche konzentriere, sagte Hütter. "Man darf sich nicht von den Nebengeräuschen irre machen lassen, sondern voller Fokus aufs Skifahren und Vollgas Rennen fahren."

Selbstbewusstsein für Olympia getankt hat in Garmisch nicht nur Hütter, auch die Dritte im Super G, Tamara Tippler, unterstrich mit ihrem zweiten Stockerlplatz binnen einer Woche, dass mit ihr zu rechnen ist. Für Ramona Siebenhofer (Abfahrts-17.) war der kurzfristige Ausflug nach Bayern keine Reise wert, wie sie zugab: "Es ist kein gutes Gefühl jetzt, so wegzufahren." Dennoch ist das Visier der ÖSV-Speed-Damen voll auf die Winterspiele gerichtet. Die Rolle der Einpeitscherin scheint Hütter übernommen zu haben. "Wir wollen natürlich um Medaillen mitkämpfen. Wir fliegen nicht dorthin, um 20. zu werden. Das interessiert überhaupt niemanden", erklärte sie. "Aber natürlich, schön am Boden bleiben und einen kühlen Kopf bewahren."

Zunächst gilt es aber, die noch chinesischen Einreise- und Corona-Kontrollen zu überstehen. Wie schnell durch ein positives Testergebnis der Traum von Olympia gefährdet sein kann, davon weiß Österreichs Skispringer-Star Marita Kramer ein Lied zu singen. Sie hat zuletzt in Willingen ein positives Testergebnis abgegeben und muss noch bangen. Ihr Platz im Flieger nach Peking am Dienstag blieb vorerst reserviert.

Pisten in China als Neuland

Dass selbst in der Olympia-Blase ein Restrisiko besteht, dessen ist man sich nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Herren bewusst. Dennoch ist ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher zuversichtlich, dass er alle fünf Einzelrennen sowie den Teambewerb voll besetzen wird können. Dafür war die Zahl der heimischen Teilnehmer erst im letzten Moment auf die Maximalquote von elf Aktiven erhöht worden. Wie sich die Pisten in China präsentieren werden, ist noch die große Unbekannte. "Wir sind vorbereitet, aber natürlich betreten wir alle miteinander Neuland, nicht nur Österreich. Es wird wichtig sein, so schnell wie möglich die Schneebedingungen in den Griff zu kriegen", sagte der Cheftrainer. Davon abhängen wird daher auch ein etwaiger Medaillengewinn. Mit einem breiten Grinsen inklusive.(rel/apa)