Nachdem die Speedfahrer am vergangenen Wochenende erstmals in diesem Winter voll angeschrieben haben, will Österreichs alpine Technik-Sparte nachziehen. Im Nachtslalom-Klassiker von Madonna di Campiglio am Donnerstag (17.45/20.45 Uhr/ORF 1) haben Manuel Feller, Marco Schwarz und Co. Spitzenplätze im Visier. Nach einem mehr als mauen Vorjahr soll beim Traditionsrennen im Trentino wieder ein Österreicher vom Stockerl lachen. ÖSV-Rennsportleiter Marko Pfeifer strahlte Zuversicht aus.

"In den letzten Jahren waren wir in Madonna nicht gerade stark unterwegs, aber ich habe die Mannschaft gesehen, wie sie fahren. Da bin ich schon zuversichtlich, dass wir ein gutes Rennen haben", sagte Pfeifer. Die beiden Riesentorlauf-Auftritte seiner Mannschaft in Alta Badia ordnete der Kärntner am vergangenen Wochenende als durchwachsen ein. Beim Flutlicht-Klassiker soll nun wieder ein Schritt nach vorne folgen. Im ersten Männer-Slalom des Winters in Val d’Isere verhinderte ein überlegener Lucas Braathen aus Norwegen einen Erfolg Fellers.

Der Tiroler fuhr in Frankreich zu unsauber - nun gab er sich kämpferisch. Er habe "den Fokus jetzt zu hundert Prozent auf dem Slalom", sagte Feller in Alta Badia. Seinem Ausfall im Riesentorlauf konnte der 30-Jährige auch Positives abringen. "Ich habe um einen Lauf mehr Regeneration und habe dadurch vielleicht das Alzerl schnellere Haxn im Slalom."

Auch Schwarz hat sich einiges vorgenommen. "Jetzt kommt eines meiner Lieblingsrennen. Dort war ich schon zweimal (2018, 2015, Anm.) auf dem Podest. Das ist auch das Ziel für morgen. Ich bin in Form, das sollte machbar sein", hielt der 27-Jährige am Tag vor dem Rennen fest. Alle Fahrer erwarten jedenfalls ein stimmiges Event unter Flutlicht - tausende werden im letzten Rennen vor Weihnachten den engen Kurs der legendären Canalone Miramonti wieder säumen.

Feller wurde in Madonna bereits Vierter (2020) und Fünfter (2017), die jüngste Erinnerung ist bei der gesamten rot-weiß-roten Mannschaft allerdings schlecht. 2021 setzte es nach den Ausfällen von Feller und Schwarz das schlechteste Ergebnis im 800-Einwohner-Resort bisher: Michael Matt wurde beim Sieg von Sebastian Foss-Solevaag als bester ÖSV-Fahrer nur Zwanzigster. Die Österreicher ärgerten sich damals über die Pistenpräparierung, die ihrer Meinung nach zu wenig eisig ausgefallen wäre.

Matt ist auch heuer Teil eines achtköpfigen ÖSV-Aufgebots. Neben Matt, Feller und Schwarz stehen auch Fabio Gstrein, Adrian Pertl, Dominik Raschner, Simon Rueland und Johannes Strolz am Start. Am Dienstag hatte das Team frei, Mittwoch wurde noch im Sarntal bei Bozen trainiert. Dort sollen ähnliche Bedingungen wie in Madonna herrschen. Überraschen wie im Vorjahr will man sich heuer nicht lassen.

Hinter Feller und Schwarz setzen die übrigen Österreicher ihre Ziele freilich nicht zu hoch an. Matt ortete im Vergleich zu Val d’Isere, als er den zweiten Durchgang verpasste, einen Schritt nach vorne. "Es müsste merkbar etwas weitergegangen sein", meinte er. Ergebnisorientiert werde er dennoch nicht fahren. Das Minimalziel bleibt für Matt, in der Entscheidung dabei zu sein. Doppelolympiasieger Strolz fädelte in Val d’Isere ein - ein Schicksal, das ihn nach dem ersten Lauf auf Platz elf liegend auch im Vorjahr in Madonna ereilte, aber der weiteren Saison nicht abträglich war.

Feuz tritt auf der Streif ab

Bei den Speedkollegen gab es am Mittwoch indes eine prominente Rücktrittsankündigung: Der Schweizer Abfahrts-Olympiasieger und -Weltmeister Beat Feuz will seine große Karriere im Jänner in Kitzbühel beenden. "Ich freue mich darauf, meine Lieblingsrennen in Wengen und Kitzbühel noch einmal genießen zu können", erklärte der 35-jährige Berner, der damit auch auf die WM im Februar verzichtet.