Die Slalomsaison der Männer ist auch beim vorletzten Akt ihren verrückten Gesetzen treu geblieben. Mit dem Norweger Atle Lie McGrath gab es in Flachau im neunten Rennen den achten unterschiedlichen Sieger - und der Fluch der gescheiterten Halbzeitführenden ereilte diesmal Johannes Strolz. Dass trotz klarem Vorsprung des österreichischen Olympia-Helden nicht mal ein Stockerlplatz für den ÖSV herausschaute, war der Wermutstropfen einer stimmungsvollen Nacht mit mehr als 10.000 Zuschauern.

"Ein Traum! Es ist das Allerschönste, wenn man als Österreicher vor so einem Publikum fahren darf", so Strolz, der rasch Trost für seinen verpassten Sieg fand. "Es gibt nichts Geileres. Das sind genau die Momente, von denen man jahrelang träumt und um die man kämpft", meinte der Vorarlberger, dem ein Fehler bei einem Übergang Sieg und Stockerlrang kostete. "Ich habe natürlich gehofft, dass es trotzdem reicht. Aber das hat man in dieser Saison schon öfter gesehen. Mit einem nicht perfekten Lauf kriegst du sofort eine auf den Deckel." Marco Schwarz war indes über seinen zweiten fünften Platz in Folge (fast) restlos zufrieden. "Fünf Hundertstel auf das Podium sind natürlich ärgerlich. Im Mittelteil hätte ich noch Reserven gehabt, da bin ich zu viel Kurven gefahren", analysierte der Kärntner, der zu Saisonende immer besser in Fahrt kommt.

Manuel Feller litt nach Platz sechs vor allem mit den Fans. "Der Platz ist für mich okay. Aber schade für das Publikum, das seit Langem wieder feiern kann, und dann bringt es keiner von uns hundertprozentig auf den Punkt", bedauerte der Tiroler.

Zumindest wurde die Entscheidung im Slalom-Weltcup auf das Finale vertagt, nachdem Wertungs-Leader Henrik Kristoffersen in Flachau über Platz 16 nach einem Patzer im ersten Lauf nicht hinauskam. Allerdings konnte die Konkurrenz nicht entscheidend aufholen. Feller konnte seinen Rückstand lediglich von 95 auf 70 Punkte verringern. "Schlussendlich bin ich jetzt ein noch größerer Außenseiter. Vorher war der Rückstand zwar größer, dafür ist es jetzt nur noch ein Rennen." Kristoffersen hat daher beim Finale in Courchevel die besten Chancen, seine dritte Slalomkugel (nach 2016 und 2020) einzufahren - ein vierter Rang reicht dafür schon, selbst wenn sein erster Verfolger Lucas Braathen gewinnen sollte. ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher glaubt dennoch an Fellers Chance: "Man weiß nie, was passiert. Für mich sind es gleich fünf, die noch um die Kugel kämpfen."(may/apa)