Die Türklinke der ÖSV-Zentrale in Innsbruck glänzt seit einigen Wochen heller denn je. Kein Wunder, angesichts des regen Kommens und Gehens, das im heimischen Skiverband zu verzeichnen war und ist. Das vorläufige Schlusslicht auf der Liste derer, die dem ÖSV den Rücken kehrten, bildet Sportdirektor Anton Giger, der 33 Jahre lang in diversen Funktionen tätig gewesen war. Der Rückzug erfolgte überraschend. Er habe, meinte der Salzburger gegenüber der APA, in der Umbruchphase im Verband nachgedacht und sich gefragt, wie er sich in den kommenden Jahren sehe: "Warum nicht eine berufliche Veränderung?" Der Rücktritt sei ihm nicht leicht gefallen, aber er sei richtig, erklärte er.

Wie der ÖSV bestätigte, endet der Vertrag mit Giger bereits mit Ende April. Die Lücke, die der 59-Jährige hinterlässt, ist groß. Begonnen hatte Giger nach dem Mathematik- und Sport-Studium als Konditionstrainer der Europacup-Abfahrer. Aus dem eigentlich nur als Kurzzeit-Job angelegten Engagement wurden drei Jahrzehnte im Skiverband. "33 Jahre lang seinen Traumjob machen zu dürfen, in einem professionellen Sport-Umfeld wie dem ÖSV: Wie viele Menschen haben in ihrem Berufsleben dieses Glück?", so Giger.

In Gigers Ära als Herren-Rennsportleiter holten die ÖSV-Läufer sechs Olympiasiege, zwölf WM-Titel, sechs Gesamtweltcupsiege sowie 26 Disziplinen-Gesamtsiege. Über seine Pläne wollte sich Giger nicht konkret äußern. Ebenso offen ist die Nachfolge. "Wir werden uns mit Blick auf die kommenden Aufgaben, im Besonderen auch auf die Ski-WM 2025 in Saalbach, die notwendige Zeit nehmen, um eine gute Lösung zu finden", erklärte ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober. "Die Führungsstruktur ist so aufgesetzt, dass der Betrieb in der Übergangszeit reibungslos weiterläuft."

Gehen und gegangen werden

Dass sich der ÖSV seit dem Rückzug von Langzeit-Präsident Peter Schröcksnadel im Umbruch befindet, ist und war nie deutlicher als jetzt. Allein im vergangenen Monat musste der Skiverband einen regelrechten Exodus an Trainern hinnehmen. Gut in Erinnerung ist der Rückzug von Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher am 5. März, der bereits im Deutschen Skiverband einen neuen Arbeitgeber gefunden hat. Der 57-jährige Tiroler wird neuer Bundestrainer der DSV-Frauen. Puelachers Posten übernimmt Marko Pfeifer, der ebenfalls vakante Chefsessel bei den ÖSV-Damen hingegen ging nach dem Abgang von Christian Mitter an Thomas Trinker.

Von personellen Veränderungen nicht verschont blieben auch die Nordischen. Während der Abgang von Biathleten-Trainer Ricco Groß wegen Erfolglosigkeit - ihn beerbte der Norweger Vegard Bitnes - kaum jemanden überraschte, hinterließ der Aufstieg von Skisprung-Assistent Thomas Thurnbichler zum polnischen Teamtrainer Irritationen. "Vor wenigen Tagen hat er mir per Handschlag zugesichert, dass er uns und Österreich sicher erhalten bleibt", ärgerte sich der Sportliche Leiter im Skispringer-Team, Mario Stecher.

Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Keine Nachbesetzung ist hingegen für Patrick Riml, der als Alpin-Direktor in die USA wechselt, nötig. Seine Agenden für die "Organisation und Struktur Hochleistungssport Ski alpin" betreut Herbert Mandl. Der frühere Damencoach tritt seine neu geschaffene ÖSV-Funktion als Sportlicher Leiter am 1. Mai an.(rel/apa)