Neun Wochen lang hat im Riesentorlauf-Weltcup der Alpinskiläufer kein Rennen stattgefunden, seit Adelboden am 8. Jänner lediglich der olympische Riesentorlauf - und der ist auch schon wieder einen Monat her. Dieses Wochenende finden in Kranjska Gora aber gleich zwei Bewerbe in der alpinen Kerndisziplin statt (jeweils 9.30/12.30 Uhr), ehe am Samstag nächster Woche in Meribel der achte und letzte Saison-Riesenslalom gefahren wird. Die Spannung im Kampf um die kleine Kristallkugel in der Disziplinenwertung hält sich aber in Grenzen.

Denn Marco Odermatt hat nach bisher nur fünf Rennen in diesem Weltcup-Winter satte 219 Punkte Vorsprung auf den Tiroler Manuel Feller und acht weitere auf den Norweger Henrik Kristoffersen. Odermatt wurde im ersten Rennen von Alta Badia hinter Kristoffersen Zweiter, sonst hat er immer gewonnen - in Sölden, Val’d’Isere, Alta Badia II und Adelboden. Auch Olympia-Gold ließ sich der Schweizer bei widrigsten Bedingungen nicht entgehen, nun dürfte wohl schon in Slowenien die kleine Kugel an ihn gehen. Auch den Gesamtweltcup könnte der 24-Jährige beim Technikklassiker auf dem Podkoren nur unweit der Grenze zu Kärnten de facto schon einheimsen. Da der Norweger Aleksander Aamodt Kilde als erster Verfolger auf das Riesentorlauf-Doppel verzichtet, könnte der Rückstand des Norwegers von 189 Zählern auf Odermatt noch vor dem Weltcup-Finale in Courchevel/Meribel entscheidend anwachsen. Theoretisch wird es für den Eidgenossen wohl schon reichen, wenn er den Abstand auf mehr als 200 Punkte erhöht. Da Kilde beim Finale keinen Slalom fährt, würde ein Vorsprung von 300 Zähler jedenfalls fix reichen.

Mit einem derartigen Erfolgstriple - Gold, großes und kleines Kristall -wäre Odermatt auch endgültig in der Fahrspur von Marcel Hirscher unterwegs, der 2018 sogar eine Olympia-Goldene (Kombination) und eine kleine Kristallkugel (Slalom) mehr schaffte als der Nidwaldener. Und Hirscher war es einst auch - übrigens sehr zur Verärgerung von Odermatts Vater Walter, dem die geweckte Erwartungshaltung nicht schmeckte -, der eine derart große Karriere prophezeite: "Er kann Gesamtweltcupsieger werden, Olympiasieger und was alles möglich ist. Potenzial hat der für ganz vieles", meinte Hirscher 2019 in Adelboden, als Odermatt als Zehnter noch ein Stück von der Weltspitze entfernt war.

Die aktuelle ÖSV-Riesentorlauf-Equipe will nach der unglücklichen Olympia-Nullnummer nun wieder an die guten Weltcupresultate heuer anschließen. Laut Gruppentrainer Michael Pircher sei die lange Weltcuppause gut für Training und Weiterentwicklung genutzt worden. "Es ist jeder fit", sagte der Coach im APA-Gespräch. Dass Feller noch einmal Odermatt um das kleine Kristall angreifen könne, sei "nicht realistisch": Aber: "Solange etwas möglich ist, wird man alles daransetzen." Immerhin wartet der Tiroler noch auf seinen ersten Weltcuperfolg im Riesentorlauf.

Brennsteiner in Topform

Ganz stark schätzt Pircher nach den Trainingseindrücken Stefan Brennsteiner ein, dem offenbar das Team-Olympia-Gold enormen Auftrieb gegeben hat (nach seinem fatalen Ausfall im Riesentorlauf auf dem Weg zu Edelmetall): "Er ist in Form, er ist in Schuss. Er hat einen schnellen Schwung. Das hat er auch bei Olympia
gezeigt", so Pircher. "An dem konnte er im Training anknüpfen. Er ist sicher der, der im Training die Pace vorgibt. Wenn er das
im Rennen ummünzt, bin ich
sehr optimistisch, dass das für
irgendwo ganz vorne reichen kann."(may/apa)