Das neue Jahr im alpinen Ski-Weltcup beginnt mit einem Slalom-Schwerpunkt: Die Männer nehmen dabei einen ungewöhnlichen Termin in Garmisch-Partenkirchen in Angriff. Der Nachtslalom am Mittwoch (15.40/18.45 Uhr, ORF 1) hat es wahrlich in sich, gab es doch noch keinen dieser Art in der Gemeinde in Oberbayern. Auch die unmittelbare Nähe zum Olympiabakken, wo soeben das Neujahrsspringen über die Bühne gegangen ist, ist wohl weltweit einmalig. Sportlich geht es für die Österreicher im dritten Torlauf um den ersten Technik-Sieg in diesem Winter.

"Ich freue mich auf das Rennen, weil es ganz speziell ist", sagte Manuel Feller. Der Gudiberg liegt direkt neben der Skisprung-Arena, der Slalom-Kurs führt sogar teilweise über den Schanzenhang und mündet ins selbe Ziel - ein Alleinstellungsmerkmal im Weltcup. 2011 holte sich hier Jean-Baptiste Grange Slalom-WM-Gold. "Die Kulisse, wenn man ins Skisprung-Stadion reinfährt, ist einzigartig. Heuer werden auch viel mehr Leute dort sein als letztes Jahr. Für mich ist das ein super Beginn für den Slalom-Monat Jänner", fügte Feller hinzu. In Madonna war der Routinier kurz vor Weihnachten Fünfter, im Vorjahr wurde er beim Slalom-Doppel auf dem Gudiberg ein Mal Dritter; zwei Mal Sieger war der Norweger Henrik Kristoffersen.

Am Montag und Dienstag simulierten die Österreicher in Fellers Heimatort Fieberbrunn die Verhältnisse, die man wegen der hohen Temperaturen in Garmisch wohl vorfinden wird: eine mit massenweise Salz behandelte Piste. "Ich habe keine spezielle Vorgabe, aber bin top-vorbereitet", betonte der 30-Jährige.

"Es ist eine extrem große Umstellung gegenüber Madonna von den Bedingungen, auch vom Material her. Deswegen war das Training in Fieberbrunn extrem wichtig", sagte der Olympiaslalom-Zweite Johannes Strolz. Für ÖSV-Rennsportleiter Marko Pfeifer ist er neben Feller und Marco Schwarz die heißeste ÖSV-Aktie. Nach zwei Ausfällen zum Saisonbeginn geht es für den Vorarlberger in erster Linie darum, nach zwei Ausfällen Punkte anzuschreiben. "Das Schwierige ist, dass du trotzdem voll attackieren musst. Ich bin gut drauf, fahre einen schnellen Schwung, das habe ich auch im Training gezeigt." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich das endlich auch im Rennen niederschlage, meinte der Doppel-Olympiasieger von Peking.

Shiffrin-Angriff auf Vonn
auf dem Bärenberg

Ebenfalls bei satten Plusgraden und aufgeweichter Piste jagt Mikaela Shiffrin in Zagreb den Weltcup-Siegrekord. Nach ihrem kompletten Triumph mit drei Erfolgen am Semmering liegt der US-Skistar bei 80 Erfolgen nur noch zwei hinter Lindsey Vonn und sechs hinter Ingemar Stenmark zurück. Womit bei der traditionellen "Snow Queen Trophy" zu Jahresbeginn die Marke ihrer US-Landsfrau eingestellt werden kann, gibt es doch heuer auf dem Bärenberg ein Damen-Slalom-Doppel mit Rennen am Mittwoch (12.30/16.30 Uhr) und Donnerstag (15/18 Uhr/ORF 1). "Ich hätte es nicht geglaubt, und ich bin dankbar, dass ich nach 80 Siegen immer noch zweifle", sagte Shiffrin vor Silvester. "Ich habe es vorgezogen, meine ganze Karriere als Zweiflerin zu leben, was auch immer ich erreicht habe. Das hält einen am Arbeiten, denn ich habe immer noch das Gefühl, dass es nicht real ist. Und es ist viel spannender, ständig zweifelnd zu sein, als zu erwarten, dass man gewinnt." Für Österreichs Technikerinnen gilt nach den jüngsten Debakeln wohl jede Platzierung in den Top Ten als Gewinn. "Wir werden versuchen, das Ruder rumzureißen", erklärte ÖSV-Frauen-Rennsportleiter Thomas Trinker.(apa/may)