Kjetil Jansrud verabschiedet sich am Samstag in der Weltcup-Abfahrt in Kvitfjell (11.30 Uhr) in die sportliche Pension. Der norwegische Skirennläufer, Super-G-Olympiasieger 2014, Abfahrts-Weltmeister 2019 und Gewinner von 23 Weltcuprennen und vier Kristallkugeln, sieht die Zeit zum Aufhören gekommen und wird vor allem seine Teamkollegen vermissen. Um Aleksander Aamodt Kilde, der nun im Speedbereich für Norwegen zum Einzelkämpfer wird, macht er sich aber keine Sorgen. Am Freitag landete Jansrud in der ersten von zwei Abfahrten in Kvitfjell an der 45. Stelle, es war erst sein zweites Rennen seit dem Sturz im Super-G in Beaver Creek am 3. Dezember.

Kilde indessen ist voll im Kugelkampf - in der Abfahrtswertung führt er nach neun von elf Bewerben drei Punkte vor Beat Feuz und 28 vor Matthias Mayer. Der Österreicher musste sich am Freitag in der ersten Abfahrt nur den beiden Ex-aequo-Sensationssiegern Cameron Alexander aus Kanada und Niels Hintermann aus der Schweiz geschlagen geben und meinte danach: "Es ist eine sehr, sehr enge Partie. Morgen brauche ich noch einmal eine gute Attacke da runter. Und wenn es dann in Frankreich um die Kugel geht, auf einer Strecke, die wir alle nicht kennen, wird das sicherlich sehr spannend."

Start in ein neues Leben

Bei Kilde war nach den Verletzungen am Kreuzband und an den inneren Seitenbändern im Knie eigentlich von sechs bis neun Monaten Pause die Rede gewesen, doch überraschend meldete sich der 36-Jährigen fit für ein Antreten bei den Olympischen Spielen in China. Dort verzichtete er allerdings auf die Abfahrt und wurde im Super-G 23. Daheim in Norwegen zieht er nun den Schlussstrich.

Von einer Verletzung zurückzukommen, koste viel, und man habe keine Garantie, erklärte Jansrud. Bei den letzten Abfahrten nun in Kvitfjell merke er aber, wie viel ihm seine "Lieblingssache" immer noch Spaß mache, wie groß die Freude am Skifahren sei.

Die Entscheidung sei dennoch leicht gewesen, er blicke auf eine erfolgreiche Karriere zurück und sei froh, dass er nicht viele große Stürze gehabt habe. Er freue sich nun auf die Zeit mit der Familie, es fange ein anderes Leben an. Was er bedauere, sei, nicht mehr mit dem Team rund um die Welt zu reisen, gemeinsam zu essen und Zeit zu verbringen. Medaillen, Kugeln, der Kitzbühel-Sieg würden viel wert sein. Aber: "Es sind die kleinen Momente mit der Mannschaft, das sind die richtigen Highlights, das ist das Schönste von allem. Die Kleinigkeiten sind größer, als man denkt, auch wenn man dann mit einer oder zwei Goldenen dasteht."

Kilde hatte schon traurig kundgetan, wie er den Wegbegleiter vermissen werde, denn in der ohnehin kleinen Mannschaft fehlt es ihm nun an starken Kollegen. "Das passiert einem norwegischen Skifahrer immer einmal, es kommen ein, zwei Jahre, in denen man mehr oder weniger alleine kämpfen muss. Er wird das gut schaffen", gab Jansrud seinem Freund Kilde mit auf den Weg.