Bei Olympia noch schwer geschlagen und im Slalom nur undankbarer Vierter - doch mit seinem Doppelsieg in Garmisch-Partenkirchen hat Henrik Kristoffersen eine bisher verrückte Torlauf-Saison urplötzlich auf den Kopf gestellt. Der Norweger hat sich als einziger Zweifachsieger in diesem Winter an die Spitze der Slalomwertung katapultiert und kann daher rein theoretisch schon heute beim Flutlichtrennen in Flachau (17.45/ 20.45 Uhr) den Sack für das kleine Kristall zumachen. Gelingt ihm dies nicht, bleibt die Disziplinenwertung wohl heiß umfehdet wie selten zuvor. Zwei Rennen vor Saisonschluss - das Finale geht am 20. März in Courchevel über die Bühne - trennen Kristoffersen und seinen weltmeisterlichen Landsmann und Teamkollegen Sebastian Foss-Solevaag als Achten in der Zwischenwertung gerade einmal 136 Punkte. Alles ist für (fast) alle also noch drinnen - das gilt auch für Flachau-Vorjahressieger (Stichwort "Märchenwiese") Manuel Feller, dem als Fünften 95 Zähler fehlen.

Für ÖSV-Gruppentrainer Marko Pfeifer, der als heißer Tipp auf die Nachfolge des scheidenden Herren-Chefcoaches Andreas Puelacher gilt, könnte das Nachtragsrennen für den Abbruch-Slalom von Zagreb sogar zu einem Schlüsselrennen werden. "Als ich noch in Schweden Techniktrainer war, waren wir mit Andre Myhrer am Finaltag gegen Marcel Hirscher und Ivica Kostelic mit 80 und 60 Punkten hinten und haben doch noch die Kugel geholt", erinnert Pfeifer. "Für mich ist es nämlich immer erst aus, wenn es aus ist. Gerade im Slalom kann immer viel passieren, auch Henrik kann ausscheiden."

Tatsächlich wäre es in dieser außergewöhnlichen Slalomsaison mit 7 verschiedenen Siegern in 8 Rennen und 15 verschiedenen Fahrern auf dem Stockerl ungewöhnlich, würde der Endspurt zum norwegischen Solo werden. Der Wahl-Salzburger Kristoffersen mag zwar mit sechs Slalomerfolgen in der Alpenrepublik ein Österreich-Spezialist sein, dennoch hat er heuer schon oft bewiesen, dass er mit gewissen Pistenstrukturen so seine Setup-Probleme hat. Sein Vorsprung auf die Verfolger - Lucas Braathen (49 Punkte), Linus Straßer (78), Dave Ryding (94) und eben Feller (95) - könnte daher täuschen.

"Übergänge müssen passen"

Mit einem Sieg-Dacapo auf der Hermann-Maier-Strecke würde Feller jedenfalls wieder voll mitmischen. "Es wird nicht einfach. Aber Manu hat nichts zu verlieren, braucht nicht großartig zu taktieren und kann sicher befreiter fahren als in Garmisch", schätzt Pfeifer. Zugute kommt dem Tiroler sein Gespür für die Übergänge, das auf der mit zahlreichen Wellen versehenen Strecke wahrlich kein Nachteil ist. "Diese Wellen machen den Hang absolut anspruchsvoll, die Übergänge müssen perfekt passen", weiß der Slalom-Coach.

Für einen Ski-Evergreen heißt es indes am Mittwoch Abschied nehmen: Der 39-jährige Südtiroler Manfred Mölgg beendet in Flachau seine Karriere - nach 19Weltcup-Jahren, drei Slalomsiegen und ebensovielen WM-Medaillen.(may)