Einmal geht’s noch. Einmal noch hoch - oder besser: weit - hinaus, dann ist auch der Skisprung-Winter vorbei. Mit zweiten Einzelbewerb am Sonntag (jeweils 10 Uhr) beim Skifliegen in Planica endet eine Saison, die es für den österreichischen Skiverband in sich hatte. So wie auch die beiden Bewerbe in Planica am Freitag und Samstag. 

Am Freitag kam im Einzelspringen kein rot-weiß-roter Vertreter aufs Stockerl, dafür gab es einen historischen Vierfach-Erfolg für Slowenien gebracht. Zigar Jelar holte seinen ersten Weltcupsieg vor Peter Prevc, Anze Lanisek und dem Skiflug-Weltcupführenden Timi Zajc.

Es war erst der zweite Vierfach-Sieg der Weltcup-Geschichte nach 1980, als Armin Kogler vor Hubert Neuper, Toni Innauer und Claus Tuchscherer dem ÖSV diesen Triumph beschert hatten. Stefan Kraft wurde als bester Österreicher Sechster, Manuel Fettner Zehnter. Die Entscheidung im Gesamtweltcup zwischen Leader Ryoyu Kobayashi und Verfolger Karl Geiger ist noch nicht gefallen, der Japaner baute seinen Vorsprung als Fünfter im Vergleich zum Deutschen aber weiter aus.

Platz drei im Teambewerb

Am Samstag belegte dann Österreichs Skiflug-Quartett Michael Hayböck, Daniel Tschofenig, Manuel Fettner und Stefan Kraft im vorletzten Bewerb der Olympia-Saison den dritten Rang. Der Sieg ging erneut klar an die favorisierten Slowenen, die tags zuvor auf die Plätze eins bis vier geflogen waren. Sie gewannen mit 24,2 Zählern Vorsprung auf Norwegen. Das ÖSV-Team wies bereits 56,9 Punkte Rückstand auf.

Im Kampf um den Nationencup behielt Österreich damit allerdings die Führung. Die auf der Flugschanze neuerlich sehr starken Gastgeber, die am Vortag einen Vierfachsieg gefeiert hatten, sind nun neuer Zweiter mit 194 Zählern Rückstand auf Rot-Weiß-Rot. Nicht nur die große Weltcup-Kristallkugel, die allerdings schon für den Japaner Ryoyu Kobayashi "reserviert" ist (89 Punkte Vorsprung auf Karl Geiger), auch der Nationencup wird erst am Sonntag vergeben.

Ein Spiegel der Saison

Für den ÖSV ist Planica ein bisschen ein Spiegel der Saison: nicht herausragend, aber auch nicht schlecht. Insgesamt stehen auf der Minusseite trotz versöhnlichem Abschluss die Vierschanzentournee, bei der Jan Hörl und Daniel Huber als beste ÖSV-Athleten nur die Plätze acht und neun belegten und der frühere Sieger Kraft einen Totalabsturz hinnehmen musste. Auf der Habenseite sind neben Team-Olympia-Gold sowie Bronze von der Normalschanze durch Manuel Fettner die Leistungssiegerungen Krafts mit Raw-Air-Triumph und Flug-WM-Bronze gegen Ende der Saison sowie die Premierenerfolge von Huber und Hörl zu nennen.

Kampf um Nationencup

In Planica kann der ÖSV zudem erstmals seit 2014 den Nationencup fixieren und Kraft noch die kleine Kristallkugel für die Flugwertung gewinnen - auch wenn er gegenüber Zajc nun weiter ins Hintertreffen geriet. "Übers ganze Jahr war es gut", sagte daher auch Cheftrainer Andreas Widhölzl vor dem Finale. Es war eine coole Saison mit Auf und Abs, aber das ist normal." Der Nationencup sei schon bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren ein großes Ziel gewesen. Lediglich bei der Tournee sei man "gestrauchelt", räumte der Trainer ein, der damit gleich einmal ein weiteres Ziel für die kommende Saison ins Auge fasst. "Die Reise geht weiter, es gibt noch viel zu tun."

Grobe Umbrüche sind nicht zu erwarten, auch Widhölzls Vertragsverlängerung dürfte nur eine Formsache sein. Kraft hat trotz schwieriger Phasen bewiesen, dass er jederzeit noch für Siege gut ist, in Huber und Hörl sind zwei weitere Stockerlkandidaten hinzugekommen. Für sie wird es darum gehen, das hohe Niveau auch über einen längeren Zeitraum zu halten.

Talent aus Wien

Nach oben zeigt auch der Weg von Daniel Tschofenig, der im Weltcup schon das eine oder andere Mal aufgezeigt hat, zur Belohnung in Planica dabei ist, im ersten Bewerb den respektablen 14. Platz belegte und wenige Tage nach dem Finale erst seinen 20. Geburtstag begeht. Und auch von den noch Jüngeren gab es zum Saisonkehraus erfreuliche Nachrichten: Österreich räumte bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen in Lahti Gold im Teambewerb sowie Silber im Mixed ab - mit dabei der 17-jährige Louis Obersteiner von den Wiener Stadtadlern, die heuer in sämtlichen Nachwuchskategorien erfolgreich waren.

Talent aus Wien: Louis Obersteiner. - © Aljaz Zepic
Talent aus Wien: Louis Obersteiner. - © Aljaz Zepic

Es war der bisher größte Erfolg für einen Springer aus der Bundeshauptstadt. Und auch für Obersteiner gilt: Künftig soll es noch höher - und weiter - hinaus gehen.(art)